Hilfe wichtiger als Dokumentation

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Aus dem Tierheim Beckstetten kommt die Dokumentationspflicht nur schleppend. Das ärgert einige Bürgermeister.

Landkreis/Beckstetten – Wohin mit zugelaufenen oder ausgesetzten Tieren? Ganz klar – ins Tierheim. Wie vielerorts übernehmen auch im Ostallgäu ehrenamtliche Vereine die Unterbringung und Versorgung der Vierbeiner für die Kommunen. Immer wieder Diskussionen gab es in der Vergangenheit über die finanziellen Zuschüsse der Gemeinden.

Eine einheitliche Struktur ins System soll jetzt ein Pauschalvertrag zwischen Kommunen und Tierheimen bringen, wie er bereits mit dem Tierheim Beckstetten und seinen 17 Einzugsgemeinden besteht – das Grundproblem der Kommunikation ist damit aber nicht gelöst,wie sich auf der jüngsten Bürgermeisterdienstbesprechung im Landratsamt zeigte.

60 Cent pro Einwohner jährlich bekommt das Tierheim Beckstetten beziehungsweise dessen Träger, der Tierschutzverein Kaufbeuren e. V., laut Vertrag von seinen 17 Einzugsgemeinden. Ein Euro pro Einwohner kommt von der Stadt Kaufbeuren. Das Modell eines solchen einheitlichen Pauschalvertrags möchte der Landkreis auch auf die beiden anderen Ostallgäuer Tierheime in Marktoberdorf und Rieden am Forggensee übertragen. Denn dort rechnen die Vereine mit jeder Kommune zum Teil noch einzeln ab.

Doch schon vor einer entsprechenden Umsetzung kristallisierte sich Kritik heraus. Denn um die Dokumentation ihrer Vereinstätigkeiten und statistische Angaben zu den Fundtieren kommen die Tierheime auch dann nicht herum. Und diese Dokumentationspflicht ist das eigentliche Problem. In der Sitzung wurde unter anderem von Armin Holderried, Bürgermeister von Mauerstetten, moniert, das Tierheim Beckstetten komme dieser nicht ausreichend nach. Man habe die Zahlung der Pauschale – bei rund 3000 Einwohnern ein Betrag von rund 1800 Euro – mittlerweile eingestellt: „Wir haben bislang keine aktuellen Daten zur Tätigkeit des Tierheims vorliegen“, argumentierte er.

Auch Helmut Holzheu aus Oberostendorf erklärte: „Von Beckstetten kommt einfach nichts“.

Ähnliches kritisierte Bürgermeister Stich, Ruderatshofen, beim Tierheim Marktoberdorf. Die hier noch geltenden Einzelrechnungen seien nicht ordnungsgemäß aufgelistet worden. Eine vermittelnde Position nahm Landrätin Maria Rita Zinnecker ein: „Es braucht auf beiden Seiten Zuverlässigkeit“, sagte sie und warb um „gute Kooperation“. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell aus Markt­oberdorf brach eine Lanze für die Tierheime: „Wenn die nicht wären, wäre die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren für die einzelnen Gemeinden mit Sicherheit um einiges teurer als die Pauschale“. Man müsse auch berücksichtigen, dass die ehrenamtlichen Vereine „eben keine umfangreiche Verwaltung für Schriftverkehr“ hätten. Auch die früheren Unregelmäßigkeiten bei der Finanzverwaltung im Beckstettener Tierheim sei kein Grund für Misstrauen: „Das war unter dem früheren Vorstand, die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen lange abgeschlossen“, so Hell.

Nicht in der Sitzung zugegen waren Vertreter der Tierheime. Der Kreisbote hat bei Stefan Mitscherling, Vorsitzender des Tierschutzvereins Kauf­beuren e.V. und damit des Tierheims Beckstetten, nachgefragt. Er sagt: „Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass die Dokumentation wichtig für die Kommunen ist. Allerdings ist unsere wichtigste Aufgabe die Betreuung der Tiere, und wir sind rein ehrenamtlich tätig. Wir bitten daher um Verständnis, wenn Unterlagen und Schreiben an die Gemeinden manchmal etwas auf sich warten lassen“.

In Beckstetten beispielsweise müssten derzeit zwei der drei Vorstände den gesamten Schriftverkehr erledigen – neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit und der ehrenamtlichen Tätigkeit im Tierheim selbst. Und: Die Dokumentationspflicht ändere schließlich nichts daran, dass die Tierheime praktisch die einzige Anlaufstelle seien, in der Fundtiere in größerem Ausmaß artgerecht und kontinuierlich betreut werden könnten. Dass man nun wegen verspäteter Dokumentationen Kritik und Mehrbelastung durch ausbleibende Zahlungen einstecken müsse, sei „schade“, so Mitscherling. Man sei wegen der Thematik schon länger im Gespräch mit den Bürgermeistern, habe sich auch schon wegen möglicher Unterstützung bei den Dokumentationen an diese gewendet. Ergebnis, so Mitscherling: „Funkstille“.

von Michaela Frisch

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