Bürgerversammlung in Marktoberdorf verläuft ruhig

Wenig besucht, viel erfahren

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Beim Thema Tempo 30 sind die Anwohner in Marktoberdorf sowie die Nutzer öffentlicher Einrichtungen anderer Meinung als viele Verkehrsteilnehmer.

Marktoberdorf – Nach einem kurzen Rückblick von Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell bekamen auf der Bürgerversammlung in Markoberdorf die recht spärlich vertretenen Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich zu den Belangen der Stadt zu äußern und ihre Anliegen vorzubringen. Besonders der Verkehr im Stadtgebiet beschäftigt die Bürger der Kreisstadt zurzeit – ansonsten gab es jedoch kaum Kritikpunkte.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell nutzte zunächst die Gelegenheit, um allen Bürgern aus den Stadt- und Ortsteilen zu danken, „die zur Wirtschaftskraft von Marktoberdorf beitragen“ – sei es durch ihre Kaufkraft oder die Steuereinnahmen, die Einkommens- und Gewerbesteuern in die Kasse der Stadt spülen. 

Bevor die Diskussionsrunde eröffnet wurde, gab Hell in einem „kleinen Streifzug durch das letzte halbe Jahr“ einen kurzen und prägnanten Rückblick über die städtischen Entwicklungen der vergangenen Monate, bei dem deutlich wurde, dass die Aufbruchsstimmung nach dem Amtsantritt des Nachfolgers von Altbürgermeister Werner Himmer in Marktoberdorf nicht nur von kurzer Dauer war. 

Bereits seit einigen Jahren anstehende Projekte sollen jetzt angepackt und umgesetzt werden – so beispielsweise das Schaffen von Wohnraum und die Freigabe von Neubaugebieten. Da die Stadt die starke Nachfrage nach Bauplätzen nicht bedienen könne, sei in den vergangenen Jahren eine Abwanderung aus dem Stadtgebiet zu beobachten. Allein in den letzten vier Jahren sei ein Rückgang um 400 Bürger zu verzeichnen gewesen, der vor allem dem Mangel an Wohnraum zuzuschreiben sei. Um diesem Abwanderungstrend entgegenzuwirken, sei die Stadt derzeit laufend auf der Suche nach neuem Baugrund, so Hell. 

Die zahlreichen nötigen Investitionen, auch in weitere wichtige Bereiche wie in die Infrastruktur, seien laut Hell notwendig, um einem Investitionsstau vorzubeugen und begründeten die Neuverschuldung der Stadt. Jetzt sei jedoch „nicht die Zeit, um zu sparen, sondern um zu investieren“. 

Die anschließende Gesprächsrunde legte grundlegende Interessenskonflikte zwischen verschiedenen Interessensgruppen offen, so beispielsweise beim Thema Verkehr. Die Forderung von Anwohnern und Nutzern öffentlicher Einrichtungen nach mehr Tempo-30-Zonen beeinträchtige immer auch den Verkehrsfluss, so Hell. Der Rathauschef machte deutlich: „Ich bin ein Fan von Tempo 30 an neuralgischen Punkten, aber das ist ein ganz, ganz schwieriges Thema“. 

Besonders an Bundesstraßen seien verkehrsberuhigte Bereiche nur „selten durchzusetzen“. Man befinde sich jedoch in engem Kontakt mit der Polizei, um vor allem die Verkehrssituation vor Kindertagesstätten und Schulen zu prüfen, versicherte Hell. Außerdem müsse die Entscheidung für mehr Tempo-30-Zonen auch die Bevölkerung – vor allem die Verkehrsteilnehmer – mittragen können: „Wenn wir das anfangen, werden weitere Anfragen kommen“ und es müsse in letzter Konsequenz in großen Teilen der Stadt, die ähnliche Verkehrspunkte darstellen, Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. 

Für die schwierige Park- und Verkehrssituation an der Buchel konnte Hell jedoch Entwarnung geben: Im Rahmen des Umbaus des Buchelkindergartens wird an der Westseite ein eigener Bring- und Holplatz angelegt; zusätzliche Parkplätze sollen die Parksituation ebenfalls verbessern. 

Auch die barrierefreie Beweglichkeit in der Stadt wurde von einem Bürger bemängelt. Vor allem im Hallenbad sieht der Einwohner noch Verbesserungsbedarf. An dieser Stelle fand Hell klare Worte: Vor allem im Rahmen von Umbaumaßnahmen oder bei Neubauten sei man bemüht, mehr Barrierfreiheit in der Stadt zu schaffen. Doch öffentliche Einrichtungen seien für alle Generationen da. Im Hallenbad solle auch der Badespaß für Kinder und Jugendliche erhalten bleiben.

von Sabrina Hartmann

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