Forettle, Stadion und Fliegerhorst: Bürgerversammlung in Hirschzell – Teil II

Bleibt die Bundeswehr doch länger am Kaufbeurer Fliegerhorst?

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Am Montag wurde noch fleißig gewerkelt in der Sparkassen-Arena, damit sie am 18. Oktober wieder bespielbar ist

Kaufbeuren – Ein geänderter Zeitplan für den Abzug der Bundeswehr: Was auf der Bürgerversammlung in Hirschzell eher beiläufig vom Kaufbeurer OB Stefan Bosse verkündet wurde, stellt die bisherige Diskussion um eine Nutzung des Areals ab 2017 auf den Kopf. Auch zum "Forettle" und zum "Eisstadion" hatte er Interessantes zu berichten.

Nicht nur für die Einwohner von Hirschzell gab es auf der dortigen Bürgerversammlung in der vergangenen Woche so manche interessante Information. Denn neben den lokalen Themen, die sich meist auf die Verkehrsführung oder das Ortsbild bezogen (wir berichteten), hatte Oberbürgemeister Stefan Bosse auch Neues zu gesamtstädtischen Anliegen wie Fliegerhorst, Eisstadion, Forettle, Bahnhof (wir berichteten) oder Bärensee-Rundweg (siehe Titelseite) zu verkünden. 

Grüner Pfeil

Für alle diejenigen, für die die Abschaffung des „Grünen Pfeils“ in der Wertachstadt ein Ärgernis war, fiel der entscheidende Satz des Stadtoberhauptes: „Ich halte es für realistisch, dass der Grüne Pfeil an einigen Stellen wieder eingesetzt wird“. Bosse skizzierte bei der Diskussionsrunde im Schneider-Stadel noch einmal kurz, wie ein Verkehrsgutachten zur Abschaffung des bei Autofahrern sehr beliebten Grünen Pfeils geführt hatte. „Trotzdem wissen wir bis zum heutigen Tag nicht wirklich, warum wir in der Statistik so schlecht abgeschnitten haben“, gab Bosse zu. Allerdings hätten sich die Zahlen innerhalb des letzten Jahres um stolze 20 Prozent verbessert. Er selbst vermute immer noch die unfallträchtige B12 als Hauptgrund für den Negativ-Spitzenplatz der vergangenen Jahre. 

Fliegerhorst

Ebenfalls positiv – wenn auch mit weit mehr Überraschung – wurde die Nachricht aufgenommen, dass der Abzug der Bundeswehrtruppen aus dem Kaufbeurer Fliegerhorst nun wohl doch noch nicht so bald bevorsteht. Wurde bis in die jüngste Vergangenheit stets das Jahr 2017 als „Deadline“ für die Tornado-Ausbildung in der Wertachstadt genannt, sprach Bosse in Hirschzell von „2018, 2020 oder auch noch später“. Denn die Verantwortlichen der Bundeswehr seien sich nun doch nicht mehr so sicher, ob man „wirklich alles nach Lechfeld verlegen will“ – auch vor dem Hintergrund, dass der Tornado noch längere Zeit zum Einsatz kommt. Im anschließenden Gespräch mit dem Kreisboten bestätigte Bosse dies und nannte „Interna der Bundeswehr“ als Quelle. Außerdem: „Es wäre das erste Mal, wenn solch ein Abzug zeitlich geordnet und streng nach Plan ablaufen würde“. Für Kaufbeuren heiße dies allerdings, dass Planungen für das riesige Gelände über den Dächern der Stadt derzeit noch nicht möglich seien: „Es weiß momentan keiner genau, was dort wann und wie frei wird“. Trotzdem engagiere sich die Verwaltung mit Voruntersuchungen, beispielsweise im Hinblick auf bestehende Biotope, Wasserschutz oder Altschäden. Denn: „Militärische und zivile Nutzung stehen jeweils auf einem anderen Blatt“. Die anvisierte öffentlich-private Weiterführung der Flugsicherungsausbildung sei von diesen neuen Infos zum zeitlichen Ablauf unberührt, so Bosse. Wer aber jetzt schon von einer Bürgerbeteiligung für die Planungen am Fliegerhorst spreche, habe einen verfrühten Zeitpunkt gewählt. 

Forettle

 „Zu früh“ schallt laut dem Kaufbeurer Rathauschef auch der Ruf nach einer Bürgerbeteiligung am „Forettle“. Denn, so seine – für manche Zuhörer doch ein wenig überraschende – Ansicht: „In der aktuellen Phase des Projekts handelt es sich lediglich um Grobkonzepte, der Stadtrat könnte das Fachmarktzentrum jederzeit stoppen“. Er selbst könne nicht sagen, ob das Projekt in dieser Form jemals realisiert werde: „Die Erschließung gestaltet sich sehr kompliziert, auch sind zum Beispiel die möglichen Anbindungen an die Altstadt kostspielig“. Wenn man mehr wisse, wolle man die Bürger umgehend mit einbeziehen. 

"Ja" zum Stadion? 

Klare Worte fand der Kaufbeurer OB dann zum Thema Eisstadion auf die Frage eines Anwesenden, ob es schon Pläne für die Zeit nach 2017 gebe, wenn die Nutzungszeit der teilsanierten Sparkassen-Arena abgelaufen sei. „Wir haben keinen konkreten Plan, denn wenn sich die Kaufbeurer beim vorgesehenen Bürgerentscheid gegen Neubau oder Komplettsanierung entscheiden, ist es mit dem Profi-Eishockey hier vorbei. Das muss klar sein“. Er selbst setze jedoch darauf, dass bis zum Stichtag auf Grundlage von technischen und stadtplanerischen Untersuchungen ein finanziell tragfähiges Konzept entwickelt werden könne, um eine professionelle Spielfläche zu erhalten oder zu schaffen. „Wenn man den Bürgern versprechen kann, dass der Erhalt des Stadions nicht auf Kosten der anderen Sportvereine oder der Steuern geht, warum sollten sie dann ablehnen?“ Er sehe gute Chancen, einen Bürgerentscheid positiv abzuschließen. 

Ganz sicher ist sich der Kaufbeurer Rathauschef aber hierbei: „Wir werden im nächsten Jahr einen Bürgermeister-Wahlkampf rund ums Thema Stadion erleben“.

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