"Wir haben alle einen Dachschaden"

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Ob sich Paul Panzer aus dem Kreisbote neue Ideen für sein Bühnenprogramm holt?

Comedian Dieter Tappert (*8. Januar 1972) wurde unter dem Künstlernamen Paul Panzer bekannt. Neben seinem markanten Sprechfehler ist das Blümchenhemd Panzers charakteristisches Merkmal. Zu den wichtigsten Themen des Comedians gehören Erzählungen über Panzers Frau Hilde, den Kindern Bolle und Susaska, seinem Bruder oder dem Nachbarn Herrn Latz. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch sprach mit Paul Panzer über sein neues Bühnenprogramm und die frisch veröffentlichte DVD.

Panzer: Panzer, ich begrüße Sie.

Guten Morgen, schön Sie zu sprechen. Am 14. Oktober ist die DVD mit Ihrem aktuellen Bühnenprogramm „Invasion der Verrückten“ im Handel erschienen, mit dem Sie auch gerade auf Tour sind. Worum geht es im neuen Programm?

Panzer: Invasion klingt nach fremden Leuten aus dem Weltall. Dies ist natürlich nur ironisch gemeint. Die Verrückten sind ja schon längst hier. Wir Menschen sind die einzigen Verrückten auf unserem Planeten. Oft reicht schon der Blick in die Nachbarschaft oder die eigene Familie. Ich habe bei meinem Bühnenprogramm wieder meine Frau Hilde und meine Kinder dabei und das ist für ein Leben verrückt genug!

Was sind denn Ihre Lieblingsthemen?

Panzer: Ich mag die großen Themen rund um das Menschheitsgeschehen. Die Themen aus der GALA oder der BUNTE interessieren mich weniger. Meine eigene kleine Reihenhauswelt mit all ihren Irrwegen beschäftigt mich. Wir haben schon alle einen Dachschaden. Die Frage ist nur, bei wem regnet es schon rein!

Ihr Blümchenhemd ist legendär. Wer ist für Ihre Kleiderauswahl zuständig?

Panzer: (lacht) Selbstverständlich meine Frau Hilde, die mir seit Jahren morgens die Sachen rauslegt. Und komischerweise ist es immer das Blümchenhemd. Ich habe mich auch schon so daran gewöhnt, dass ich wirklich irritiert wäre, wenn da eines Morgens ein weißes Hemd liegen würde.

Wie groß ist der Wunsch oder auch der Drang, sich mit seinem Programm von seinen Kollegen abzugrenzen?

Panzer: Ich gucke schon mal nach links und rechts. Da ich mit meiner Persönlichkeitsstruktur schon etwas anders bin, interessiert mich Boulevard nicht. Ich schaue privat auch gar kein Fernsehen. Und wenn es doch mal vorkommt, dann nur Dokumentationen oder Tierfilme. Ich mache nicht das, was die Leute sehen wollen, sondern was ich für wichtig halte und finde damit mein Publikum.

Was inspiriert Sie zu neuen Shows, wenn es nicht das Fernsehen oder die Klatschzeitschriften sind?

Panzer: Es ist eine Mischung aus Augen offen halten und ein Spiegel dessen, was einen persönlich interessiert. Für mich war schon immer die Evolution, Wissenschaft und Technik interessant, aber auch Soziologie und wie ticken die Menschen.

In welcher Situation ist es schwer, in der Rolle der zu bleiben?

Panzer: Bei mir ist es eher andersrum. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich in die Rolle falle. Wie heute früh, als der Postbote Herr Müller quer über die Straße rief „Panzer, ich begrüße Sie“, da konnte ich nicht anders als zurückzurufen „Rrrrichtiiig“. Es ist schon etwas schizophren.

Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich schwer ist, eine Grenze zu ziehen.

Panzer: Man muss sich immer fragen, wer macht mehr. Immer wenn es ums Arbeiten geht, macht Paul die Arbeit. Ich mache die Interviews, muss ins Fernsehen, gehe auf Tour. Wenn es um die Freizeit geht, ist Dieter – der Langweilige, wie ich ihn nenne – dran. Der liegt dann auf dem Sofa und schaut sich eine Doku über Krabbenfischer an.

Wie viel Paul steckt denn in Dieter oder andersrum?

Panzer: Die Interessen sind schon unterschiedlich. Ich kann ja auch nicht raus aus meiner Haut. Ich habe im Grunde nur das eine Gehirn und das eine Gefühlsleben. Die Art, wie Dinge verarbeitet werden, sind anders. Paul kann Dinge sagen, die der Dieter nie sagen würde.

2009 entstand zusammen mit Mario Barth das Drehbuch zu „Männersachen“, wo Dieter vor der Kamera stand. Gibt es Ideen zu einem gemeinsamen Projekt, wo Paul vor der Kamera stehen könnte?

Panzer: Mir war schon immer klar, dass ich so etwas nicht will. Dann müsste man Pauls Familie zeigen und das würde die Illusion des Publikums zerstören.

Hat sich durch Pauls Blick auf die Welt auch die Perspektive von Dieter verändert?

Panzer: Ja, weil Paul einfach einen ganz anderen Blick auf die Dinge hat. Paul ist schon so etwas wie eine Erweiterung für Dieter.

Dieter ist von der Schweißerlehre über das Musik- und Medienpädagogische Studium zum Paul gekommen, der die Bühne erobert hat. Ist es gut zu wissen, dass Paul in Ruhestand gehen und der Dieter dann handwerklich tätig werden könnte?

Panzer: Auf jeden Fall. Dieter hat eine kleine Werkstatt und werkelt vor sich hin. Die Bühne ist Pauls große Liebe. Der hat zwar auch große Ideen, aber bei der Umsetzung hapert es dann (lacht).

Ist bereits ein neues Programm in Arbeit?

Panzer: Nein, bisher noch nicht. Ich feile noch an der aktuellen Show, die noch bis Mai 2017 läuft. Und wenn alles so bleibt, bin ich zufrieden. Wenn etwas gut läuft, kann man es so laufen lassen.

Besten Dank für das Interview

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