Keine stabilen Milchpreise

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Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sprach in Marktoberdorf vor Mitgliedern des Bayerischen Bauern Verbandes BBV über die Herausforderungen einer bäuerlichen Landwirtschaft.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Der Bayerische Bauern Verband BBV und Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke (CSU) hatten Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) vergangene Woche zum Thema „Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz als Herausforderung für eine bäuerliche Landwirtschaft“ ins Modeon nach Marktoberdorf geladen.

In seiner Begrüßung beschrieb der Kreisobmann des BBV, Josef Nadler, die Situation als äußerst schwierig. „Wir sind in großer Sorge, dass bei diesen Milchpreisen unser Berufsstand keine Zukunft mehr hat. Wir wollen keine staatlichen Quotenregelungen mehr haben“. Nadler weiter: „Die aktuelle Diskussion im Milch- und Käsebereich lassen allerdings hoffen, dass die Milchpreise wieder nach oben gehen“.

Marktoberdorfs erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell beschrieb nachdenklich die doppelte Aufgabe der Landwirtschaft: „Einerseits Lebensmittel produzieren, immer mehr, immer billiger, immer bessere Qualität. Andererseits zur Tradition bekennen und für den Tourismus eine heile Welt darstellen.“

Unterstützung kam auch von Landrätin Maria Rita Zinnecker: „Die Landwirtschaft gehört zum Ostallgäu, der Region wo am meisten Milch produziert wird“. Moderne Landwirtschaft heiße aber auch Unternehmertum und Management. Zinnecker rät: „Die Landwirtschaft im Ostallgäu sollte sich auf Markenentwicklung konzentrieren“. Als Zeichen, dass der Kreistag hinter der Landwirtschaft stehe, erinnerte Zinnecker an das Grüne Zentrum und den Baubeginn der Landwirtschafts- und der Technikerschule in Kaufbeuren noch in diesem Monat. Angelika Schorer (CSU), Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, bestätigte: „Wir setzen im Landtagshaushalt viel Geld für die Landwirtschaft ein“. Sie forderte: „Schluss mit der weiteren Knebelung der Erzeuger“. Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke wandte sich gegen die Pläne von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zu Beschränkungen beim privilegierten Bauen in Außenbereichen. „Wir, die CSU, stehen zu den Bauernfamilien“ betonte Stracke.

Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, Christian Schmidt, beschrieb in seinem Vortrag seine Hauptsorge: „Es fehlt das Verständnis in unserer Gesellschaft, was Landwirtschaft und Ernährung bedeutet.“ Man werde mit Themen der Landwirtschaft für etwas Rückständiges gehalten. „Hier fehlt es an Wertschätzung. In den Städten will man mit Landwirtschaft nichts zu tun haben“. Schmidt weiter: „Landwirtschaft kommt auch in vielen Schulbüchern nur als Problemfall vor“. Mit einem Seitenhieb an seine Kabinettskollegin, Umweltministerin Hendricks, stellte er eindeutig heraus: „Tierhaltungsformen sind Sache des Landwirtschaftsministers“.

In der abschließenden Diskussion beschwerte sich ein Milchbauer, der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland sei zu 70 bis 80 Prozent in der Hand von vier Unternehmen, die dann die Vorgaben diktieren würden. Der Bundesminister forderte dazu ein Umdenken. „Die Regionalität ist mehr im Kommen als Bio“, prophezeite Schmidt kurz und prägnant. Bei der Frage nach der Sicherheit der Investitionen in neue Ställe konnte er den anwesenden Bauern des BBV allerdings keine Hoffnung machen: „Es wird in den nächsten vier bis fünf Jahren keine Garantie für einen stabilen Milchpreis geben“.

Auf dem Parkplatz neben dem Modeon in Marktoberdorf waren auch einige Milchbauern des Bundes Deutscher Milchviehhalter BDM mit ihren Traktoren aufgefahren. Sie wollten die Anwesenheit des Landwirtschaftsministers bei der BBV-Veranstaltung auch für ein Gespräch mit ihm nutzen, was sich aber wegen des Zeitplanes des Ministers nicht bewerkstelligen lies.

von Wolfgang Krusche

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