Buchloe kämpft um seine Kinderarztpraxis – Unterstützung der Staatsregierung gefordert

Wer nicht kämpft hat schon verloren

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Durch den plötzlichen Tod von Dr. Anna Frank vor ein halben Jahr hat Buchloe keinen Kinderarzt mehr. Ein Nachfolger für die Praxis in bester Lage in der Bahnhofstraße wird dringend gesucht. Noch hängen die Schilder für die Praxis.

Buchloe – Die Stadt hat seit geraumer Zeit keine Kinderarztpraxis mehr. Trotz intensiver Suche ist es Bürgermeister Josef Schweinberger bislang nicht gelungen, einen Nachfolger für die verstorbene Kinderärztin zu finden.

Deshalb hatte der Rathauschef kürzlich das Thema zur Vorberatung im Hauptausschuss auf die Tagesordnung gesetzt. Die Zeit drängt. Findet sich bis zum Jahresende 2014 keine Nachfolgerin oder Nachfolger für die Praxis, wird diese nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung (KAV) in Zukunft nicht mehr besetzt. 

„Das geht nicht“, befanden die Ausschussmitglieder und schlossen sich der Meinung des Rathauschefs an. Zwar gibt es das Interesse eines Kinderarztes aus einer Nachbarstadt, der aber in Buchloe selbst keine eigene Praxis aufmachen will. „So besteht die Gefahr, dass die Praxis in Buchloe nicht weitergeführt wird“, heißt es in der Vorlage für den Hauptausschuss. 

Die Kassenärztliche Vereinigung hat der Stadt die Auskunft erteilt, dass im Versorgungsgebiet Ostallgäu/Kaufbeuren eine Überdeckung an Kinderärzten besteht und somit keine Kinderarztstellen zur Bedarfsdeckung notwendig seien. Die Überdeckung betrage im Versorgungsgebiet 157,3 Prozent. Die KAV gehe ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent von einer Überdeckung aus. Rechnerisch wären also nur knapp neun Arztstellen für die Region notwendig. Tatsächlich seien aber derzeit 16 Ärzte auf den errechneten 12,75 Arztstellen tätig. 

Das Problem, so Bürgermeister Josef Schweinberger, sei aber die für Buchloe ungünstige Verteilung der Kinderärzte auf den Landkreis. Das Betreuungsgebiet erstrecke sich über den gesamten Landkreis Ostallgäu von Füssen bis Buchloe. Die fünf Kinderärzte in Füssen und die drei Arztstellen in Marktoberdorf könnten für die Berechnung nicht herangezogen werden. „Es ist für Eltern mit Kleinkindern nicht zumutbar, eine Fahrstrecke von 40 oder gar 70 Kilometer zur Behandlung ihres Kindes zurück zu legen. Insbesondere bei akuten Erkrankungen ist dies nicht umsetzbar“, schreibt die Verwaltung in ihrer Vorlage. Auch eine Fahrstrecke nach Kaufbeuren mit über 20 Kilometer sei als grenzwertig anzusehen. 

Josef Schweinberger wies darauf hin, dass ein Ausweichen auf die bestehenden Kinderarztpraxen in Landsberg oder Kaufering ebenfalls nicht möglich sei, da dort der Versorgungsgrad rechnerisch fast ausgeschöpft sei. Es sei dort lediglich eine Überdeckung von einer halben Arztstelle gegeben. Das Gleiche gelte für die Kreisregion Memmingen/Unterallgäu. In Memmingen sei mit elf von insgesamt 15 ein Großteil der Arztstellen konzentriert. Drei Kinderärzte gäbe es in Mindelheim und zwei in Bad Wörishofen. 

Die Vorlage stellt fest, dass durch den Wegfall der Praxis in Buchloe eine zusätzliche Belastung für die ohnehin gut ausgelasteten Praxen zukäme. Zwar sei rechnerisch im Landkreis Augsburg eine weitaus größere Überversorgung gegeben, doch stehe in der unmittelbaren Nachbarregion zu Buchloe mit einem Kinderarzt in Schwabmünchen ebenfalls keine zusätzliche Kapazität zur Verfügung. Außerdem, so stellte der Rathauschef fest, sei auch hier das Problem, dass alle anderen Kinderärzte außerhalb einer 30 Kilometerzone praktizieren würden. 

Josef Schweinberger wäre nicht Josef Schweinberger, würde er keine Lösung präsentieren. Die fand er im Gesetz im Paragraf 105, Absatz 5 des Sozialgesetzbuches V. Dort heißt es, dass eine Kommune in begründeten Ausnahmefällen mit Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung eine Arztstelle als eigene Einrichtung betreiben kann. 

Schweinberger bezieht auf insbesondere auf die Aussage im Gesetz: „Ein begründeter Ausnahmefall kann insbesondere dann vorliegen, wenn eine Versorgung auf andere Weise nicht sichergestellt werden kann“. Im Ergebnis würde es bedeuten, dass die Stadt Buchloe den Kinderarztsitz selbst betreuen und hierzu neben dem Kinderarzt auch entsprechendes Personal anstellen sowie die notwendige Praxiseinrichtung und die Räume zur Verfügung stellen müsste. 

"Wir brauchen einen Kinderarzt" (Schweinberger) 

„Diese Regelung ist noch nie in Bayern angewendet worden, stellte der Rathauschef fest. „Doch wer nicht kämpft, hat sowieso verloren“, betonte Josef Schweinberger. Ein kämpferischer Bürgermeister sagte: „Ich lasse mir den Sitz des Kinderarztes von Buchloe nicht wegnehmen. Wir brauchen eine Kinderarzt in Buchloe“. Für ihn sei eine Kinderarztpraxis ein unverzichtbarer Standortfaktor. 

Schweinberger bemühte sogar die bayerische Landesverfassung, die von gleichen Lebensverhältnissen ausgehe. Der Bürgermeister fordert die Unterstützung der Staatsregierung ein und will in Kürze auf Überzeugungstour für seine Pläne gehen. Der Hauptausschuss gab ihm Recht und unterstützte sein Vorhaben. Endgültig entscheiden muss nun der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung. von Siegfried Spörer

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