Keine Bewährung

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Auf der Füssener Theresienbrücke geschah die Auseinandersetzung zwischen einem Deutschen und zwei Italienern.

Kaufbeuren/Füssen – Für ein Jahr muss ein junger Italiener hinter Gitter. Er hatte, im April diesen Jahres auf der Füssener Theresienbrücke zusammen mit einem Landsmann einen Passanten angegriffen und verletzt. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil das Opfer sich gewehrt und die beiden in den Lech geworfen hatte.

Einer der beiden, ein 33-jähriger Italiener, ertrank im kalten Fluss und wurde erst Wochen später gefunden. Der 48-Jährige Deutsche war zuerst wegen Totschlags angeklagt worden, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren aber schließlich wegen Notwehr ein. Der überlebende 30-Jährige Italiener wurde nun in Kaufbeuren wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Es war ein dramatisches Zusammentreffen mit tödlichem Ausgang, das im April Schlagzeilen machte. Eine nächtliche Auseinandersetzung auf der Füssener Theresienbrücke zwischen zwei jungen Italienern und einem 48-jährigen Deutschen, es ist Alkohol mit im Spiel, die beiden traktieren den Mann mit Schlägen. Doch der wehrt sich und wirft die beiden über das Brückengeländer in den Lech. Einer von beiden, 32 Jahre alt, ertrinkt, der andere konnte gerettet werden.

Wer war hier Täter, wer Opfer? Das war kurz nach der Tat nicht klar, doch schließlich stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den 48-Jährigen ein – er hat demnach in Notwehr gehandelt. Bei der Verhandlung gegen den überlebenden 30-jährigen Italiener wurden die Vorgänge nun noch einmal aufgerollt.

Zwar erklärte der Angeklagte, sich an vieles nicht mehr erinnern zu können, anhand von Zeugenaussagen konnte die Richterin diese jedoch fast lückenlos rekonstruieren. Demnach war der Angeklagte zusammen mit seinem Bekannten in Füssen auf Trinktour unterwegs. Eine Versöhnung nach früheren Streitigkeiten sollte es werden.

Station machen wollten sie schließlich im „Blondie“, das an diesem Abend aber geschlossen hatte. Die beiden hätten trotzdem an die Tür geklopft und lautstark nach Einlass verlangt, erinnert sich der 48-jährige Fliesenleger. Er sprach die beiden aus einiger Entfernung an, erklärte, das Lokal habe geschlossen. Für die beiden Betrunkenen Grund genug, ihn erst zu beschimpfen und dann, so der 48-Jährige im Gerichtssaal, „völlig entfesselt auf mich loszutreten“. Auch die Fäuste flogen. „Ich dachte mir, die machen mich fertig, ich sterbe hier auf der Brücke“. Einer habe eine Bierflasche als Waffe benutzt.

Schließlich sei der Deutsche in die Knie gegangen, habe sich wieder hochgezogen und einen der beiden zu Greifen bekommen. „Dann ist er über das Brückengeländer geflogen“. Als die Streife der Polizei eintraf, waren beide bereits im Lech gelandet, einer von ihnen hatte noch den Rucksack des 48-Jährigen mit sich gerissen. „Ich habe gezittert, war benommen und hatte eine Platz­wunde am Kopf“, erinnert sich der ruhig und bedacht wirkende, aber kräftige Mann im Zeugenstand. Mehrere Tage musste er wegen seiner Verletzungen im Krankenhaus verbringen.

Das Geschehen wurde von einer Zeugin am Fenster beobachtet. Sie bestätigte die Aussage des 48-Jährigen. Auch zwei Frauen, die während des Streits an der Brücke vorbeikamen und den Angeklagten flüchtig kannten, äußerten in ihren Protokollen, „es war sinnlos, zu deeskalieren: Die beiden waren so aggressiv“.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein, reichte dem 48-Jährigen im Gerichtssaal die Hand.

Der Verteidiger betonte: „Mein Mandant hat bei dem Vorfall einen Freund verloren“. Es gebe zudem keine Hinweise darauf, dass dies sein „übliches Verhalten“ sei, außerdem sei er im kalten Lech selbst in höchster Lebensgefahr gewesen. „Das ganze war ihm eine deutliche Lehre“, sagte der Anwalt, der für ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung plädierte.

Dies sah die Richterin anders. Wer bei einem Alkoholwert von rund 2,3 Promille noch in der Lage sei, sich derart auf den Beinen zu halten, „trinkt sicher nicht nur einmal im Monat“, erklärte sie. Zudem fielen zwei einschlägige Vorstrafen und eine „hohe Rückfallgeschwindigkeit“ ins Gewicht. Auch der Staatsanwalt sagte: „Der Angeklagte hat seine Verfehlungen zwar eingeräumt, das ist aber keine Rechtfertigung“.

Auch weitere Zeugenaussagen hätten bestätigt, dass die beiden im Füssener Nachtleben „häufig aggressiv aufgefallen“ seien. Nur fünf Tage nach der Rechtskraft eines Urteils sei es schon zu einem weiteren Vorfall gekommen. Der Staatsanwalt plädierte für ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Schließlich lautete das Urteil auf ein Jahr – ohne Bewährung.

von Michaela Frisch

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