Buchloer Stadtrat macht es sich nicht leicht

Abreißen oder sanieren?

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Nach der Sanierung soll das alte Postgebäude, in dem heute schon die Volkshochschule untergebracht ist, ein vollkommen neues Gesicht bekommen. Es wird mit seinem Kulturcafé den Bahnhofsvorplatz prägen.

Buchloe – Einige Stadträte scheinen weiterhin kalte Füße zu haben. Am Ende gab es aber doch eine klare Mehrheit für die weitere Planungen zum Umbau des ehemaligen Postgebäudes am Bahnhof. Dort residiert bereits die Volkshochschule. Außerdem soll, wie berichtet, die Stadtbücherei dort untergebracht werden.

Philip Leube vom Architekturbüro F64-Architekten aus Kempten war an die Gennach gereist, um im Rathaus die inzwischen überarbeiteten Pläne und die schon recht konkrete Kostenschätzung vorzustellen. Das Büro hatte den Architektenwettbewerb gewonnen. Der Kreisbote hat ausführlich darüber berichtet. Das Gebäude sei nach vielen Detailuntersuchungen sehr gut in Schuss, erklärte Philip Leube. Die Kostenschätzung liege bei rund zwei Millionen Euro. „Wir sind sicher, dass der Preis gehalten werden kann“, erklärte der Architekt. Es gäbe sogar im Detail noch Einsparmöglichkeiten, beispielsweise durch den Einbau von Kunststofffenstern statt der teuren Aluminiumfenster. Bürgermeister Josef Schweinberger erklärte, nach seinen Gesprächen mit der Städtebauförderung könne man mit einem Zuschuss von etwa 800.000 Euro rechnen, so dass für die Stadt ein Eigenanteil von 1,2 Millionen Euro verbliebe. 

Stadtrat Franz Lang meinte stellvertretend für die Fraktion der FWV, das sei ein hoher Aufwand, „um eine Bruchbude aufzumotzen“. Er stellte den Antrag, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Er würde gerne das Gebäude noch einmal besichtigen. Monika Strohmayer, unabhängige Stadträtin, verwies wie schon in der letzten Sitzung auf ihr ungutes Gefühl. Vor allem gefiele ihr der feuchte Keller nicht. Auch sie plädierte für eine Vertagung des Tagesordnungspunktes. Es sei vorweg genom- men. Beide kamen mit dem Antrag nicht durch. Es war eine klare Lagerbildung bei der Diskussion zu erkennen. Zunächst gab es die Fraktion, die das Projekt in dieser Form optimal fand. Dann gab es einzelne Stadträte, die aus Kostengründen lieber eine Minimalsanierung wünschten und es gab die Befürworter eines Abrisses und eines Neubaus. Die Kosten einen Abrisses und den Neubau hatten die Kemptener Architekten untersucht. 

Alleine schon der Neubau würde nach Aussage von Philip Leube rund 2,8 Millionen Euro kosten. Darin ist der Abriss des Altbaus noch nicht enthalten. Gewichtiger noch sei die Tatsache, so Bürgermeister Josef Schweinberger, dass man nicht mit Zuschüssen in der Höhe von 40 Prozent rechnen könne, wie die Städtebauförderung sie für die Sanierung in Aussicht gestellt hat. Schweinberger resümierte, ein Neubau würde die gesamte Bahnhofsplanung „ad absurdum“ führen. Dann hätte man auch den Bahnhof anders bauen können. Für die CSU-Fraktion erklärte deren Vorsitzender Herbert Barthelmes, seine Partei habe sich für eine Neugestaltung des gesamten Areals einschließlich des Bahnhofsvorplatzes eingesetzt. Er nehme positiv zur Kenntnis, dass die Kosten „standhalten“. Barthelmes plädierte dafür, nun einen Schlussstrich unter die gute Planung zu setzen und in die Realisierungsphase einzutreten. Eine Minimalsanierung lehnte er ab, da es keine Kostenminderung zu Lasten der Barrierefreiheit geben dürfe. „Wir verändern Räumlichkeiten und die Fassade“, betonte der Bürgermeister. Man solle sich nicht jetzt an einem feuchten Keller aufhängen. 

Notfalls könne für die Malstube und die Modellbahnbauer, die derzeit noch den Keller nutzten, einen anderer Platz gesucht werden. Das Gebäude ist ein Teil der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der ein Schmuckstück werden soll und Buchloes Innenstadtgesicht neu prägen wird. Ein Highlight soll das vorgeschlagene Kulturcafe mit einer Glasfassade werden, die sich öffnen lässt. Bei schönem Wetter hätte der Bahnhofsvorplatz dann sogar ein Straßencafé mit einem Blick auf einen Brunnen. Josef Schweinberger möchte gerne im Jahr 2016 mit der Sanierung starten, um auch im Zeitplan der Neugestaltung des Bahnhofsplatzes zu bleiben. Das bisher von der Stadtbücherei genutzte Gebäude neben dem Rathaus könne, wenn es nach den Vorstellungen des Bürgermeister geht, dem Rathaus zuschlagen werden. Schon heute herrscht im Rathaus Raumnot. Die Mehrheit der Stadträte gab grünes Licht für die von den Architekten skizzierte Sanierung. Die Verwaltung kann nun die Zuwendungsanträge und die Baugenehmigung vorbereiten. Wenn alles im Zeitplan läuft, können die Buchloer im Jahr 2017 ihren Bahnhofsvorplatz samt neuen ZOB in Besitz nehmen. von Siegfried Spörer

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