Serie: Burgen im Ostallgäu

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Schloss Osterzell von Nordosten.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis.

Fährt man von Stöttwang kommend durch Osterzell, fällt einem gleich gegenüber der Kirche ein großer mächtiger Bau auf. Hierbei handelt es sich um den heute noch erhaltenen Mittelbau des Schlosses Osterzell, der jetzt als Pfarrhof genutzt wird, weiß Finger. 

Bis in die Jahre 1860/1898 bestand das Schloss Osterzell aus einem Nord- und einem Südflügel die beide jeweils in einem Eckturm endeten. Bei dem heute noch erhaltenen Mittelbau handelt es sich um einen dreigeschossigen Bau mit Walmdach. Dieser Bau ist jeweils auf der Orts- beziehungsweise Gartenseite in drei Achsen gegliedert. Auf beiden Seiten befinden sich jeweils ein Eingangsportal mit Korbbogen, erklärt Finger. 

"Wie es im Inneren aussieht, davon konnte ich mir selbst noch kein Bild machen". Aus den Büchern „Bayerische Kunstdenkmale, Stadt und Landkreis Kaufbeuren“, Seite 174 wird eine Treppenhaus beschrieben, welches mit Rahmenstuck verziert ist und kräftige Eichenholzbaluster besitzt. 

Der Burgenführer: „Zudem soll sich ein Deckengemälde im Treppenhaus existieren, das die Verklärung des heiligen Augustin darstellt.” Hier wird ein Bauwerk beschrieben, das über reichhaltige Stuckdekorationen verfügt. Es kann nur spekuliert werden, über welche Schätze der Nord- und der Südflügel verfügt haben. 

Die Geschichte von Osterzell reicht in das hohe Mittelalter zurück. Denn zwischen 1200 und 1535 gehörte Osterzell zur Herrschaft Kemnat. Ob zu dieser Zeit hier schon eine Burg oder ein Edelhof bestanden hat, ist nicht bekannt. 1536 erwarben die Herren von Kaltental die Herrschaft Osterzell. 

Burkhard von Kaltental erklärte die Herrschaft Osterzell 1573 zum „Familienkomiss“, das bedeutet, dass Osterzell zum Familienbesitz erklärt wurde, der nicht zerstückelt werden durfte. Vermutlich in diesen Zeitraum darf auch die Erbauung des Schlosses gezählt werden. Jedenfalls muss es die Glanzzeit der Herrschaft Osterzell gewesen sein, wie auch das Grabdenkmal des Burkhard von Kaltental in der Kirche in Osterzell demonstriert. 

Nach den Kaltentalern erwarben 1699 das „Augustiner-Chorherren-Stift Rottenbuch“ das Schloss und die Herrschaft Osterzell. Unter diesen Herren wurde das Schloss 1720 ausgebaut, was jedoch einem kompletten Neubau gleich kommt. Jedenfalls weist auch der heute erhaltene Mittelbau darauf hin, denn dieser ist ein schönes Beispiel für die Bauformen von kleinen Schlössern im Hochbarock. 

„Ein wichtiges geschichtliches Ereignis darf im Zusammenhang mit dem Schloss Osterzell nicht vergessen werden. Am 14. Januar des Jahres 1771 wurde der bayerische Hiesel mit neun seiner Kameraden in Osterzell gefangen genommen. An diesem Tag lieferten sich die Banditenbande um den Hiesel mit drei Batallionen der Schwäbischen Kreistruppen eine heftige Schlacht an deren Ende die Verhaftung der Banditen stand”, so Finger. 

Nach der Säkularisation wurden die Möbel des Schlosses verkauft, sowie der Kornkasten, die Stallungen und der Stadel abgebrochen. 1860 wurden erst der Nordflügel und 1898 dann der Südflügel abgebrochen.

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