KF auf dem Weg in die Zukunft

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Es gab lebhafte Diskussionen über Stärken und Schwächen der Stadt sowie daraus folgende Konsequenzen

Kaufbeuren – Nicht nur Kaufbeurens Stadtspitze Stefan Bosse zeigte sich am vergangenen Mittwochabend sehr zufrieden, auch Martin Fladt vom Büro „UmbauStadt“ als Veranstalter der 1. Bürgerwerkstatt. Der Bürgerworkshop – so die offizielle Bezeichnung – hatte in einem ersten Schritt das Ziel, Stärken und Schwächen der Stadt aus Sicht der Bürger darzustellen und mögliche Handlungsfelder aufzuzeigen.

Das Architektenbüro „Umbau Stadt“ war 2014 mit der Konzipierung eines „Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes“ (ISEK) vom Stadtrat beauftragt worden. Zu dem im Zusammenhang mit der Zuweisung von Fördermitteln notwendigen ISEK gehört explizit auch die Beteiligung der Bürger. 

Der Veranstaltungsraum im Gablonzer Haus glich einem Großraumbüro: Große Arbeitsbereiche mit vorgegebenen Themenbereichen und dazu ermittelten Basisdaten standen für die Besucher bereit. Was ist gut? Was ist einzigartig? Wo und wie kann es besser werden? Diesen Fragen stellten sich die gut 80 Teilnehmer in sechs Arbeitsgruppen zu den verschiedenen Vertiefungsbereichen aus der kommunalen Infrastruktur sowie sozialem und kulturellem Umfeld. 

Stadtidentität und Tourismus 

Struktur und Stadtbild stehen dabei im Vordergrund. „Die Vielfalt kommt aus unserer Sicht in der Darstellung zu kurz“, so Architekt Fladt, „Kaufbeuren ist mehr als Bundeswehr und Eishockey.“ Die Arbeitsgruppe stellte aus ihrer Sicht unter anderem fest, dass touristische Magnete und Anziehungspunkte für mehr Übernachtungen fehlten. Auch die fehlende Gastronomie in der Altstadt für Gäste sowie die geringe Diskothekenlandschaft sahen sie als Mangel. Die Historie der ehemaligen Reichstadt, die besondere Geschichte von Neugablonz und die Grünflächen mit dem Jordanpark stellten sie heraus. 

Standort für Handel und Gewerbe 

Probleme werden unter anderem durch hohe Mieten und Leerstand in der Innenstadt gesehen. Die „Altstadt soll wieder Wohnzimmer werden“ so der Wunsch der Gruppe, die sich eine dreiteilige Entwicklung (Fachschule für Techniker, Flugzeugbranche und soziale Bildung) vorschlägt. Auch nach Auffassung des Architektenbüros „hat Kaufbeuren Potenzial“. 

Bevölkerungsentwicklung 

Die Stärken liegen nach Auffassung der Gruppe in der Kinderfreundlichkeit und dem ausgewogenen Angebots-Mix für alle Generationen, insbesondere durch viele Vereine. Das attraktive Schulwesen biete gute Voraussetzungen zur Ansiedlung. Die Flächen stillgelegter Betriebe sollten zum Wohnen genutzt werden und die baurechtliche Flexibilität gefördert werden, zum Beispiel für ein Mehrgenerationenhaus. 

Mobilität und Vernetzung 

Da der innerstädtische individuelle Fahrzeugverkehr derzeit mit 83 Prozent sehr hoch ist, wird mit großer Mehrheit in der Gruppe eine Verbesserung des Leitsystems und ein Ausbau des Radwegenetzes gefordert. Ökologische Busse, Barrierefreiheit an Haltestellen und eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilomter pro Stunde sind weitere Wünsche. 

Freiräume und Grünräume 

„Die Wertach gurgelt so nebenbei durch die Stadt“, sagte Nikolai von Brandis vom Büro „Umbau Stadt“ und markierte damit einen Aspekt, der sich auch in anderen Gruppen durchzog. Die Renaturierung des Flusses stand damit ganz oben auf der Wunschliste. Die Nutzung des Jordanparkes für eine Festwiese nach Münchner Vorbild und eine Minigolfanlage standen ebenfalls auf der Agenda wie die Einbindung des Fliegerhorstes. 

Bildung, Kultur und Soziales 

Ein Kulturhaus mit Bücherei im Zentrum der Stadt wünschten sich die Teilnehmer dieser Arbeitsgruppe vorrangig. Das Kino vor den Toren der Stadt ist nach Bewertung der Gruppe für jüngere Menschen gut, für Ältere ist jedoch die fehlende Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Abend-/Nachtzeit ein Hindernis. 

„Ich freue mich sehr über die konstruktive Arbeit der Bürger und ich bin als Bürgermeister stolz über deren Identifikation mit dem Gemeinwesen“, so der OB gegenüber dem Kreisbote. Baureferent Helge Carl sah dies ähnlich: „Die ideenreiche Atmos- phäre hat mich angenehm überrascht. Das ist ein Forum von Bürgern für Bürger.“ 

Dr. Ulrich Klinkert als Teilnehmer und Vorstandmitglied des Bürgerforums war ebenfalls begeistert: „Das war aktive und gelebte Bürgerbeteiligung, wie man sie sich wünscht!“ Das Protokoll über die Veranstaltung wird auf der Homepage der Stadt veröffentlicht. Zwei weitere Workshops für alle Bürger sind geplant, der Nächste im Januar 2016. Dann werden auf Grundlage der Gruppenarbeit vom Büro mögliche Maßnahmen vorgestellt, die diskutiert und bewertet werden können.

von Wolfgang Becker

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