"Red ist zu gut für die Welt"

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Christoph Maria Herbst sprach mit Sandy Kolbuch darüber, wie er sich in die Sprechrolle Red hineinversetzen kann.

Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher Christoph Maria Herbst ist vor allem durch seine Darstellung des Bernd Stromberg in der gleichnamigen, als Mockumentary angelegten Fernsehserie bekannt, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. 1997 trat er erstmals im Fernsehen bei „Sketchup – The Next Generation“ auf. In Clay Kaytis und Fergal Reillys Animationsfilm Angry Birds leiht der Darsteller dem wütenden Vogel Red seine Stimme. Am Tag nach der Filmpremiere in Berlin traf Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch den charismatischen Schauspieler zum Gespräch.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Sony? 

Herbst: Es gab den berühmten Anruf, mit dem man mich zum Casting einlud. Ich bin Angry Birds-Fan der ersten Stunde, seit das Spiel 2009 von der finnischen Firma Rovio veröffentlicht wurde. Ein Kollege zeigte mir das Spiel über flugunfähige Vögel, die über eierklauende Schweine flutschen. Ich fand dies anfangs skurril, aber als ich erfuhr, dass es aus Finnland stammt, konnte ich mein Weltbild wieder zurecht rücken und habe es rauf- und runtergespielt. Als Sony letztes Jahr anrief, schloss sich für mich ein Kreis. Ich wurde auf verschiedene Figuren gecastet. Red gefiel mir mit seinen trockenen Kommentaren am Besten. Bei ihm habe ich mir auch besonders viel Mühe gegeben, weil ich ihn gerne sprechen wollte. Sony Deutschland hatte aber vermutlich nur Angst, dass ich sie verklage, wenn ich nicht am Film mit synchronisieren darf. 

Erfüllt denn der Film Ihre Erwartungen als Fan? 

Herbst: Meine eigene Erwartungslatte ist sehr niedrig angelegt. Die Geschichte des Films ist in drei Sekunden erzählt, aber man sollte nicht die amerikanischen Animatoren und die Fantasie der finnischen Redakteure unterschätzen. Ich habe beim Film so gelacht und die hundert Minuten vergingen wie im Flug. Alle Kinder im Kinosaal hatten ihren Spaß und auch die Erwachsenen, die das Spiel nicht kennen, sind auf ihre Kosten gekommen. Wer das Spiel schon einmal in den Händen hatte, hat aber noch mehr Spaß bei der detailverliebten Gestaltung. Der Animationsbereich hat mit dem kristallklaren See des Wissens noch einmal ein ganz neues Niveau erreicht, an dem sich andere jetzt messen können. Mir als Realschauspieler wird dabei ganz Angst und Bange, weil ich glaube, dass wir eines Tages durch die Animationsfilme weg rationalisiert werden. Animierte Figuren haben keine überhöhten Gagenvorstellungen, zicken nicht rum und werden auch nicht schwanger... 

Wie haben Sie sich auf Ihre Arbeit vorbereitet? 

Herbst: Gar nicht. Man kann sich nicht auf sowas vorbereiten. Ich habe in die amerikanische Fassung reingesehen, wollte aber meinen Red eigenständig anlegen und nicht den amerikanischen Kollegen imitieren. Ich hatte recht schnell ein Gefühl dafür, wie Red sein soll. Die Farbsetzung Schwarz, Rot, Gold erinnert mich an die große Koalition, bis darauf, dass es im Film auch funktioniert. Red macht die Wut gesellschaftsfähig. Es ist nichts, für das man sich schämen muss. 

Red lässt gewisse Ähnlichkeiten zu Stromberg erkennen... 

Herbst: Es stimmt, es gibt stromberg‘sche Anteile. Wenn die anderen Vögel jedoch ihre Eier zurückholen wollen und Red als ihren Anführer ernennen, will er das gar nicht. Stromberg hätte natürlich anders reagiert und die anderen für seine Dinge missbraucht. Red ist eigentlich zu gut für diese Welt, während Stromberg zu schlecht für sie ist. 

Red ist ein mies gelaunter Vogel. Was bringt Sie auf die Palme? 

Herbst: Ich bin von Hause aus langmütig. Menschen werden zu Monstern, sobald sie sich im Auto durch den Verkehr bewegen. Vielleicht lasse ich meine ganzen Emotionen schon in meinen Rollen und bewege mich deshalb relaxed durchs Leben. Ich bin niemand, der sich von Kleinigkeiten auf die Palme bringen lässt. Ich habe Wut in mir, wenn ich an den Zustand unserer Welt und die gesellschaftlichen Zusammenhänge denke. Wie ich damit umgehe, habe ich selbst in der Hand. Man kann sich engagieren und versuchen, mit Spenden und Gesprächen zu handeln. 

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Projekte aus? 

Herbst: Ich habe keine Lust mehr Stromberg und ähnliche Rollen zu spielen. Ich hatte mit Stromberg eine tolle Zeit, habe ihm viel zu verdanken und er mir. Ich bin stolz auf mich, dass ich zum gefühlt richtigen Zeitpunkt die Reißleine gezogen habe. 

Vielen Dank für das Gespräch!

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