Archäologen finden 4000 Jahre alte Gräber

Sensationsfund in Jengen

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Neben dem Frauenskelett fand man gut erhalten Schmuck aus der Bronzezeit.

Jengen – Einen spektakulären Fund haben Archäologen in Jengen gemacht. Auf einem Baugrund neben der Schule stießen die Experten auf ein uraltes Grab. Dieses soll 4.000 Jahre alt sein.

Das Baugelände war bereits zuvor als Bodendenkmal bekannt. Man hatte dort bereits Reihengräber aus dem frühen Mittelalter entdeckt. Die Forscher vermuteten daher zunächst, dass es sich bei den neuentdeckten Ruhestätten um frühmittelalterliche Alemannen-Gräber handeln könnte. Nachdem das Erdreich archäologisch untersucht wurde, steht nun jedoch fest: Die Gräber sind deutlich älter als zunächst vermutet und stammen wohl aus der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.). „Es ist ein schöner, ungewöhnlicher Fund und für die Region eine Sensation“, sagte der Kaufbeurer Archäologe Dr. Marcus Simm, der die Ausgrabungen geleitet hat.

Die Grabbeigaben deuteten darauf hin, dass die Toten aus einer höheren Gesellschaftsschicht stammten, so Simm. Der Werkstoff Bronze sei vor 4000 Jahren neu und besonders kostbar gewesen.

Simm weist darauf hin, dass das Gräberfeld von Jengen das derzeit südlichste bekannte aus der frühen Bronzezeit in Bayerisch-Schwaben ist. Wo die hier bestatteten Menschen lebten, sei unklar, die zu ihnen gehörende Siedlung sei nicht bekannt.

Heute weiß man sehr wenig darüber, wie die Menschen dort vor rund 4000 Jahren gelebt haben. Waren sie Jäger und Beerensammler, oder betrieben sie bereits Ackerbau- und Viehzucht? Wahrscheinlich sei aber auch, dass die Menschen eventuell Fernhandel betrieben haben, denn Jengen liegt in der Nähe der alten Fernpass-Handelsroute von Italien über Füssen nach Augsburg.

Mit Blick auf die Skelette vermutet Simm, dass es sich möglicherweise um die Anführer einer Sippe handelte. Eine der drei Frauen trug sogar zwei Ringe um den Hals. Sie hatte wahrscheinlich eine ganz besonders hohe Stellung, „vielleicht eine Seherin“, spekuliert der Archäologe. Nur bei den Männern sei kein Schmuck gefunden worden. Grabräuber haben sich wohl bereits vor 4000 Jahren an den Gräbern zu schaffen gemacht. Ein Indiz hierfür sei laut Simm auch, dass eines der Männerskelette ohne Schmuck war und die Knochen durcheinander lagen. „All das spricht dafür, dass das Grab ausgeraubt wurde“, so Simm.

Auch bei den drei Kinderskeletten wurde kein Schmuck gefunden. Dies liegt laut des Experten daran, dass sie wohl noch keine Funktionen in der Sippe hatten. Dennoch waren sie offenbar mit den Männern und Frauen verwandt, da sie so nahe beieinander lagen.

Bei den Frauen hingegen wurde der Schmuck noch gefunden. Dieser sei laut Simm so gut erhalten, dass nach den Mustern der Armreifen auch heute noch Silber- oder Goldschmuck angefertigt werden könnte.

Die Männer wurden wie üblich, mit dem Kopf nach Norden, die Frauen mit dem Kopf nach Süden und jeweils mit der Blickrichtung nach Osten in Richtung Sonnenaufgang beigesetzt, erläutert der Archäologe. Dies sei zu dieser Zeit, wie es auch heute noch bei den Muslimen praktiziert wird, üblich gewesen.

Im nächsten Schritt wird die Grabung nun ausführlich dokumentiert. Ein Anthropologe soll die Skelette untersuchen, um möglicherweise mehr über Herkunft und Lebensweise der Menschen zu erfahren. Die Funde aus den Gräbern werden konserviert und restauriert.

Jengens Bürgermeister ist "schuld"

Die Geschichte des spektakulären Fundes begann eigentlich damit, dass Jengens Bürgermeister Franz Hauck ein passendes Areal für ein Bauprojekt suchte. Auf dem etwa 3000 Quadratmeter großen Grundstück neben der Kirche und der Schule sollten Mehrfamilienhäuser mit 22 Wohnungen und einer Tiefgarage entstehen. Doch zuvor waren die Archäologen gefragt. Sie sollten das Gelände wissenschaftlich untersuchen und dabei vor allem auf frühmittelalterlichen Alemannen-Gräbern achten.

Bereits damals hatte man auf dem aktuellen Ausgrabungsgelände zehn Tage lang das Erdreich abgesucht, denn bereits im Jahre 1950 wurden beim Bau der Schule alte Knochen gefunden. Im Jahre 1980 war man hier fündig geworden mit einem frühmittelalterlichen Almannischen Gräberfeld aus dem 6. und 7. Jahrhundert nach Christus.

Die Funde von damals kamen ins Museum und gerieten in Vergessenheit. Nach den damaligen Funden wurde der Dorfkern Jengens als sogenanntes Bodendenkmal vom Landesamt für Denkmalschutz ausgewiesen. Die jetzt gefunden Skelette aus Jengen liegen in der Staatssammlung für Paleo- und Anatomie und Anthropologie in München. Die Bronzefundstücke hingegen haben ihre vorläufige Heimat beim Landesamt für Denkmalpflege in München gefunden. Dort werden sie restauriert.

Damit auch dieser spektakuläre Fund bei den Jengener Bürgern nicht wieder in Vergessenheit gerät, hat Bürgermeister Hauck einen Wunsch. Er könnte sich vorstellen, später zumindest Teile der sensationellen Skelett- und der Grabbeigabenfunde einen würdigen Platz in Jengen zu geben. So könnte auch die Bevölkerung ortsnah an den auf 2000 bis 1600 vor Christus datierten Funden teilhaben. Einen positiven Aspekt hat der Fund bereits jetzt schon. Denn durch das überregionale Interesse an den Ausgrabungen erlangt das kleine, beschauliche Dorf Jengen bereits jetzt schon eine gewisse Berühmtheit, sehr zur Freude von Bürgermeister Hauck.

Von Christa Spörer und Kai Lorenz

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