Stadt setzt auf fairen Handel

Für mehr Menschlichkeit

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Buchloe darf sich ab sofort als „Fairtrade-Stadt“ bezeichnen. Bürgermeister Josef Schweinberger (r.) und Stadträtin Monika Strohmayer erhielten von Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz (l.) die Urkunde überreicht.

Buchloe – Die Stadt darf sich ab sofort „Fairtrade-Stadt“ nennen. In einem Festakt wurde das Ereignis letzte Woche im großen Saal des Rathauses gefeiert. Bürgermeister Josef Schweinberger gab in seiner Festansprache ein klares Bekenntnis im Namen der Stadt ab. „Wir wollen nach außen kundtun, dass wir gegen Kinderarbeit sind und für einen fairen Handel“.

Der Bürgermeister lobte die vielen ehrenamtlichen Helfer des „Eine-Welt-Ladens“, die als Wegbereiter den Anstoß für eine bessere Welt gegeben hätten. Oft seien es nicht die Männer, sondern „unsere Frauen und Mütter” gewesen, die den Anfang gemacht hätten, betonte der Rathauschef. Ein besonderes Dankeschön des Bürgermeisters ging an Angelika Hanneder, die den Anstoß für die Steuerungsgruppe gegeben habe und an Monika Strohmayer, die im Stadtrat sich unermüdlich dafür eingesetzt habe. Ihre Bemühungen seien im Stadtrat durch einen einstimmigen Beschluss unterstützt worden. 

Eigens aus Wuppertal angereist war Manfred Holz. Ihm oblag es als „Fairtrade-Ehrenbotschafter“, die Urkunde zu überreichen. Buchloe ist somit die 337 Stadt in Deutschland, die den Namen „Fairtrade-Stadt“ führen darf. „Fairtrade ist aus der exotischen Nische zur Bürgerbewegung geworden“, hob Holz hervor. Es gebe in Deutschland fast keinen Laden mehr, der gar keine Fairtrade-Produkte anbiete. Bundesweit würden 310 Firmen über 3000 gesiegelte Produkte in 800 „Eine-Welt-Läden“, in weiteren 42.000 Geschäften und in über 20.000 gastronomischen Betrieben anbieten. 

Holz stellte klar, dass die Käufer von Fairtrade-Produkten keine Spenden oder Almosen verteilen würden. Vielmehr würden sie einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen leisten. Fair sei also nicht, billig einzukaufen, wofür andere teuer bezahlen. „Wir alle haben eine gemeinsame Verantwortung, dass diejenigen, die uns den Tisch decken, auch selber satt werden“, so Holz. Das schließe auch Deutschland ein. „Wir sind unabhängig und handeln nicht selbst mit Waren, sondern wir vergeben Siegel für fair gehandelt Produkte“, stellte der Ehrenbotschafter klar. 

Buchloe spiele heute in der Champions League zusammen mit London, Manchester, Rom, Paris, Kopenhagen, Madrid, München, Gelsenkirchen oder Dortmund. Alle diese Kommunen seien auch Fairtrade-Städte, lobte Manfred Holz. 

Die Unterstützung für das Fairtrade-Projekt in Buchloe war groß und sie kam nicht nur von den beiden Kirchengemeinschaften. Auch die türkisch-islamische Gemeinde Buchloe gehörte zu dem Kreis der Unterstützer. Schulen, Kindergärten, AWO, oder Feuerwehr fördern das Projekt. Von den Handelsgeschäften unterstütze Feneberg und der V-Markt den fairen Handel, ebenso wie die VR-Bank und Sparkasse. Auch die Firma Hörmann fehlt nicht. Die Stadt Buchloe hat einen Flyer herausgegeben, in dem alle Firmen und Institutionen aufgeführt sind, die das Projekt unterstützen. 

Monika Strohmayer berichtete, dass sich der Arbeitskreis im Jahre 2009 zum ersten Mal getroffen hätte. Nach etlichen Sitzungen hätten in Zusammenarbeit mit ihr die Stadträte Rudi Grieb, Evi Kienzle und Anton Kögl den Antrag gestellt, dass „die Stadt Buchloe den Titel Fairtrade-Stadt anstrebt“. Im Jahr 2013 sei der einstimmige Beschluss im Stadtrat gefallen. 

Die ehemalige SPD-Vorsitzende und heute unabhängige Stadträtin betonte, Fairtrade sei ein wichtiger Beitrag zu Gerechtigkeit und Frieden. Es ginge um gute Produkte zu fairen Preisen. Die könnten garantieren, dass Familien davon leben könnten, menschenwürdige Produktionsbedingungen geschaffen würden und ausbeuterische Kinderarbeit gestoppt würde. 

„Es ist uns klar, dass wir nicht die ganze Wirtschaftswelt verändern können“ sagte Strohmayer, „aber auch die Buchloer können einen Beitrag zu mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit leisten“. Für die Stadträtin ist sicher: „Wenn viele kleine Leute in vielen Orten viele kleine Dinge tun, wird eines Tages etwas Großes daraus“. Das Rathaus geht hier mit gutem Beispiel voraus. Bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Rates wird nur noch Fairtrade-Kaffee serviert. 

Aufmerksame Besucher der Buchloer Veranstaltung waren Grünen-Stadträtin Marita Knauer und Manfred Pfänder aus der Steuerungsgruppe für Fairtrade in Kaufbeuren. „Wir haben den Antrag für die Auszeichnung für Kaufbeuren gestellt“, erzählte die Stadträtin dem Kreisboten. Sie hofft, dass noch in diesem Jahr Kaufbeuren als 338. Kommune „Fairtrade-Stadt“ wird.

von Siegfried Spörer

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