Serie: Burgen im Ostallgäu

+
Ansicht des Schlosses von Nordwesten.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis.

In der Marktgemeinde Unterthingau sticht schon beim Vorbeifahren auf der B12 neben der Kirche das „Rote Schloss“ von Unterthingau hervor. Hierbei handelt es sich um einen massiven, nahezu quadratischen Bau mit einem Zwerchgiebelhaus auf der nördlichen Traufseite, erklärt Finger. An den Ecken erkennt man die schönen runden Ecktürmchen, die das Gebäude bekrönen. Im unteren Verlauf setzt sich die Quaderimitation in den Mauerecken fort. 

Die Türme wurden auf den vorhandenen Stümpfen in den 80-iger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder rekonstruiert, zu der Zeit, in der das Schloss Sitz der Marktgemeinde Unterthingau wurde und seine markante rote Farbe erhielt. 

Die Geschichte des Schlosses Unterthingau verknüpft sich eng mit der des fränkischen Reichshofes, der von der Mitte des 8 Jahrhunderts bis in das hohe Mittelalter erwähnt wird. Vermutlich stecken in dem Schloss die Überreste dieses Hofes. Wer sich das Gebäude genauer betrachtet, wird erkennen, dass dieses auch nicht, wie es auf dem ersten Blick scheint, aus einem Guss besteht. 

So ist der vom Haupteingang nach Osten liegende Gebäudebereich vermutlich älter und könnte im Ursprung ein Wohnturm oder ein kleines Haus gewesen sein. Der Westteil wurde später hinzugefügt, wobei hier zu erkennen ist, dass dieser im Erdgeschossbereich mit Säulenarkaden ausgestattet war. Die heutige Fensterfront wurde bei späteren Baumaßnahmen vorgeblendet. 

Von dem Reichshofbering, also von der Ummauerung und den Türmen die auf dem Plan zu sehen sind, ist weder oberirdisch etwas zu erkennen noch hat man diesen in den letzten Jahren archäologisch nachweisen können. 

Ursprung des Schlosses war der alte fränkische Königshof in Thingau, der an einer alten Heerstraße von Kempten nach Marktoberdorf lag. Dieser Königshof von Thingau bekam im März des Jahres 1004 hohen Besuch. Denn Kaiser Heinrich II., genannt auch „der Heilige”, weilte in Unterthingau. Es existiert eine Erzählung, wonach damals der oben genannte Kaiser hier über seinen Bruder Bruno, der sich gegen den Kaiser aufgelehnt hat, zu Gericht gesessen ist. 

Der Königshof, mit dem dazugehörigen Gut ging allmählich ab dem 13. Jahrhundert in den Besitz der Äbte des Klosters Kempten über. „Ich vermute ab dem Jahre 1212, denn in diesem Jahr starben mit Berthold von Ronsberg die Markgrafen von Ronsberg aus, die bis dato die Vögte des Reichsgutes waren”, so Finger. Vögte waren im Mittelalter Verwalter von Gütern, die von ihren eigentlichen Eigentümern nicht selbst bestellt werden konnten. Bis 1212 oblag dies den Markgrafen von Ronsberg, die im Allgäu als Reichsfürsten zu den höchsten adeligen Vertretern zählten. 

Das Schloss selbst wird erst ab dem 15. Jahrhundert als Sitz des Pflegers (Verwalter) des Klosters Kempten erwähnt. Das heutige Gebäude wurde im Auftrag des Kemptener Fürstabts Adam Renner errichtet. 

„Durch den 30-jährigen Krieg wurde das Schloss anscheinend nicht großartig in Mitleidenschaft gezogen, da es nach 1639 als Ausweichquartier für die Fürstäbte genutzt wurde, weil das Stift Kempten durch die Schweden und Kemptener Bürger zerstört wurde”, weiß der Burgenführer. 

Bis zur Säkularisation wurde das Schloß, wie übrigens auch heute, als Pflege- beziehungsweise Verwaltungssitz der Pflege Thingau genutzt. Im 19. Jahrhundert wurde das Schloß als Schwanenwirtschaft genutzt, bis es dann von der Gemeinde Unterthingau aufgekauft wurde. Im November dieses Jahres findet laut Auskunft des Unterthingauer Bürgermeisters Bernhard Dolp eine 500-Jahrfeier am Schloss statt.

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Verkehrsunfall auf der B16

Auf der B16 zwischen der B12-Anschlussstelle bei Marktoberdorf und Biessenhofen ist es am frühen Nachmittag zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen.
Tödlicher Verkehrsunfall auf der B16

Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Kaufbeuren – Rund 240 festlich gewandete Ballgäste hatten sich am vergangenen Samstag im Stadtsaal eingefunden, um am 151. Buronia-Gala-Ball der …
Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Buchloe – Die Stadt lässt sich ihre Kindergärten etwas kosten. Das bedeutet aber auch, dass Gebührenerhöhungen unumgänglich sind. Der Hauptausschuss …
Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Kommentare