Zwischenbilanz des "MET-live-Projekt" im Corona Kinoplex

Oper im Kino kommt gut an

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Roter Teppich, Kerzenleuchter und Sektbuffet vermitteln Opernfeeling im Kino.

Kaufbeuren – „Was ich sehr, sehr, sehr schön finde, ist, dass sich die Leute nett anziehen und viele sogar in Abendgarderobe kommen.” Günter Sobeck, Betreiber vom Corona Kinoplex, ist zufrieden mit dem Erfolg seines Experiments „Met-live”.

Nach der achten von zehn Vorstellungen hat sich das preisgekrönte Veranstaltungsformat auch in Kaufbeuren etabliert, „den Leuten gefällt’s recht gut, sogar Jüngere sind dabei, allerdings in der Minderzahl”, fährt Sobeck fort. 

Der Kinosaal 1 mit 300 Plätzen war immer zu etwa zwei Dritteln gefüllt, außer beim ersten Mal, wo zunächst nur ca. 80 experimentierfreudige Besucher gekommen waren. Aber auch ungefähr 20 Gesamtpakete über alle zehn Vorstellungen hatten Abnehmer gefunden. Für die 8. Vorstellung waren exakt 222 Karten verkauft worden, trotz Valentinstag und trotz der massiven Konkurrenz des aktuellen Straßenfegers „Fifty Shades of Grey”, der nebenan gespielt wurde. 

Die beiden weniger bekannten, als „Double Bill” präsentierten Einakter „Iolanta” von Peter Tschaikowsky und „Herzog Blaubarts Burg” von Béla Bartók hatten unter den mittlerweile zu Fans gewordenen Kaufbeurer ihr Publikum. Man fand zwei Kurzopern mit märchenartigen Variationen zum Thema Liebe offenbar sehr passend für den Valentinstag – in „Iolanta” mit Happy End und in „Blaubarts Burg” mit einem beklemmend obsessiven Unhappy End. 

Auf die Frage, ob er in der nächsten Saison wieder MET live anbieten werde, antwortete Sobeck mit einem „uneingeschränkten, hundertprozentigen JA”. Schon als der Münchner Anbieter das erste Mal auf ihn zugekommen sei, habe er sofort gesagt „probier mers”. Es sei einfach einmal etwas anderes, daher würde sich auch seine Belegschaft um den „Opernjob” geradezu reißen. 

Rund 15 Mitarbeiter – einschließlich Sobeck – sind es jedes Mal, die sich in die Liste eintragen und dann in „Uniform” – schwarze Hose und schwarzes Hemd mit gelbem Corona-Emblem sowie einer gelben Fliege bei den Herren – für die Operngäste einen roten Teppich ausrollen, ihre Garderobe in Empfang nehmen und sie mit einem Glas Sekt Willkommen heißen. 

Der Eingangsbereich ist mit Bistrotischen unter weinroten Hussen dekoriert, auf denen weinrote Kerzen in fünfarmigen silbernen Leuchtern strahlen. In der Pause ist darüber hinaus ein Buffet aufgebaut. „Diese Pausenhäppchen werden ebenfalls sehr gerne angenommen und in den höchsten Tönen gelobt. Sie sind ,handmade by Corona’ - meine Mitarbeiter machen die mit Begeisterung selbst.” erzählt Günter Sobeck. Am Valentinstag gab’s beim Verlassen des Kinosaals auch noch für jeden Besucher eine Rose. 

Das alles ist in dem Preis von 29 Euro enthalten, was zunächst für eine Kinokarte viel erscheint. 50 Prozent davon sind jedoch an New York abzuführen und 15 Prozent bekommt der Münchner Anbieter. Zweimal in der Woche vor der Aufführung finden Testläufe statt, um sicher zu stellen, dass von der Technik her alles in Ordnung und dass die Satellitenschüssel richtig eingestellt ist. Trotzdem bleibt immer „ein kleines Zittern”, ob die Life-Übertragung – innerhalb von zwei Sekunden über zwei Satelliten – auch wirklich klappt. Erstaunlicherweise hat zum Beispiel der Blizzard in New York während der letzten Aufführung keine Störung verursacht. 

Und angesichts der relativ kleinen Kameras, die in New York ohne zusätzliche Scheinwerfer verwendet werden, um das Publikum in der MET vor Ort möglichst nicht zu stören, ist die Qualität der Aufnahmen wirklich hervorragend. 

Die einzige Kritik, die Günter Sobeck bisher zur Kenntnis kam, betraf fehlende deutsche Untertitel bei den englischen Pausen-Interviews. Ach ja, einmal soll sich ein Gast beschwert haben, dass er von den Pausenhäppchen nicht satt geworden sei... 

Bis zum Ende der Spielsaison 2014/2015 haben Sie Gelegenheit, live noch zwei reizvolle Inszenierungen der Metropolitan Opera New York mit Weltklassekünstlern in HD-Qualität und 5.1 Dolby-Surround-Sound im Corona Kinoplex zu erleben. von Ingrid Zasche

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