Zahlreiche Flüchtlinge bei Füssen gestoppt

Viel zu tun für Polizei und BRK

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Der neue Gerätewagen des BRK Kreisverbandes OAL bei seinem ersten Einsatz am Füssener Grenztunnel.

Ostallgäu – Der G7-Gipfel in Schloss Elmau betraf den Kreisverband Ostallgäu des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in mehrfacher Hinsicht. Neben dem ohnehin langfristig geplanten Einsatz von etlichen Helfern des BRK im direkten Umfeld des politischen Großereignisses, führten die verstärkten Grenzkontrollen der Bundespolizei zu einigen weiteren Einsätzen des BRK.

So wurden spätnachts am Grenztunnel Füssen rund 50 Flüchtlinge aus Syrien durch die Bundespolizei gestoppt, die von Schleusern in Fahrzeugen über die österreichische Grenze gebracht werden sollten. 

„Die Bundespolizei verteilte die Mehrzahl der Flüchtlinge weiter nach Kempten und Lindau. Am Grenztunnel blieben dann noch 18 Flüchtlinge, welche unmittelbar von unserem Rettungsdienst und einem Arzt versorgt wurden“, schildert der Bereitschaftsleiter der Bereitschaft Pfronten Dr. Michael Stemmler die Situation. 

Laut Stemmler sei das Technische Hilfswerk Füssen bereits vor Ort gewesen und hätte ein Zelt aufgestellt, in dem sechs Feldbetten schon mit Flüchtlingen belegt waren. Weitere sechs kleine Kinder im Alter bis sechs Jahre spielten noch auf dem Gelände. „Nach einer Besprechung mit der Bundespolizei und dem THW haben wir entschieden, ein weiteres größeres Zelt aufzubauen“, berichtet der Bereitschaftsleiter weiter. 

Da die Flüchtlinge bereits 36 Stunden ohne Essen und Trinken auskommen mussten und nur zum Teil von den Vorräten der Bundespolizei versorgt werden konnten, wurde zusätzlich die „Schnelleinsatzgruppe Verpflegung OAL Süd“ alarmiert. „Bereits 40 Minuten später war diese an der Einsatzstelle. So hatte unser neuer Gerätewagen Betreuung (GW Btd.) seine Einsatzpremiere und die Flüchtlinge erhielten in kürzester Zeit eine vernünftige warme Mahlzeit“, berichtet Stemmler. „Dieser Einsatz hat deutlich gemacht, dass sich die Entscheidung des Landkreises, Gelder in die Anschaffung eines Gerätewagens zu investieren, gelohnt hat“, zieht Thomas Hofmann, Kreisgeschäftsführer des BRK Ostallgäu ein erstes Fazit. 

Indes wollten die Hilferufe der Bundespolizei an das BRK noch kein Ende nehmen. Der Betreuungsdienst Pfronten kam in dieser Woche noch zweimal am Grenztunnel zum Einsatz. So wurde eine Asylbewerberfamilie aufgegriffen, deren insbesondere noch kleines Kind ohne jegliche Hygieneartikel oder Wechselkleidung war. Auch wurde ein weiterer Schleuser mit insgesamt sechzehn Flüchtlingen, darunter sechs Kindern, entdeckt. Ihnen hatte besonders die an diesem Tag sehr starke Hitze zugesetzt. „Wir konnten alle Bedürftigen schnell und unkompliziert mit dem Wichtigsten versorgen – für die Kinder hatten wir sogar Spielzeug zur Verfügung. Auch die Bundespolizei zeigte sich sichtlich erfreut über unsere schnelle und unbürokratische Hilfe“, zieht Stemmler eine positive Bilanz der Einsätze. 

Konzept der Polizei geht auf 

Auch wenn für die Grenzübergänge im Allgäu noch keine detaillierten Zahlen vorliegen, zeigt die Bilanz der Bundespolizeidirektion München, dass das Konzept der Polizei voll aufgegangen ist. So war die Bundespolizeidirektion München im Rahmen des G7-Gipfels in ihren Aufgabenbereichen Grenzpolizei, Bahnpolizei und Luftsicherheit im Einsatz. Bei den Grenzkontrollen im Freistaat Bayern haben die Beamten der Bundespolizeidirektion München vom 26. Mai bis zum 8. Juni rund 105.000 Personen überprüft. 

Die Bundespolizisten stellten in diesen 14 Tagen mehr als 8.600 Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz fest. Sie verweigerten circa 430 Personen die Einreise. Darüber hinaus deckten sie etwa 150 weitere Straftaten wie etwa Urkundendelikte, Rauschgiftdelikte und Vergehen nach dem Waffengesetz auf. 

Der Erfolg des Einsatzes spiegelt sich zudem in einer Vielzahl sonstiger begleitender Aufgriffe wider: Die Beamten haben rund 350 gesuchte Personen festgestellt und hierbei knapp 60 Haftbefehle vollstreckt. „Unser Einsatzkonzept ist voll aufgegangen. Die Einführung der Grenzkontrollen und die lageangepasste Präsenz der Bundespolizei-Fahnder sowohl im Grenzraum als auch in Zügen und an Bahnhöfen hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass gewaltbereite Personen gar nicht erst versucht haben, in die Veranstaltungsregion im Süden Deutschlands zu reisen“, zeigt sich Präsident Hubert Steiger, Leiter der Bundespolizeidirektion München, zufrieden. 

„Dass neben den vollstreckten Haftbefehlen eine enorm hohe Anzahl von Straftaten im Bereich des Aufenthaltsgesetzes – illegale Einreise und Schleusungskriminalität – aufgedeckt wurde, bestätigt zudem, dass Grenzkontrollen auch über den kurzfristigen Anlass G7-Gipfel hinaus ein signifikantes Plus an Sicherheit in der Grenzregion bewirken können“, so Steiger abschießend.

kb/Kai Lorenz

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