Ein "Weckruf" an die Politik

+
Wenig Probleme gab es bisher in der bestehenden Flüchtlingsunterkunft im Buchloer Gewerbegebiet. Dort leben derzeit 29 Menschen in Zweibettzimmern auf engstem Raum.

Buchloe – Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger gilt als Mann der Tat, der nicht zum Wehklagen neigt. Die große Welle der Asylbewerber, die auf seine Stadt zurollt, veranlasst ihn nun aber zu einem „Weckruf“ an die Politiker in Bund und Land, die Kommunen und somit Buchloe nicht im Stich zu lassen.

Deshalb brachte der Rathauschef eine Resolution des Stadtrates ein, die ausführlich in der jüngsten Sitzung diskutiert und mit vier Gegenstimmen verabschiedet wurde. 

„Mir wird himmelangst“, sagte der Rathauschef. Eine Turnhalle nach der anderen werde von den Landratsämtern beschlagnahmt. Die Unterbringung werde immer schwieriger. Der Beistand der großen Politik fehle. Schweinberger sieht auch die Folgekosten, die auf Buchloe zurollen und die derzeit noch nicht abschätzbar seien. 

Es ginge dann auch um zusätzliche Kindergartenplätze, Schulen, Wohnraum, Arbeitsplätze und letztlich auch um die Integration selbst, die bei den großen Zahlen immer schwieriger werde. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer sei das nicht zu bewältigen. Doch auch hier seien Grenzen erreicht. 

Ein weiteres Problem sprach Schweinberger auch klar an: In der Bevölkerung würden die Ängste wachsen. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagte der Bürgermeister. „Ich habe viele Gespräche geführt und werde das auch weiterhin tun.“ Auf der anderen Seite stehe unsere Verantwortung gegenüber den Menschen, die zu uns kämen und bei uns Schutz suchen würden. 

Positiv konnte Schweinberger anmerken, dass es wegen der ersten Wohncontainer im Gewerbegebiet anfangs auch viele Befürchtungen der Bevölkerung gegeben habe, die sich aber dann in Luft aufgelöst hätten.

 Buchloe hat derzeit etwa 47 Asylbewerber. Nach einer Vereinbarung des Landkreises Ostallgäu solle zukünftig jede Gemeinde entsprechend ihrer Einwohnerzahl ein Prozent Asylbewerber unterbringen. Für Buchloe würde das 125 Menschen bedeuten. 

Josef Schweinberger befürchtet, dass diese Quote aufgrund der großen Flüchtlingswelle schon bald Makulatur ist. „Ich rechne mit einer Quote von zwei Prozent, was bald 250 Asylbewerber für Buchloe bedeuten würde.“ In der Resolution bekennt sich die Stadt Buchloe uneingeschränkt zum Grundrecht auf Asyl. 

Dazu gehöre aber auch die Bekämpfung des Asylmissbrauchs. Gefordert wird eine Beschleunigung der Verfahren und die konsequente und zügige Rückführung der abgelehnten Antragsteller. Vor allem sollten Balkanländer wie Albanien, Kosovo, Montenegro, Serbien oder Bosnien-Herzegowina als sichere Herkunftsländer eingestuft werden. Der komplette Text der Resolution wird in Kürze ins Internet gestellt. 

Die Stadt Buchloe fordert darüber hinaus, eine fachliche Betreuung durch ausgebildete Fachkräfte sicher zu stellen, da dies durch die ehrenamtlichen Helfer nicht mehr sicher gestellt werden könne. Eine Betreuungsrate von 1:75 erscheine sinnvoll, heißt es in der Resolution. 

Einigen Stadträten schien diese Quote zu niedrig. Sie fordern eine Betreuungsrate von beispielsweise 1:50. Diskutiert wurde aber nicht nur die praktische Seite der Asylunterbring-ung. Realismus traf auf Idealismus. Schweinberger erinnerte daran, dass man im Buchloer Stadtrat sei und nicht im Bundestag oder im Europa-Parlament.

von Siegfried Spörer

Meistgelesene Artikel

Beginn einer neuen Ära

Kaufbeuren – „Kooperation beruht auf Vertrauen und Verlässlichkeit.“ Mit diesen Worten charakterisierte Brigadegeneral Stefan Lüth als Vertreter der …
Beginn einer neuen Ära

Meisterliche Meister

Kaufbeuren – Im Rahmen des Meisterkurses für Klavier und Violine, der von der Ludwig-Hahn-Musikschule immer um die Jahreswende in Kaufbeuren …
Meisterliche Meister

2017 ist wieder Marathon-Jahr

Marktoberdorf – Der Countdown läuft. Zum Zeitpunkt, als dieser Bericht entstand, zählt er noch 174 Tage, 21 Stunden, zehn Minuten und einige Sekunden …
2017 ist wieder Marathon-Jahr

Kommentare