Marktoberdorfs Bürgermeister zieht Bilanz

Dr. Wolfgang Hell nach 365 Tagen im Amt

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Dr. Wolfgang Hell ist nun seit rund einem Jahr Chef im Marktoberdorfer Rathaus. Für seine Stadt tritt er kräftig in die Pedale.

Marktoberdorf – So kennen ihn die Bürger Marktoberdorfs nun seit einem Jahr: als radfahrenden Bürgermeister, der die kurzen Wege in der Stadt lieber mit dem Drahtesel als mit dem Dienstwagen absolviert.

Seit dem 1. Mai 2014 lenkt Dr. Wolfgang Hell nicht nur sein Fahrrad in Richtung Rathaus, sondern steuert als Chef desselben auch die Geschicke der Kreisstadt. Im Gespräch mit dem Kreisboten zieht der Bürgermeister Bilanz eines ersten Jahres als Quereinsteiger im Amt. 

Es sei wie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, erinnert sich Hell, der vor seiner Wahl als Betriebsarzt und medizinischer Gutachter tätig war. Angetreten mit dem Versprechen, Dinge anpacken und Warteschleifen auflösen zu wollen, spricht der Bürgermeister heute auch von einem Lernprozess. „Ich musste lernen, dass viele Abläufe gesetzlichen Bestimmungen und Fristen unterliegen und damit einfach länger dauern, als ich es mir wünschen würde“, erklärt Hell und nennt als Beispiel die Ausschreibung eines neuen Baugebiets, wie in der Saliterstraße. 

Andere Projekte wiederum müssten mit Sorgfalt aufgearbeitet werden, so beispielsweise die Erneuerung des Busbahnhofs. Hierzu führe die Stadt gerade Gespräche mit der Deutschen Bahn – auch die dauerten an. In kleinen Schritten anstatt in großen Etappen zu denken, auch das eine Erfahrung der ersten 365 Tage. 

Motiviertes Rathausteam 

Gut, dass er ein Team sehr motivierter Mitarbeiter vorgefunden habe, resümiert Hell. Mitarbeiter, die bereit seien, mit ihm auch an einem neuen, bürgerfreundlicheren Gesicht der Behörde zu arbeiten. „Auch da stehen wir vor vielen Herausforderungen“, sagt Hell. In diesem Jahr noch soll der Internetauftritt der Stadt überarbeitet werden. 

Neu ist bereits, dass öffentliche Beschlüsse des Stadtrats zeitnah online einsehbar sind. „Wir sehen uns als Dienstleister am Bürger, wollen transparent, geradlinig und berechenbar sein. An diesem Anspruch arbeiten wir uns nun konsequent ab.“ 

Großprojekte unterstützen 

Eindeutige Position bezieht Hell, wenn es um die Großprojekte in der Stadt geht, die Befürworter wie Widersacher auf den Plan gerufen haben: Stichwort Ärztehaus oder Hotelneubau. Der Bürgermeister ist überzeugt, dass diese privaten Bauvorhaben in Millionenhöhe die Attraktivität der Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort steigern. „Solche Chancen bekommt eine Stadt nur alle Jahrzehnte. Wir sollten dankbar sein und helfen, diese Projekte auf den Weg zu bringen“, sagt Hell und beruft sich dabei auch auf die Unterstützung der Stadträte – fraktionsübergreifend, wie er betont. 

Neben der Aufarbeitung alter Vorhaben will Hell Anstoß geben für neue Projekte. Die Belebung der Innenstadt steht oben auf seiner Agenda, denn da sieht das Stadtoberhaupt extremen Handlungsbedarf: „Wir sind noch im Sinkflug, die Talsohle ist noch nicht erreicht“, befürchtet Hell angesichts der Ladenleerstände. Hell möchte nun eine „Allianz schmieden“, wie er sagt, um Einzelhändler, Gastronomen, Immobilienbesitzer und die Stadt an einen Tisch zu bringen. 

Dafür will die Stadt auch Geld in die Hand nehmen, um systematisch Leerstände und Sortimentsbedarf in Marktoberdorfs Stadtmitte zu analysieren, Laden- besitzer und Existenzgründer professionell zu beraten und nötigenfalls bei der Finanzierung zu unterstützen. 

Der Rathauschef will also Gas geben, auch wenn er sich an den Mühlen der Verwaltung das ein oder andere Mal gehörig abstrampelt. Denn manchmal, das ist im Gespräch zu merken, ist der neue Bürgermeister doch erstaunt, wie groß die Widerstände gegenüber Veränderungen in der Stadt sind. „Es gibt kaum etwas, was nicht irgendeiner zu verhindern sucht“, weiß er zu berichten. Hell hingegen hat die Zukunftsfähigkeit der Kreisstadt fest im Blick. Und für die tritt er nach wie vor kräftig in die Pedale.

von Angelika Hirschberg

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