Serie: Burgen im Ostallgäu

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Wohl ab etwa 1400 sah die Burg Kemnat so aus, wie sie auf diesem Stich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts gezeigt ist.

Kaufbeuren – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote in den nächsten Wochen historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis.

Westlich der ehemals freien Reichsstadt Kaufbeuren liegt der Bergfried der Burg Kemnat. Außer dem Turm, der – fälschlicherweise– im Volksmund auch Römerturm genannt wird, sind nur noch Reste des 1978 abgebrochenen Gasthauses und das Amtshaus von dieser einstmals sehr stolzen Anlage übrig geblieben. 

Um 1170 wurde die Burg Kemnat von den Markgrafen von Ronsberg errichtet und den „Herren von Apfeltrang“ als Lehen übergeben. Diese benannten sich im Laufe der 80er Jahre des 12. Jahrhunderts in „von Kemnat“ um, berichtet Finger. 

Wichtigster Spross dieser Adelsfamilie war Volkmar von Kemnat. Geboren wurde dieser zwischen 1200 und 1210. Wie sein Vater war er Vasall des Grafen Ulrich von Ulten. Dieser hat die Allgäuer Bereiche der Markgrafschaft Ronsberg nach deren Aussterben übernommen. 1235 heiratete Volkmar Mechthild von Arbon und Kalden. Durch diese Ehe kam die Burg nach dem Tod seiner Schwiegereltern in den Besitz der Herrschaften Arbon (Schweiz) und Kalden. In jener Zeit erwarb sich der junge Volkmar einen sehr guten Ruf als Vermittler bei Streitigkeiten. Diese Eigenschaft brachte ihm auch den Beinamen „der Weise“ ein. 

Im Jahre 1240 wurde ein Streit zwischen der Reichstadt Kaufbeuren und Volkmar von Kemnat durch einen Vertrag geregelt. Das Neue dabei war, dass dieser Vertrag in deutscher Sprache verfasst wurde. „Damit ist dieser Vertrag von 1240 eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse in deutscher Sprache”, weiß Finger. 

Im Jahre 1282 taucht Volkmar von Kemnat das letzte Mal in den Urkunden auf. Vermutlich ist dies auch sein Todesjahr. Mit dessen Tod geriet die Burg für eineinhalb Jahrhunderte in einen Dornröschenschlaf. 

Erst um 1400 gewann die Burg und Herrschaft Kemnat wieder an Bedeutung. Denn ein aus dem Oberbayerischen eingewanderte Familie, die Herren von Benzenau, erweiterten den Herrschaftsbereich dieser Burg merklich. „Durch die hohen Stellungen dieser Familie bei den Fürstäbten von Kempten und dem Herzog von Bayern war es ihnen möglich, eine Herrschaft von 30 Ortschaften zu errichten. Diese Herrschaft zog sich wie ein Ring um die freie Reichsstadt Kaufbeuren“, so der Burgenführer. Vermutlich wurde die Burg Kemnat in dieser Zeit so ausgebaut, wie sie auf nebenstehender Zeichnung zu sehen ist. 

Neben der Burgruine Hohenfreyberg ist die Burg Kemnat laut Finger die einzige Burg, die den Bauernkrieg 1525 unbeschadet überstanden hat. Nach dem Aussterben der Familie Benzenau 1574 wurde das Stift Kempten Eigentümer der Burg und Herrschaft Kemnat. Die Burg wurde umgewandelt in ein Pflegschloss der Fürstäbte von Kempten. 

Im 30-jährigen Krieg wurde die Burg geplündert und in der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges der Bergfried, der ursprünglich noch zwei Stockwerke höher war, als Aussichtsturm benutzt. 

Das „Aus“ für die Burg kam mit der Säkularisation, als das Königreich Bayern die Burg auf Abbruch verkaufte. Nur der Turm blieb verschont. Dies ist einem Forscher und Landvermesser aus den 20-iger und 30-iger Jahren des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Aufgrund des Buckelquadermauerwerkes bezeichnete er den Turm als „römischen Turm“.

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