Serie: Burgen im Ostallgäu

+
Querschnittsfoto des Westgrabens.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis.

Wenn man von Friesenried nach Eggenthal der Straße folgt, erkennt man östlich der Ortschaft Romatsried die Erhebung einer ehemaligen befestigten Siedlung. Hierbei handelt es sich um die im Allgäu weit verbreitete Form der „Abschnittsbefestigung“. 

An der schmalsten Stelle des Plateaus wurde durch einen, heute nur noch in Ansätzen erhaltenen, Graben und Wall eine Fläche von 100 mal 90 Meter vom Rest des Hügelzuges abgetrennt. Zusätzlich wurde das Areal an der West- und Südseite durch einen Wall und Graben geschützt. Südlich des ehemaligen Halsgrabens und des dazu gehörigen Walles erkennt man heute noch die Erhebung eines vermuteten Turms. 

Zu dieser Anlage gibt es keine schriftlichen Überlieferungen. Die Geschichte dieser Befestigung konnte teilweise durch die Grabungen von Ludwig Ohlenroth, die in den Jahren 1935 bis 1937 statt gefunden haben, erhellt werden. 

Bei dieser Grabung, die sich auf den südöstlichen Teil der Burganlage beschränkt hat, konnte eine Vielzahl an Gebäuden nachgewiesen werden. Darunter befanden sich die Grundmauern von Wohnhäusern, Getreidespeichern, einer Kapelle und mindestens einem Wohnturm als Hinweis auf den Adel. Die Umwehrung bestand aus einer mehrphasigen Palisade und einer Trockenmauer, die laut Ohlenroth Hinweise auf eine Ausbesserung besaß. 

Laut Olenroth wurde die Anlage während der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert gegründet, obwohl es Funde sogar aus der Bronzezeit gibt. Zu der ersten Bauphase zählt Ohlenroth die sogenannten Ründhüttenplätze, die auf dem Areal nachgewiesen werden konnten. 

Untergegangen ist die Burganlage Romatsried, wie archäologisch nachgewiesen wurde, um 1150. Auch konnte durch die Fundsituation aus dieser Periode nachgewiesen werden, dass diese Befestigung nicht friedlich aufgegeben wurde. Bei der Grabung kamen unter anderem Messer, Zaumzeug, Stachelsporen, sowie Pfeil- und Lanzenspitzen zu Tage. Der wertvollste Fund stellt ein Denar dar, ein Geldstück, das unter König Heinrich I. von England (1110 bis 1135) in England geprägt wurde. Diese kann man sehr gut aufbereitet im Stadtmuseum von Kaufbeuren sehen. Speziell die Pfeil- und Lanzenspitzen weisen auf den vermutlich gewaltsamen Untergang der Burg hin. 

„Dass auf dem Gelände eventuell Ritter wohnten, darauf kann der Stachelsporn hinweisen, der typisch ist für das frühe 12. Jahrhundert”, so Finger. Denn nur Ritter hatten das Recht ein solches Hilfsmittel beim Reiten zu benützen. 

Warum Romatsried um 1150 unterging, ist nicht schriftlich überliefert. Als geschichtlichen Rahmen kann man Beziehungen zu den Herren von Ronsberg nehmen, die um diese Zeit noch als Grafen im Dienst der Welfen standen. „Darauf könnte meiner Ansicht nach auch das Geldstück aus England hinweisen, denn die Welfen hatten damals ver- wandtschaftliche Beziehungen auf die Britischen Inseln”, erklärt der Burgenführer. 

Hierzu würde auch passen, dass zwischen 1140 und 1150 das erste Mal Auseinandersetzungen zwischen den Staufern und den Welfen erwähnt werden. 1125 wurde Herzog Konrad von Schwaben zum König des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Dieser, als König Konrad III. in die Geschichtsbücher eingehend, musste seine Krone gegen die Welfen in kriegerischen Auseinandersetzungen verteidigen. 

„Ich vermute, dass die Beendigung der Grabung von Ohlenroth noch weitere Hinweise darauf geben könnte. Denn wer den Plan sieht und die eingezeichnete Grabung, erkennt, das damals nicht mal ein Viertel der kompletten Anlage ausgegraben wurde”, so Finger abschließend.

Meistgelesene Artikel

Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Buchloe – Die Stadt lässt sich ihre Kindergärten etwas kosten. Das bedeutet aber auch, dass Gebührenerhöhungen unumgänglich sind. Der Hauptausschuss …
Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Kaufbeuren – Rund 240 festlich gewandete Ballgäste hatten sich am vergangenen Samstag im Stadtsaal eingefunden, um am 151. Buronia-Gala-Ball der …
Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Pohl setzt auf Zusammenarbeit

Kaufbeuren – Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und Kaufbeurer Stadtrat Bernhard Pohl hat sich für 2017 viel vorgenommen. Diesen Eindruck …
Pohl setzt auf Zusammenarbeit

Kommentare