Burgenführer Götz Finger nimmt Sie mit auf eine Zeitreise. Heute: Schloss Ebenhofen

Serie: Burgen im Ostallgäu

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So dürfte das Schloss Ebenhofen einst ausgesehen haben. Das Anwesen umfasste wohl unter anderem einen „Fürstensaal“, einen Schlossgarten und Stallungen.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis. 

Mitten in Ebenhofen, einem Ortsteil der Gemeinde Biessenhofen, liegt östlich der Kirche und nördlich der Grundschule der Burghügel des ehemaligen Schlosses Ebenhofen. Es handelt sich hierbei um einen rechteckigen Hügel, der gegen Norden allmählich abfällt. „Was und wie viel an diesem Burgstall in den letzten Jahren verändert wurde, kann man nicht sagen. Jedenfalls ist von denn Gräben leider nichts mehr erkennbar“, so Finger. Laut einer Tafel, die von der Gemeinde angebracht wurde, sollen aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch einzelne Mauerreste vorhanden gewesen sein. 

Wann die jedoch endgültig verschwunden sind, sei wiederum nicht bekannt. Ein wenig Licht ins Dunkel um die Burg Ebenhofen bringt aber die Geschichtsschreibung. 

• So beginnt laut Finger die Historie der Burg im späten 12. Jahrhundert mit einem „Walther de Habenhofen“. Dieser wird laut Burgenführer Finger auch als Gefolgsmann der Markgrafen von Ronsberg erwähnt. Die Burg Ebenhofen soll auch über die sogenannte „niedere Gerichtsbarkeit“ verfügt haben. Diese ist laut Finger vergleichbar mit dem heutigen Zivilrecht, dem die hohe Gerichtsbarkeit – heutiges Strafrecht – gegenüberstand. 

• Nach dem Aussterben der Herren von Ebenhofen ging die Burg durch mehrere Hände, bis im Jahre 1497 der Kaiser Maximilian I. von Habsburg die Burg kaufte. Nachdem von 1508 bis 1601 die „Fuchs“ von Ebenhofen auf dem Schloß wohnten, wurde es ab 1610 Vogtei des Hochstiftes Augsburg und somit Verwaltungssitz 

• Der letzte Schlossbesitzer war ein gewisser Ferdinand Wetzer, der, so Finger, verarmt starb. Danach wurde das Schloss abgerissen oder, wie man damals sagte, „zertrümmert“. Wie das Schloss Ebenhofen einmal aussah, davon hat Burgenführer Götz Finger eine recht genaue Vorstellung. „So heißt es, dass das Schloss ein großes und ein kleines Tor besaß und über zehn Räume, außerdem zusätzlich über ein Gewölbe und einen Keller verfügte“, erklärt er. 

Eine eigene Schlosskapelle, geweiht dem heiligen Bartolomäe, und sogar einen „Fürstensaal“ soll das Schloss beinhaltet haben. Die Küche hatte „vier Gumper (Brunnen) mit bestem Wasser“, ein doppelter Getreide- und Fruchtboden war im Dach untergebracht. Das Schloss hatte laut Finger zudem einen Reitstall für fünf Pferde, einen großen Schlosshof und einen Park. Unfern des Schlosses gab es auch noch einen Bauhof, in dem die Räumlichkeiten für die Knechte untergebracht waren. Zudem einen Pferdestall „für acht Rösser“ mit einer Sattel- und Futterkammer und einen Viehstall für 30 bis 40 Rinder, Schweine und Schafe. Sichtbar ist heute von dem hochherrschaftlichen Leben auf dem Schloss in Ebenhofen nur noch ein Rest des großen Burghügels mitten im Ort, Infotafeln erinnern an das Anwesen.

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