"Die Kirche ist noch im Dorf"

Die Buchloer Stadtpfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“: Die Mitglieder der Kirchengemeinde erwarten bei der Diözesenreform einen Dialog mit Beteiligung.

Die Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Buchloe mit den Gemeinden Jengen, Lamerdingen und Waal hat eine Antwort auf den an Bischof Konrad Zdarsa verfassten Brief zur „Pastoralen Raumordnung 2025“ erhalten. Allerdings nicht vom Bischof selbst, sondern vom theologischen Referenten des bischöflichen Sekretariats. Über den Inhalt sei man enttäuscht, ist von den beteiligten Bürgermeistern zu vernehmen. „Die Kirche ist noch im Dorf“, meint Bürgermeister Franz Hauck aus Jengen, „und deshalb engagieren sich die Menschen auch noch ehrenamtlich. Diese Arbeit ist unschätzbar.“ Der allgemeine Tenor der befragten und zu einer Stellungnahme bereiten Bürgermeister: Auf wesentliche Anliegen sei nicht eingegangen sowie pauschal und standardisiert formuliert worden.

Anfang März hatten die Bürgermeister der vier Kommunen einen gemeinsamen Brief an den Bischof in Augsburg geschrieben. Darin brachten sie ihre Sorge über die seitens der Diözese geplante Neuordnung der pastoralen Räume im Bistum Augsburg zum Ausdruck. Das Konzept habe, so heißt es in dem Brief an den Bischof, „für große Verunsicherung bei den Bürgerinnen und Bürgern“ gesorgt. Seit Jahrhunderten gewachsene Strukturen sollten nun mit einem Federstrich verändert werden. Insbesondere die beabsichtigten Fusionen von Kirchenstiftungen werden für sehr problematisch gehalten. Auch die Auflösung der Pfarrgemeinderäte und deren Ersatz durch zentrale Pastoralräte bedeute für viele Christen ein Rückschritt sowie eine Zerschlagung der bisher auf ehrenamtlicher Basis aktiven und demokratischen Laienstrukturen. Kein Wortgottesdienst Auf großen Widerstand bei den Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen der Pfarreiengemeinschaft stößt vor allem aber auch das Verbot der Wortgottesfeiern an Samstagen und Sonntagen. Gerade in der ländlichen Struktur der Schwäbisch-Allgäuer Region ist der sonntägliche Kirchgang dann passé. Besonders ältere Mitbürger und Alleinstehende, die nicht ausreichend mobil sind, wären davon betroffen. Die „Kirche im Dorf“ bliebe leer. Von den Auswirkungen auf der sozialen und kommunikativen Seite ganz zu schweigen. Im Pfarrbrief der Kirchengemeinde St. Ulrich in Kaufbeuren wird die Weisung aus Augsburg in Anspielung auf eine bisher lebendige und funktionierende Gemeinschaft so formuliert: „Eines Tages sollte die Gemeinde von unsinnigen, an den Menschen vorbeigehenden Bestimmungen vernichtet werden.“ Die grundsätzliche Notwendigkeit von Veränderungen wird aber weder von den Unterzeichnern der Verwaltungsgemeinschaft Buchloe noch anderen Orts infrage gestellt. Schmerzhaft vermisst wird aber die Beteiligung der Basis. Antwort ohne Inhalt Das Antwortschreiben des bischöflichen Sekretariats erscheint aufgrund der offensichtlichen Textbausteine und Phrasen äußerst diffus. Es wird darin Wert gelegt auf die „theologische und pastorale Bedeutung“ sowie in der Zukunft „weiterhin eine unverzichtbare Bedeutung der Verbundenheit mit der Heimatpfarrei“ und „das ehrenamtliche Engagement vieler Christen“ bestätigt. Die Wort-Gottes-Feiern sollten weiterhin ihre eigene Berechtigung behalten, doch sei es unerlässlich, zu „differenzieren und Prioritäten zu beachten“. Am Ende wird auf die beigelegten Broschüren „Zur Rolle des Pastoralrats in den Seelsorgeeinheiten der Diözese Augsburg“ und die „umfassend informierende Broschüre“ mit dem Titel „2025“ verwiesen. Letztere, die von der Abteilung Kommunikation im Generalvikariat der Diözese Augsburg in einer Auflage von 170.000 Exemplaren herausgegeben wurde, kann laut einer Erklärung der „Initiative Bistumsreform“ durchaus als teure Werbekampagne für bereits Bekanntes bezeichnet werden. Die kirchlichen Gemeinden wollen sich aber damit nicht zufriedengeben. Sie setzen nach wie vor auf Dialog und die Beteiligung am sie betreffenden Entscheidungsprozess zu einer neuen Struktur. Mit der Aktion „Kirche umarmen“ vor wenigen Wochen wurde der Plan zur Fusionierung der Kirchenverwaltungen relativiert. Am kommenden Samstag findet dann eine Kundgebung auf dem Domplatz in Augsburg statt, zu der viele Gläubige aus dem gesamten Bistum erwartet werden.

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