Ab 9. Juni im Kino

"Ich glaube an Glück"

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Hollywood-Schauspielerin Diane Kruger (links) verrät Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch auch privates.

Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf den Hollywoodstar Diane Kruger in Berlin und sprach kurz vor der Filmpremiere von "Sky - Der Himmel in mir" mit ihr über die Dreharbeiten und ihre Verbundenheit zu Deutschland.

Die deutschstämmige Schauspielerin Diana Kruger (*15. Juli 1976) wurde im Alter von 15 Jahren bei einem Weltfinale des Modelwettbewerbs Look of the Year von der Agentur Elite entdeckt. Sie zog nach Paris, wo sie unter ihrem bürgerlichen Namen Heidkrüger arbeitete. Nebenbei nahm sie Schauspielunterricht. Nach mehreren kleineren Rollen änderte sie ihren Nachnamen in Krüger und später in Kruger. 2004 bekam sie in Wolfgang Petersens Film Troja die Rolle der Helena, mit der sie ihren internationalen Durchbruch feierte. Ein Jahr darauf lernte sie die Regisseurin und Drehbuchautorin Fabienne Berthaud kennen, die ihr für den Film „Frankie“ die Hauptrolle anbot. Nach „Barfuß auf Nachtschnecken“ ist Kruger auch in der dritten Zusammenarbeit mit Berthaud in „Sky – Der Himmel in mir“ als Hauptfigur zu sehen. 

In Sky geht es um ein einschneidendes Erlebnis, welches das ganze Leben verändert. Glauben Sie an Schicksal? 

Kruger: Manchmal. Ich glaube an Glück und an den Willen, sich weiterentwickeln zu wollen und daran, Chancen anzunehmen. 

Kennen Sie selbst den Moment, an dem der Wunsch entsteht, alle vorhanden Brücken abzubrechen und neu anzufangen? 

Kruger: Ich habe nicht unbedingt alle Brücken hinter mir abgebrochen, aber ich hatte das Gefühl, wie eine Katze mehrere Leben zu haben. Ich bin von Deutschland aus nach Frankreich gezogen und von da aus nach Amerika. Vom Tanzen bin ich zum Modeln gekommen und von dort aus zu Schauspielerei. 

Glauben Sie, dass man sich, wie Ihr Charakter im Film, in einen wildfremden Menschen verlieben kann? 

Kruger: Ich glaube schon. Wenn man sich verliebt, muss dies nicht gleichzeitig Liebe sein. Aber die Idee, mit jemanden zusammen zu sein, der ganz anders ist als man selbst, ist reizbar. 

Wie schwer war es, die Vergewaltigungsszene zu drehen? 

Kruger: Es war keine tolle Szene. Aber der Dreh war so angenehm, wie möglich. Gilles Lellouche, der im Film meinen Ehemann spielt, ist ein Freund von mir. Ich kenne ihn schon seit mehr als 15 Jahren und ihm war der Dreh unangenehmer als mir. Aber wir waren innerhalb einer Stunde fertig. 

Ihr Lebensgefährte Joshua Jackson spielt im Film eine kleine Rolle. Von wem kam die Idee, ihn zu besetzen? 

Kruger: Im Film spielen nur Leute mit, die ich kenne (lacht). Der Rezeptionist in Las Vegas ist mein bester Freund. Wir haben alle Leute angerufen, die frei waren und nicht bezahlt werden wollten (lacht). 

Ist es trotz Ihrer Bekanntheit schwierig ein solches Herzensprojekt wie Sky umzusetzen? 

Kruger: Dieses Projekt war sehr schwierig, weil es ein französischer Film ist, bei dem außer Gilles Lellouche keine Franzosen mitgespielt haben. Da der Film nur mit Amerikanern auf englisch in Amerika gedreht wurde, hatten wir keine Hilfe von französischen Fonds. Die Finanzierung war daher sehr schwer und wir brauchten zwei Jahre, um die Dreharbeiten finanzieren zu können. 

Was hat Sie an Ihrer Rolle gereizt? 

Kruger: Fabienne und ich kennen uns bereits seit 16 Jahren und es ist unser dritter gemeinsamer Film. Unser letzter Film lief in Cannes und da haben wir bei der Aftershow Party gemeinsam von einem neuen Projekt geträumt. Da wurde die Idee zu „Sky“ geboren. Zwei Jahre lang hat Fabienne an dem Drehbuch geschrieben und sich zwei weitere Jahre um die Finanzierung bemüht, um unseren Traum wahr werden zu lassen. 

Hat es Vorteile, mit einem Regisseur zusammenzuarbeiten, mit dem man sehr vertraut ist? 

Kruger: Bei den Dreharbeiten zu „Sky“ war es sehr harmonisch, weil ich von Anfang an dabei war und die Geschichte mitentwickelt habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich gar nicht wirklich gedreht habe. Ich vertraue Fabienne und weiß, dass sie nie zu weit gehen würde. Mit einem anderen Regisseur hätte ich einige Szenen nicht gedreht. Fabienne ist wie eine große Schwester. 

Wie schwierig ist es, sich als Schauspielerin in die Hände eines Regisseurs zu geben? 

Kruger: Ich finde es unglaublich schwer. Die Beziehung, die ich mit Fabienne habe, ist sehr besonders. In den 70er Jahren hatten die Regisseure ihre Musen, mit denen sie mehrere Filme gedreht haben. Heute kennt man dies nur noch von Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese. Man hat das Gefühl, dass sie beiden sich vertrauen und Leonardo dadurch bei jedem Film besser wird. Bei Fabienne habe ich das Gefühl, dass ich alles geben kann. Unsere Arbeit am Set ist intuitiv. Bei „Sky“ habe ich auch sehr oft für sie übersetzt und ihr mit den anderen Schauspielern geholfen. 

Wenn Ihnen Ihre Rollen auf den Leib geschrieben werden, ist es schwerer, Missmut zu äußern? 

Kruger: Es passiert nicht oft. Bei Fabienne sage ich immer Ja. Auch bei ihrem nächsten Projekt werde ich dabei sein, auch wenn ich noch nicht weiß, worum es geht. Die authentische Segnungs-Szene wurde nur einmal gedreht. 

Haben Sie die Segnung auch persönlich wahrgenommen? 

Kruger: Die Szene war nicht detailliert im Drehbuch beschrieben. Es stand nur fest, dass die Priesterin mir dem Namen Sky geben wird. Die Zeremonie und der Tanz waren alle authentisch. Es war toll, eine andere Kultur kennenzulernen, auch wenn ich kein spiritueller Mensch bin. 

Hätten Sie Interesse, dem deutschen Film näher zu kommen? 

Kruger: Sicher. Ich hoffe, dass es eine gute Erfahrung werden wird mit Regisseur Fatih Akin zu drehen. Vielleicht geht es ja anschließend weiter. 

Welchen Bezug haben Sie noch zu Deutschland? 

Kruger: Meine Familie lebt in Deutschland und ich selbst bin deutsch. Aber ich lebe über die Hälfte meines Lebens in Frankreich und fühle mich daher in Deutschland auch etwas fremd. Manchmal muss ich auch nach deutschen Wörtern suchen. Mittlerweile fühle ich mich in Paris zu Hause. 

Wie werden Sie von den Amerikanern wahrgenommen? 

Kruger: Als Europäerin. Ich kriege Anfragen für ausländische Rollen, egal ob es sich um eine Italienerin oder Russin handelt (lacht). 

Sie haben mit Norman Reedus gedreht. Kannten Sie die Serie „The Walking Dead“, in der er seit 2010 mitspielt? 

Kruger: Ich hatte den Titel gehört, kannte die Serie aber nicht. Jetzt habe ich aber reingeschaut. Es war unmöglich, mit ihm in Las Vegas zu drehen. Mehr als tausend Leute kamen, nur um ihn zu sehen. 

Sind Sie ein Serienjunkie?

Kruger: Ich bevorzuge die Serien, die aus den Studios kommen. Ich sehe „House of Cards“ oder „Bloodline“. Abends sehe ich lieber ein paar Episoden, anstatt den Fernseher anzuschalten. Sie haben in der Serie „The ­Bridge“ mitgespielt. 

Was haben Sie für Erfahrungen gewonnen? 

Kruger: Ich habe es leider nur zwei Jahre gemacht. Es ist wie ein langer Film. Man hat bei einer Serie das Gefühl, dass man sich mehr Zeit mit seiner Rolle lassen kann. Ich habe bereits für eine neue Serie unterschrieben. 

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Projekte aus? 

Kruger: Nach Gefühl. Manchmal nehme ich auch eine kleinere Rolle an, wenn der Film mir gefällt. Ich suche nicht nach Rollen, sie kommen meistens auf mich zu. 

Vielen Dank für das Gespräch.

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