"Die Brände haben nichts damit zu tun" – Geschäftsführer Bürgermeister zur plötzlichen Schließung 

BWZ Pforzen ist Geschichte

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Reger Betrieb herrscht hier nur bei der Altholzaufbereitung – das BWZ (Hintergrund) hat die Pforten endgültig geschlossen

Pforzen – Noch 2012 gab es eine Menge Trubel rund um das Bayerische Wertstoffzentrum, als zwei aufeinanderfolgende Brände den Ermitt- lern und der Öffentlichkeit Rätsel aufgaben. Jetzt macht das Recyclingunternehmen wieder Schlagzeilen – allerdings mit seiner plötzlichen Schließung.

So schnell kann es mitunter gehen: Das Bayerische Wertstoffzentrum Pforzen (BWZ), bis vor wenigen Monaten noch im Wiederaufbau nach einem Brand begriffen, hat jetzt dichtgemacht. Den zuletzt 18 Angestellten wurde schon Mitte Januar gekündigt, die Firmenhomepage ist gelöscht, die Anlieferung von Wertstoffen auf dem Gelände an der Germaringer Straße gestoppt. Vor Ort hat nun der ehemalige Gesellschafter und Geschäftsführer Hubert Stahl als „Liquidator“ die Abwicklung des Unternehmens übernommen. Der Pforzener Bürgermeister Hermann Heiß (CSU/FWG) zeigte sich im Gespräch mit dem Kreisboten enttäuscht über die „auch für mich überraschende Schließung“, betont aber: „Es ist wie in einer Ehe – wenn es nicht mehr weitergeht, ist es manchmal besser, sich zu trennen bevor es zu spät ist“. 

„Bevor es zu spät ist“ sind genau die Worte, die auch Hubert Stahl wählt, als er unserer Zeitung gegenüber die Gründe für das Unternehmens-Aus erläutert. „Der Betrieb hat sich als nicht mehr wirtschaftlich erwiesen. Die Zahlen ließen am Ende und nach sorgfältiger Kontrolle nur eine Schließung zu. Um eine ungeordnete Insolvenz zu vermeiden, haben wir die Abwicklung dann selbst in die Wege geleitet. So bleiben die beiden anderen Gesellschafter und ich bis zum Schluss Herren des Verfahrens“. Dass der Pforzener Bürgermeister – genau wie die Angestellten des BWZ – vor dem endgültigen Entschluss Mitte Januar von einer Schließung auch nicht das Geringste ahnten, erklärt Stahl so: „Wir haben intern bis zum letzten Moment diskutiert, wie ein Weiterbetrieb möglich sein könnte und natürlich auch gehofft, eine Lösung zu finden. Darum ist vorher nichts nach außen gedrungen“. Sobald aber klar gewesen sei, dass es für das BWZ keine Zukunft gebe, habe man sowohl Bürgermeister Heiß als auch die Beschäftigten umgehend infor- miert. Betroffen sind hier laut Stahl 18 Angestellte hauptsächlich aus dem Raum Kaufbeuren/Neugablonz. Aus Pforzen selbst stamme kein einziger der ehemaligen Beschäftigten. 

"Brände nicht ursächlich" 

Die Ursache für den Niedergang sieht Hubert Stahl in einer Verquickung mehrerer Faktoren. So gehe der Trend bei vielen Unternehmen dahin, Abfallstoffe vermehrt verbrennen anstatt aufbereiten zu lassen. „Das ist auch ein Problem der Gesetzgebung“, so Stahl. Bei dieser Tendenz fielen dann auch weitere Aspekte wie die relativ dünne Besiedelung der Region oder Konkurrenz schwerer ins Gewicht. Dass die Betriebsschließung mit den beiden Bränden zusammenhängt, die das BWZ im März und Mai 2012 schwer beschädigten, weist Stahl zurück: „Das hat nichts miteinander zu tun. Der entstandene Schaden wurde bereits vollständig mit der Versicherung abgewickelt, die Sache war für uns ausgestanden“. Natürlich, so bestätigt der ehemalige Geschäftsführer und zuständige Liquidator, habe man nach den Vorfällen zusätzliche und strengere Auflagen zum Betrieb zu erfüllen gehabt: „Das war aber kein Drama“. Bis Ende Mai will Stahl die Abwicklung des Unternehmens zu Ende gebracht haben: „Hier sehe ich keine großen Probleme oder Verzögerungen“, wie er betont. Was nun zukünftig mit dem Betriebsgelände geschieht, weiß Stahl nicht – das sei Sache des Besitzers, der Firma Hubert Schmid Recycling & Umweltschutz GmbH. Im Hinblick auf die bestehenden Gebäude und die Infrastruktur könne er sich aber vorstellen, dass hier „wieder etwas ähnliches wie das BWZ entsteht“. 

Fragliche Nachnutzung 

Bürgermeister Heiß bestätigte auf Nachfrage des Kreisboten, dass für einen Teil des Schmid-Geländes die Errichtung einer Kompostier-Anlage beantragt und durch die Gemeinde mittlerweile auch genehmigt wurde. Dieses Areal befinde sich allerdings östlich des ehemaligen BWZ. „Die Kompostieranlage wäre so oder so gekommen, hier besteht kein Zusammenhang mit einer Nachnutzung des BWZ-Geländes“, so Heiß. Gleiches gelte für die mobile Altholzaufbereitung, die seit kurzer Zeit nicht allzu weit vom BWZ ihren Platz gefunden hat. 

Hermann Heiß sieht die Zukunft des gesamten Geländes an der Germaringer Straße auf jeden Fall als Gewerbegebiet. Denn weil der Untergrund dort durch eine frühere Kiesgrube kontaminiert ist, wurde der Boden mit Asphalt vollständig versiegelt – die Entwässerung muss bis heute durch Drainagen gewährleistet werden. Massive Bauvorhaben mit Fundamenten oder Vergleichbares sind dort also nicht denkbar. „Ein Gewerbegebiet wäre eine ideale Nachnutzung. Aus einer alten Grube ein brauchbares Gewerbeareal zu machen, das ist nach meiner Ansicht weitaus sinnvoller als wertvolles Neuland dafür auszuweisen“, steht Heiß voll hinter dem Projekt. In der Pforzener Gemeinderatssitzung vom 13. Januar haben die Räte bereits erste Unterlagen zur Bauleitplanung erhalten. 

Klar ist dem Bürgermeister aber auch, dass „Entwicklungen auf dem Gelände immer kritisch beäugt werden“. So ist die Genehmigung der Kompostieranlage nach Informationen aus dem Mitteilungsblatt der Gemeinde nicht ohne Bedenken im Gremium vonstatten gegangen. Darum will Heiß die Gelegenheit nutzen, um Missverständnissen vorzubeugen: „Es wird hier nur pflanzlicher Abfall zu Kompost verarbeitet. Es geht hier definitiv nicht um Biomüll!“ Eine vergleichbare Anlage sei in Ketterschwang vorhanden, dort gebe es „keine Probleme“.von Michaela Frisch

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