"Wir werden nicht alle Wünsche erfüllen können"

Interessen stoßen aufeinander

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In sechs Arbeitsgruppen wurden Wünsche und Ziele erarbeitet.

Kaufbeuren – Seitens der Stadt und der beauftragten Organisatoren waren die Voraussetzungen für eine aktive Bürgerbeteiligung in der vergangenen Woche optimal. Doch das Angebot für eine Beteiligung durch das Einbringen eigener Ideen für die geplante Sanierung der Fußgängerzone wurde nur von wenigen Bürgern genutzt.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit zeigten, dass Zielkonflikte vorprogrammiert sind. Die als „Bürgerwerkstatt“ bezeichnete Veranstaltung war Bestandteil des von der Stadt aufgelegten „Fünf-Punkte-Plans“ im Vorfeld der Ausschreibung und Planung zur Sanierung. 

Oberbürgermeister Stefan Bosse führte mit einer kurzen Rückblende in die Entstehung der Fußgängerzone 1974 ein. Die nunmehr zweite Veranstaltung nach einer vorangegangenen Runde mit Eigentümern, Geschäftsinhabern und Anwohnern diente dazu, gemeinsam mit den Betroffenen und allen Bürgern Ziele, Erfordernisse und Wünsche zur Neugestaltung der Fußgängerzone und den bevorstehenden Architektenwettbewerb herauszuarbeiten. „Wir stehen ganz am Anfang und haben noch keine Pläne“, betonte der OB, „aber wir werden nicht alle Wünsche erfüllen können!“

 Schwerpunkte und "Spartenlage" 

Baureferent Helge Carl sowie Dr. Manfred Heider berichteten in kurzen Fachbeiträgen über die verschiedenen Umfrageergebnisse Internet-, Kunden- und Gewerbebefragung. Als Schwer- punkte hatten sich hier wie bei der Begehung wenige Tage vorher – die Wünsche nach barrierefreien Oberflächen, Grünanteilen und Einbeziehung des Elementes Wasser herausgestellt. 

Dipl.-Ing. Thomas Lokatis als Bereichsleiter für Verkehrsinfrastruktur aus dem Münchner Büro BPR zeigte in seiner unabhängigen Bestandsanalyse unter anderem die „unterirdischen“ Seiten der Fußgängerzone auf. Die Erneuerung der als sogenannte „Spartenlage“ bezeichneten Versorgungsleitungen für Strom, Gas, Wasser und Kommunikation sowie der Abwasserkanal stellen den Löwenanteil der Arbeiten dar und sind besonders zeit- und kostenintensiv. Er prognostizierte eine Bauzeit von mindestens zwei Jahren. 

Als ausgewiesene Fachleute für Bürgerbeteiligung und Städtebau führten Dr.-Ing. Hans-Peter Dürsch vom gleichnamigen Institut für Stadtentwicklung und Frau Ulrike Färber von der Architektengesellschaft München anschließend durch den Abend. Nach einer ersten Fragerunde waren die insgesamt rund 50 Anwesenden aufgerufen, selbst aktiv zu werden. In kleinen Arbeitsgruppen sollten sie jeweils aus Sicht einer bestimmten Nutzergruppe ein übergeordnetes Ziel erarbeiten und ihre wichtigsten Wünsche und Anregungen formulieren. 

Vielfältige Arbeitsergebnisse 

Die Ergebnisse der sechs Arbeitsgruppen waren vielfältig und verdeutlichten die unterschiedlichen Belange und Wünsche der einzelnen Nutzergruppen. So steht zum Beispiel der Wunsch der Bewohner nach Kurzzeitparkplätzen zum Be- und Entladen einer gewünschten Steigerung der Aufenthaltsqualität aus Händlersicht gegenüber. 

Auch beim Thema Fahrradverkehr in der Fußgängerzone gehen die Vorstellungen auseinander. Dass hier grundsätzlich Zielkonflikte vorhanden sind, war den Arbeitsgruppen bewusst und spiegelte sich in vielen Ausarbeitungen durch Schlagwörter wie Toleranz, Rücksicht und „Nebeneinander statt Durcheinander“ wider. 

Zur Lösung einiger dieser Zielkonflikte und zur besseren Berücksichtigung der Vielzahl an Anforderungen, die die Fußgängerzone erfüllen soll, war es den Teilnehmern der Bürgerwerkstatt ein wichtiges Anliegen, über den Wettbewerbsumgriff hinaus auch die angrenzenden Plätze und Räume mit in  den Überlegungen zu berücksichtigen.

Ausblick auf die nächsten Schritte 

Kaufbeurens Baureferent und Stadtplanerin Barbara Hummel vom Büro Schober Architekten in München gaben einen Ausblick auf die nächsten Schritte. Für September 2015 ist ein Stadtratsbeschluss des Auslobungstextes vorgesehen. Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs sollen dann Anfang 2016 durch die Jury bewertet, anschließend öffentlich ausgestellt und schließlich wieder in Form einer Bürgerwerkstatt diskutiert werden. Weitere Informationen zum Projekt sowie die Ergebnisse der Arbeitsgruppen gibt es unter www.kaufbeuren-baut-um.de.

von Wolfgang Becker

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