"Das ist kein guter Stil"

Dr. Joachim Klasen (li.) und Ludwig Lederle bilden zur Zeit die Doppelspitze am Kommunalunternehmen (KU) Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren. Für die Linie des Verwaltungsratsvorsitzenden fanden sie jüngst kritische Worte.

Als „keinen guten Stil“ sieht der Kliniken-Verwaltungsratsvorsitzende Johann Fleschhut den aktuellen Vorstoß der beiden noch amtierenden Klinikchefs Ludwig Lederle und Dr. Joachim Klasen an. Beide hatten vergangene Woche öffentlich Fleschhuts Reformkurs kritisiert. So herrsche laut Lederle und Klasen im Unternehmen unter den bestehenden Rahmenbedingungen eine Perspektivlosigkeit, da dringend nötige Strukturveränderungen aufgrund einer „Beschlussunwilligkeit“ einfach nicht umge- setzt würden. Jetzt schlägt Fleschhut zurück: In der jüngsten Kreisausschusssitzung wehrte er sich energisch gegen die Vorwürfe.

Eigentlich waren die vorgesehenen Tagesordnungspunkte bereits abgehakt, als die Günzacher Bürgermeisterin Brigitte Schröder den Landrat vor versammeltem Gremium mit den Aussagen der beiden Klinikchefs konfrontierte. Dabei stellte Fleschhut in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender des Kommunalunternehmens (KU) gleich zu Beginn klar, dass die betreffende Berichterstattung „nicht stimme“. Zudem hätten die angesprochenen Themen eigentlich „intern behandelt“ werden müssen, „denn in der Öffentlichkeit gegen Personen und gegen das Unternehmen vorzugehen, ist kein guter Stil“. Zudem seien die Aussagen objektiv unwahr, Tatsachen wären verdreht worden. Dem Unternehmen, dessen Mitarbeitern und der wirtschaftlichen Situation wäre dadurch Schaden entstanden. Mit Blick auf die neue Vorstandsuche (wir berichteten) sei Fleschhut, entgegen der Medienberichte, „keinesfalls verzweifelt“ – diese laufe statt- dessen „strukturiert“. Fleschhut dementierte auch Verlautbarungen, die besagen, dass man deshalb keinen Nachfolger finde, weil die Situation im Klinikunternehmen aktuell eine sehr schwierige sei: „Die Suche läuft auf Hochtouren, wird aber nicht in die Öffentlichkeit getragen“. Auch die Gespräche über eine Nachfolgenutzung des Krankenhauses Marktoberdorf werden laut Fleschhut „vertrauensvoll“ geführt. Aus seiner Sicht finde man eben dann keinen Partner, wenn die Gespräche „gleich am nächsten Zeit in der Zeitung stehen“. Stattdessen müsse man „partnerschaftlich und professionell“ agieren: „Alles andere ist unverantwortlich und ich lehne das ab“, betonte der Landrat und fügt hinzu: „Ich tue nichts anderes, als fünf Klinik-Standorte zu erhalten. Alle anderen Behauptungen sind Spekulationen. Wenn wir nicht bald die Kurve kriegen, wenn wir nicht unsere Reformpläne umsetzen, sinkt unsere Chance, alle Häuser zu erhalten. Noch zweifle ich nicht, dass uns das gelingt, aber in dieser Konstellation mit öffentlichen Anschuldigungen wird uns das nicht gelingen.“ Daher sollten, so Fleschhut, „solche Diskussionen unternehmensintern geführt“ werden. Auf die im KREISBOTE von Fleschhut angekündigten Schließungen angesprochen, erklärte der Verwal- tungsratsvorsitzende: „Mit mir nicht, solange wir nicht alle Möglichkeiten ausgelotet haben. Klinikverbund Allgäu? Dazu könnte auch eine Fusion mit dem Klinikverbund Kempten-Oberallgäu gehören. Diese Vision wurde zumindest in der jüngsten Stadtratssitzung in Kempten thematisiert. Der allgemeine Tenor lautete dort, dass man im Allgäu zu „kleinteilig“ aufgestellt sei. Dabei rückte auch der Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren in den Fokus der Kemptener Stadträte. Es wurde offen angesprochen und auch nicht dementiert, dass man sich eine engere Zusammenarbeit mit dem Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren vorstellen könne – alles unter dem Motto: „Allgäuer Klinikverbund“. Wie Fleschhut auf Nachfrage mitteilte sei dieses Konstrukt seit 2003 immer wieder thematisiert worden. Damals fand in Nesselwang für alle Träger, Politiker, Mediziner und die Führungen der Kliniken im ganzen Allgäu einschließlich Unterallgäu eine von ihm organisierte Veranstaltung statt. Dort hatte Prof. Dr. Günter Neubauer, den der Landrat kurz zuvor kennen gelernt hatte, für Klinikzusammenschlüsse im großen Verbund überzeugend argumentiert. So wurde damals die „Allgäu AG“ oder „Holding“ ein Diskussionsthema. „Seither taucht das Thema immer wieder auf. Teilweise haben wir auch Kooperationen realisiert, zum Beispiel bei der Radiologie oder beim Brustzentrum mit dem Klinikum Memmingen“, erklärte Fleschhut. Wichtig sei für ihn im Hinblick auf ein mögliches gemeinsamen „Dach“ für die Kliniken im Allgäu vor allem eine gewisse Vergleichbarkeit der Strukturen. „Im Ostallgäu und Kaufbeuren haben wir zweifelsfrei mit der Fusion den richtigen Schritt schon 2007 gemacht“, betonte der Verwaltungsratsvorsitzende: „Kempten und das Oberallgäu machen dies jetzt gerade“ und Memmingen und das Unterallgäu begäben sich ebenfalls auf den – sicher nicht ganz schnellen – Weg. „Von einer noch engeren Zusammenarbeit würden in unserer Region grundsätzlich die Medizin und die Wirtschaftlichkeit profitieren“. Abzustimmen wären laut Fleschhut jedoch „die konkreten Aufgaben und Aufteilungen, das Wichtigste wäre aber gegenseitiges Vertrauen. Beides ist denkbar und grundsätzlich sinnvoll!“ Fleschhut sieht sich diesbezüglich auf dem Weg zu einer immer engeren Zusammenarbeit, die eine „Holding-Lösung“ zum Ziel haben sollte, also vorläufig keine Fusion. Darüber bestehe seines Erachtens nach „grundsätzlich Konsens“. „Bei der Bewertung der aktuellen Prioritäten sehe ich aber unsere Sanierung und Umstrukturierung im Ostallgäu und in Kaufbeuren als vorrangig an. Sobald wir wieder auf Kurs sind, können vertiefende Gespräche mit den Kollegen geführt werden, was ich für das nächste Jahr als durchaus realistisch ansehe“. Fleschhut sieht sich mit dieser Einschätzung weitgehend im Einklang mit seinen Kollegen in Kempten und im Oberallgäu, „auch mit OB Stefan Bosse, ohne dass wir uns über die Aufnahme und zeitliche Folge von Gesprächen bereits konkret ausgetauscht hätten“. Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Kempten-Oberallgäu, bestätigte diesbezüglich am Montag auf Anfrage, dass es Überlegungen über eine engere Zusammenarbeit der Klinik-Verbünde im Allgäu gebe. „Eine stärkere Zusammenarbeit ist sinnvoll“, sagte er dem KREISBOTE. Man dürfe nicht nur die Teilregionen, sondern die Gesamtregion sehen. Das heiße auch, das Unterallgäu und Memmingen ebenfalls mit ins Boot zu holen. Die von Landrat Fleschhut ins Gespräch gebrachte Holding sei da „ein Ansatz zum Nachdenken“. Allerdings sei es nun am Ostallgäuer Landrat, konkrete Vorschläge zu einer möglichen Umsetzung zu machen. „Die Frage ist immer, wie könnte das aussehen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende. „Wir brauchen mehr als ein Schlagwort.“ Auf die Frage, ob eine verstärkte Kooperation auch kurzfristig positive Auswirkungen auf das Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren haben könnte, sagte Fleschhut: „Für unsere aktuell schwierige Lage in Kaufbeuren und im Ostallgäu kann ich kurzfristig durch eine verstärkte Kooperation im Allgäu keinen durchschlagenden Erfolg erkennen, weil ein großer Verbund schrittweise aufgebaut werden sollte. Mittelfristig hätte dies aber schon Vorteile, da dann alle unsere Strukturen gefestigt sowie gezielt und abgestimmt ausgebaut werden könnten. Wir müssen jetzt zunächst selber unsere Hausaufgaben machen und vor allem eine neue, qualifizierte Führung installieren, die zu hohen Defizite abbauen und die Umstrukturierung aller fünf Standorte vornehmen!“ Info: Was ist eine Holding? Bei einer „Holding“ sind mehrere Einzelunternehmen als gesellschaftsrechtlich eigenständige Einheiten – aber auf hierarchisch zweiter Ebene – unter einer „Obergesellschaft“, der Holding, organisiert. Es stehen dabei zwei Varianten zur Auswahl: Bei der sogenannten „Management-Holding“ hat die Obergesellschaft das letzte Wort bei allen finanzwirtschaftlichen und strategischen Entscheidungen, bei der „Finanz-Holding“ trifft dies nur auf die finanzwirtschaftlichen Entscheidungen zu.

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