Kurz vor dem Bürgerentscheid Versammlung zum Stadionneubau

Bürger melden sich zu Wort

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Gut gefüllt war das Gablonzer Haus bei der Bürgerversammlung am Montag. Daneben gab es über 80 schriftliche Anfragen.

Kaufbeuren – Städtisch finanziertes Profi-Eisstadion Ja oder Nein? Wer angesichts des Bürgerentscheids am Samstag noch Informationsbedarf zum Thema hatte, fand alle derzeitigen Meinungen und Fakten auf der Bürgerversammlung am Montag  im Gablonzer Haus zusammengenommen.

Rund eine Woche vor dem Bürgerentscheid pro oder contra Profi-Eisstadion war der Informationsbedarf der Bürger noch groß. Dies zeigte sich bei der Bürgerversammlung im Gablonzer Haus am vergangenen Montag mit rund 400 Besuchern und zeitweise über 1.800 Zuschauern per Live-Übertragung im Internet. Beim Argumentetausch zwischen dem Gastgeber und Vertreter der derzeitigen Stadtratsbeschlüsse OB Stefan Bosse, dem Vorsitzenden von Neues Kaufbeuren Ulrich Fürst und dem Publikum gab es praktisch keine neuen Tatsachen seit der entscheidenden Stadtratssitzung im Juli. Erreicht wurde dafür, die vielen verschiedenen Ansichten und Fakten noch einmal zu strukturieren und Fehlinformationen auszuräumen. 

„Es gibt einiges klarzustellen“, so Bosse schon zu Beginn der Veranstaltung. Zwar muss sich das Stadtoberhaupt grundsätzlich neutral verhalten, was eine Empfehlung an die Bürger für eine Entscheidung pro oder contra angeht. Er sah aber trotzdem Anlass, noch einmal dazulegen, warum der Stadtrat sich seinerzeit für den städtisch finanzierten Bau eines Eisstadions entschieden hat. Im Gegenzug erklärte Ulrich Fürst, warum er diese Entscheidung den Bürgern überlassen möchte und legte aus seiner Sicht mögliche Alternativen zum geplanten „Profi-Stadion“ dar. Schnell wurde dabei deutlich, dass die bislang genannten Zahlen durchaus unterschiedliche Sichtweisen ermöglichen. Bosse erklärte, alle derzeit kursierenden Zahlen seien „unverbindlich“: „Wir befinden uns derzeit in der Planungsphase mit der beauftragten Projektsteuerung. Hier gibt es natürlich Obergrenzen bezüglich der Kosten“, erklärte er. Genaue Zahlen könne es aber erst nach genauer Planung geben. Bislang orientiere man sich bei den Grundüberlegungen zu einem Neubau an dem Stadion in Weißwasser (Sachsen, 3050 Plätze) – „ein Stadion dieser Größenordnung würde bei uns etwa 20 Millionen Euro kosten“. 

Zu viel, findet Ulrich Fürst. Er plädierte bei der Bürgerversammlung erneut dafür, auch andere „Gedankenspiele“ zuzulassen. Er sieht unter anderem eine Tragluft-Überdachung der bestehenden Eisfläche, eine Lösung mit zwei getrennten Eisflächen oder grundsätzlich ein kleineres Stadion als wert an, weiterverfolgt zu werden. „Mir fehlen die pfiffigen Ideen“, so Fürsts Fazit zum bisherigen Vorgehen der Stadt. „Konkrete Lösungsvorschläge haben wir nicht. Wie sollen wir diese vorlegen, wenn nicht einmal die Stadt das kann?“, so der Vorsitzende von Neues Kaufbeuren. Er möchte außerdem, dass mehr über alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie einen Förderverein, Eigenbeteiligung des ESVK oder Großsponsoren, nachgedacht wird. 

Antworten auf konkrete Fragen wie die genauen Kosten für einzelner Stadion-Modelle gab es tatsächlich auch am Montag nicht. Unabhängig von den Details – laut Bosse sei die eigentliche Frage an die Bürger: „Wollt ihr weiter Profi-Eishockey in Kaufbeuren?“ Es gebe hier kein „richtig oder falsch“, sondern für beide Seiten „tolle Argumente“. Das Stadion sei übrigens nicht das erste Großprojekt, dass die Stadt stemme: „Ende der 1980er Jahre haben wir das Kaufbeurer Schwimmbad gebaut. Auch dieses wird sowohl von Vereinen, Wettkampfsportlern und der Allgemeinheit genutzt“, betonte Bosse. Er behauptet hinsichtlich der Haushaltslage der Stadt: „Wir werden es nicht merken, wenn wir das Stadion auch noch mittragen“, betonte aber im selben Atemzug: „Wir müssen natürlich wie bisher weiter sparen. Wir binden uns 1,5 bis 1,8 Millionen Euro jährlich ans Bein. Das darf man auch nicht kleinreden“. 

Keinen Sinn mache übrigens die Weiternutzung der bisherigen Eisfläche, wie unter anderem von Fürst vorgeschlagen. 

Der ESVK indes als direkt betroffener der Diskussion pro oder contra Stadion konnte die Meinung seiner Mitglieder und Fans nur aus den Publikumsreihen heraus kundtun, da er kein Beteiligter des Verfahrens zum Bürger- begehren ist. Dementsprechend nahmen diese rege an der Diskussion teil. 

Es zeugte von der Beherrschtheit der anwesenden Besucher, dass es – bis auf wenige Zwischenrufe – nicht zu den befürchteteten Händeln zwischen Befürwortern und Gegnern kam und jede Meinung Raum gegeben wurde. Die Polizei, die vorsorglich vor Ort war, konnte daher bereits in der Pause offiziell abrücken.

Zitate und Redebeiträge

OB Stefan Bosse: 

• „Die einen sagen, die Kosten für das Stadion holt die Stadt ohne Probleme kurzfristig wieder rein. Die anderen sagen, wenn wir das Profistadion bauen, können wir die Stadt zumachen. Beides ist falsch.“ 

• „Das Bürgerbegehren zum Stadion ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Es gibt tolle Argumente dafür und tolle Argumente dagegen.“ 

• „Man muss sehen, dass jeder, der in Kaufbeuren eine Sportstätte nutzen will, das umsonst tun kann, außer beim Hallenbad. Wir versuchen für jeden Kaufbeurer Verein, der an uns herantritt, eine spezifische Lösung zu finden.“ 

• „Wir müssen, was die Wünsche für den Haushalt angeht, auf jeden Fall eindampfen. Ich behaupte: Wir werden nicht merken, dass wir auch noch das Stadion mittragen.“ 

• „Das alte Stadion ist nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll zu sanieren. Die Eisfläche für sich genommen hat noch zehn bis 15 Jahre Restzeit.“ • „Wenn der ESVK in die Insolvenz gehen würde, bin ich mir sichern dass bald ein anderer Verein in Kaufbeuren spielen würde.“

Ulrich Fürst (NK): 

• „Neues Kaufbeuren wird als Zerstörer und Verhinderer dargestellt, der ESVK dagegen als Retter Kaufbeurens mit weltweiter Bekanntheit.“ 

• „Es gibt beim Eisstadion keine möglichen Fördertöpfe wie zum Beispiel beim Stadtmuseum. Das heißt, die Kosten bleiben zu 100 Prozent an der Stadt hängen.“

Besucher: 

• „Ich bin für ein Profistadion, aber nicht für die Vollkaskomentalität des ESVK.“ 

• „In einem großen, modernen Stadion mit entsprechender Anlage zum Beispiel für Discoläufe hätten wir sicher auch bessere Nutzerzahlen.“ 

• „Warum will man für die Fans des ESVK, von denen zwei Drittel keine Kaufbeurer sind, so viel ausgeben? Und wie will man verhindern, dass ein Profi-Stadion eine Pleite wird wie zum Beispiel der Berliner Flughafen?“ 

• „Ein Förderverein würde Bewegung in die Finanzierung eine Profi-Stadions bringen.“

ESVK: 

• Vorstandsmitglied Andreas Settele: „Wir werden natürlich im uns möglichen Umfang selbst etwas zum Stadionneubau beitragen. Da wären die sechsstellige Miete, Arbeitsleistung und auch das Einholen von Spenden.“ 

• Norman Rapprich, Faninitiative: „Seit dem Bürgerbegehren zerfleischt sich die ganze Stadt. Unwahr ist, dass die Profimann- schaft den Hauptteil der Eiszeiten im Stadion beansprucht; es sind derzeit nur zehn Prozent.“

von Michaela Frisch

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