Zehnstündiges Benefiz-Konzert – Erlös für die Hinterbliebenen des Tänzelfest-Opfers

"Kaufbeuren ruckt zsamma" 

+
Initiator und Organisator des musikalischen Spektakels für einen guten Zweck ist der Kaufbeurer Musiker Stephan Schmidt („Doc Fetzer“).

Kaufbeuren – Eine Mammut-Show in Sachen Musik und Comedy geht am Samstag, den 7. Dezember, über die Bühne – oder besser die zwei Bühnen – der Zeppelinhalle in Kaufbeuren. 18 Bands, Einzelkünstler und Comedians werden ab 14 Uhr zehn Stunden lang nonstop das Publikum unterhalten.

Mit dem Benefizkonzert, das der Kaufbeurer Musiker und Künstler Stephan Schmidt ("Doc Fetzer") am 7. Dezember in der Zeppelinhalle organisiert, möchte er möglichst viele Menschen ansprechen. Die musikalischen Stilrichtungen sind dementsprechend breit gefächert, sodass für jeden Musikgeschmack etwas dabei sein dürfte: Von Blues über Rock, Independence, Bachata, Merengue, Kizomba Reggae, Rap bis hin zu Hip Hop und Folk. Der Reinerlös des Benefiz-Konzertes soll den Hinterbliebenen des jungen Familienvaters aus Kasachstan zugutekommen, der beim Tänzelfest im Juli dieses Jahres durch den Schlag eines anderen Mannes so heftig am Kopf getroffen wurde, dass er nur wenig später verstarb. 

Initiator und Organisator des Spektakels ist der Kaufbeurer Musiker Stephan Schmidt („Doc Fetzer“), der Kaufbeurer OB Stefan Bosse hat die Schirmherrschaft übernommen. Der Fall, bei dem ein aus Thüringen stammender Bauarbeiter einen jungen Familienvater brutal geschlagen hatte, woraufhin dieser im Krankenhaus verstarb, erregte deutschlandweit Aufsehen und Entsetzen und rückte Kaufbeuren mit seinem Tänzelfest, dem „ältesten historischen Kinderfest Bayerns“ (Veranstalter), in die Negativ-Schlagzeilen. Ob die Tat einen rechtsextremen Hintergrund hatte, wird das Amtsgericht Kempten demnächst klären. Fest steht, dass die Witwe und die beiden kleinen Kinder des 34-jährigen Spätaussiedlers nun ohne Ernährer dastehen – mit allen Problemen, die eine solche Situation mit sich bringt, so Schmidt. 

Die Nachricht vom Tod des jungen Mannes machte seinerzeit sehr schnell die Runde in Kaufbeuren. Auch Schmidt, der zur Tatzeit nicht weit vom Tänzelfestplatz entfernt an einem Gottesdienst teilgenommen hatte, erreichte die Information nach wenigen Stunden. Der 46-Jährige fand erst spät zum Glauben, ließ sich vor drei Jahren taufen. Seither gehört er der „Immanuel“-Gemeinde in Kaufbeuren an. So erklärt sich auch, dass er das Line-up des Benefiz-Konzertes für eine kurze Andacht unterbricht. 

Für Schmidt ist soziales Engagement nichts Neues. Bereits in der Vergangenheit unterstützte er soziale Projekte oder führte sie selbst durch. Sofort schwirrten in seinem Kopf Gedanken herum, wie man der Familie helfen könne. Dass er etwas machen würde, stand für ihn bereits am nächsten Morgen fest. Dass es ein Benefiz-Konzert sein würde, verwundert bei dem in Kaufbeuren vielfach engagierten Musiker Schmidt nicht. „Wir können den jungen Familienvater zwar nicht wieder lebendig machen, aber wir können der Witwe und den beiden kleinen Kindern des Opfers ein wenig Unterstützung auf ihrem schweren Weg geben“, ist Schmidt fest von der positiven Wirkung „seines“ Events überzeugt. 

„Man mag ja, sicherlich auch zum Teil berechtigt, über soziale Medien wie Facebook oder Twitter schimpfen, soviel steht aber fest: Sie bieten ein hervorragendes Forum, Ideen für viele Menschen sichtbar zu platzieren, zu diskutieren und Aktivitäten zu organisieren“, so Schmidt. Dass er jedoch eine solche Riesenwelle der Hilfsbereitschaft lostreten würde, als er sich bei Facebook einloggte und eine Gruppe mit dem Namen „Kaufbeuren ruckt zsamma“ anlegte, ahnte er nicht. Schon nach wenigen Tagen waren über 1.200 Menschen seiner Initiative beigetreten, lobten ihn für sein Vorhaben, spornten ihn an, „dranzubleiben“ und boten begeistert vielfältige Unterstützung an. „Ich war überwältigt, wie schnell sich alle möglichen Menschen bereit erklärten mitzumachen“, erzählt Schmidt nicht ohne eine gewisse Befriedigung über die überwältigende Resonanz, „bald schon war mein Problem, vielen Bands und Freiwilligen absagen zu müssen. Wir hätten ansonsten jeden Rahmen gesprengt, den man als Amateur-Veranstalter noch handhaben kann.“ 

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse, dem Schmidt von seiner Idee berichtete, übernahm spontan die Schirmherrschaft über das Benefiz-Konzert. Die Stadt hatte bereits unmittelbar nach der Tat selbst eine Spendenaktion für die Hinterbliebenen gestartet. Viele Bands beziehungsweise Einzelkünstler kommen aus der Region. Sie waren spontan bereit, ohne Gage aufzutreten, weiß Schmidt zu berichten. Darunter seien sehr bekannte Formationen wie der Hip-Hopper „Sir Seom“, „Via Domini“ (christlicher Rock) aus Kaufbeuren, „Losamol“ (Mundart Reggae Rock) aus dem Allgäu oder die Alternative-Rocker und „Emergenza“-Gewinner von „Matt Driven“. Auch Liebhaber guter Comedy werden auf ihre Kosten kommen. Die „moskitoldies“ aus Kaufbeuren und Hubert Werner aus Füssen versprechen beste Unterhaltung. 

Für Schmidt sind alle Präsentationen gleich gut und gleich wichtig. Während die ersten Stunden des Konzerts vielleicht eher das jüngere Publikum ansprechen, sollen abends verstärkt auch die etwas älteren Semester auf ihre Kosten kommen (genaues Programm: siehe Info-Kasten unten). Schmidts Empfehlung: „Vom Anfang bis zum Ende dabei sein!“ 

Wie man Konzertfestivals organisiert, weiß Stephan Schmidt. Als Musiker, der allein oder in unterschiedlichsten Formationen selbst als Musiker auftritt, mehr aber noch als Organisator des Straßenfestivals in Kaufbeuren mit zuletzt zehn teilnehmenden Bands weiß er, wie „es“ geht. Mit der Organisation des Benefiz-Konzertes stieß er aber in eine auch für ihn neue Dimension vor. Ein Riesenpensum an Arbeit wartete auf ihn. Das sollte er in den darauffolegenden Wochen und Monaten deutlich zu spüren bekommen. Zwar liegt nach wie vor die Hauptlast auf Schmidts Schultern, aber er muss nicht alles selbst stemmen. Schnell fand sich ein kleiner Stab aus freiwilligen Helfern zusammen, der Schmidt unterstützt. Da ist zum Beispiel jemand, der die Veranstaltungstechnik zur Verfügung stellen wird, andere sorgen für das Catering. Wieder andere kümmern sich um Pressearbeit und Werbung. 

Schließlich werden am Veranstaltungswochenende viele helfende Hände vor Ort sein, die kräftig anpacken wollen. Denn eins ist klar: 18 „Acts“ in zehn Stunden auf zwei Bühnen – das ist auch eine gewaltige logistische Herausforderung. Da ist jede Hilfe gern gesehen. 

Dafür, dass Schmidt und seinem Team nicht finanziell die Luft ausgeht, sorgen mehrere Sponsoren. Die Pächter der Zeppelinhalle etwa verzichten für die gute Sache auf Miete. Stephan Schmidt hofft nun gemeinsam mit Oberbürgermeister Bosse, dass viele Menschen am 7. Dezember gemeinsam mit den Künstlern ein deutlich sicht- und hörbares Zeichen setzen werden. Karten zum Preis von 15 Euro zzgl. VVK-Gebühr gibt es im Internet unter www.buronatoren.net. von Kreisbote

Das Programm

14.30 Uhr Sir Seom Hip Hop 

15 Uhr Passing By Independence 

15.30 Uhr Yerbamate Bachata, Merengue, Kizomba 

16 Uhr 874 Band, Reggae, Rap 

16.30 Uhr Train Riders Rap 

17 Uhr Coruna High Alternative Rock 

17.30 Uhr Expulsiv, Deutsch-Rock 

18. Uhr Udo Meller Folk, Rock, Blues 

18.30 Uhr Moskitoldies Improtheater 

19 Uhr WhatEverComes, (Worship m. Rock-Andacht mit Pastor Martin Heidenreich) 

20.30 Uhr T-Bone, Akustik 

21 Uhr Sneakers, Deutsch-Rock 

21.30 Uhr Desert Roses, Akustik-Rock 

22 Uhr Via Domini, Christl. Rock 

22.30 Uhr Blues & More Blues-Rock 

23 Uhr Matt Driven Alternative Rock 

23.30 Uhr Losamol, Allgäuer Mundart Reggae Rock

Moderation: moskitoldies (nachmittags) Hubert Werner (abends)

Meistgelesene Artikel

Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Buchloe – Die Stadt lässt sich ihre Kindergärten etwas kosten. Das bedeutet aber auch, dass Gebührenerhöhungen unumgänglich sind. Der Hauptausschuss …
Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Kaufbeuren – Rund 240 festlich gewandete Ballgäste hatten sich am vergangenen Samstag im Stadtsaal eingefunden, um am 151. Buronia-Gala-Ball der …
Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Pohl setzt auf Zusammenarbeit

Kaufbeuren – Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und Kaufbeurer Stadtrat Bernhard Pohl hat sich für 2017 viel vorgenommen. Diesen Eindruck …
Pohl setzt auf Zusammenarbeit

Kommentare