Serie: Burgen im Ostallgäu

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Der Grundriss der Burg Kipfenberg – eine Zeichnung aus heutiger Sicht.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote in den nächsten Wochen historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor.

Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis. 

Folgt man der Straße von Reinhardsried in Richtung Günzach, kommt kurz vor der Abzweigung ein Hinweisschild zum Weiler Kipfenberg. Diesem Wegweiser folgend, sieht man nach ein paar Metern schon die mächtigen Wall- und Grabenanlagen, sowie den hohen Burgkegel des Burgstalles Kipfenberg. „Bei der Burg Kipfenberg handelt es sich um den seltenen Typ einer Doppelmotte, wenn man nach dem alten Plan in ,Baumann Geschichte des Allgäus’ geht“, so Götz Finger. 

Das bedeutet, dass ursprünglich zwei „Turmhügel“ die Silhouette der ehemals vorwiegend in Holzbauweise errichteten Veste bestimmt haben. Heute ist nur noch der nördliche Burgkegel erhalten, der zweite und südlichere ist laut Finger im 19. und 20. Jahrhundert einer Kiesgrube zum Opfer gefallen. Dazwischen befindet sich die Ebene der Vorburg. Der sichtbare Turmhügel ist von einem Graben umgeben, ebenso Vorburg und Turmhügel. 

Das heißt, dass der Hügel schon zwei Gräben hat, die wiederum von einem sehr tiefen Graben mit einem sehr imposanten Außenwall umgeben sind. Insgesamt ist die Burg Kipfenberg laut Finger ein sehr schönes Beispiel dafür, „wie weit man im Mittelalter bei dem Bautyp Motte gehen konnte, um eine imposante Burg zu bauen“. 

Auf dem Turmhügel kann laut Finger bei Schneeschmelze auf Luftbildern der Negativabdruck der ehemaligen Bebauung erkannt werden, die aus einem quadratischen, turmähnlichen Gebäude bestand. Für den Bereich der Vorburg sei kein Hinweis auf eine Bebauung zu sehen. 

Erbaut im 13. Jahrhundert 

Erbaut wurde die Burg Kipfenberg im 13. Jahrhundert von den Herren von Kipfenberg. „Im Ostallgäu wurde in diesem Jahrhundert ein Großteil der Dienstmannenburgen gebaut. Diese Ministerialen, auf deutsch Dienstmannen, waren der niedere Adel des Hochmittelalters, aus denen sich die Ritter rekrutierten“, so Finger. 

„Der Begriff des Ritters war damals nicht der Adelstitel, sondern die Bezeichnung des berittenen gepanzerten Krieges zu Pferde, also eine Berufsbezeichnung oder ein militärischer Rang. Denn sowohl ein Ministeriale als auch ein Graf, Herzog oder König bedurfte erst der Schwertleite, um in den Stand des Ritters aufgenommen zu werden“. 

• Erste Erwähnung der Herren von Kipfenberg war im Jahre 1277, als „ein Rudolf und ein Anselm von K.“ die Grenzen des Kemptener Waldes gegenüber dem Administrator Rudolf von Kempten bezeugten. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Herrschaft Kipfenberg von den „Herren von K.“ verkauft, jedoch 1353 von Heinrich von Kipfenberg – der mit der reichen Katharina von Naaren verheiratet war – wieder zurückerworben. In diesem Jahr wird auch der Umfang der Herrschaft Kipfenberg erwähnt. Diese bestand aus Gütern und Leuten in Eichelschwang, Unterthingau, Reinhardsried, Autenried, Albrechts, Oberthingau, Kraftisried, Westerried, Obergünzburg, Schotten und Stockach. 

• Am Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts wird die Herrschaft Kipfenberg von denen von Kipfenberg endgültig verkauft und gelangt so 1406 in den Besitz des Kaufbeurer Bürgers Konrad Endorfer. Denn ab dem späten 14. Jahrhunderts war es reichen Stadtbürgern erlaubt, adelige Herrschaften zu erwerben – etwas, das im Hoch- mittelalter noch vollkommen unmöglich war, erklärt Finger. 

• Am 24. Februar des Jahres 1444 vererbte Konrad Endorfer die kleine Herrschaft Kipfenberg an seinen Schwiegersohn Ulrich Schweickhard. Zu dieser Zeit wurde die Burg Kipfenberg nicht mehr bewohnt, sondern das nahe gelegene Schloss Westerried.

 • Ab dem beginnenden 14. Jahrhundert wurde die Burg Kipfenberg dem Verfall preis gegeben. „Nach etwa einem Jahrhun- dert wird von dieser, vorwiegend aus Holz gebauten Burg nichts mehr zu sehen gewesen sein als die Wälle und Gräben“, vermutet der Burgenführer.

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