"Die Stimmung ist am Boden"

Der Standortälteste und Kommandeur der TSLw 1 Oberst Richard Drexl. Foto: TLSw 1

Die Nachricht von der Schließung des Fliegerhorstes traf die Beschäftigten wie ein Schlag ins Gesicht. Kaum einer hatte mit derartigen Einschnitten gerechnet. Von Schock über Fassungslosigkeit bis hin zu Wut und Enttäuschung reichten die Reaktionen. Die Entscheidungen sind aus Sicht der Soldaten und zivilen Mitarbeiter nicht nachvollziehbar. In einer ersten Stellungnahme äußerte sich Oberst Richard Drexl als Kommandeur der TSLw 1 gegenüber dem KREISBOTEN, da er bei Eintreffen der Nachricht beim Inspekteur der Luftwaffe in Köln war.

Für die Auflösung des Standortes gibt es laut Oberst Drexl ein ganzes Bündel von Gründen. Der sinkende Umfang der Ausbildung durch weniger Luftfahrzeuge in der Luftwaffe sei nur ein Argument. Eine Rolle spiele sicherlich auch die strukturelle Situation in Bayern. Ostbayern sei daher weniger oder kaum von Schließungen betroffen, während es im Westen eine deutlich stärkere Ausdünnung gäbe. Wie Oberst Drexl berichtet, wird sich die Luftwaffe mit ihren fliegenden Waffensystemen künftig stärker auf den Norden Deutschlands fokussieren, weil Prognosen für den süddeutschen Luftraum in den kommenden Jahren eine zu- nehmende Überlastung durch zivile Flugbewegungen voraussagen. Auf Anfrage des KREISBOTEN erklärte der Standortälteste, die in den Plänen des Ministeriums gekennzeichnete Ergänzung in Form von Lehrgangsteilnehmern beim zukünftigen Eurofighter-Geschwader in Neuburg sei nicht mit dem Umzug von technischer Ausbildung aus Kaufbeuren verknüpft. Nach seinen Informationen ist auch keine Verlagerung von luftfahrzeugtechnischer Ausbildung nach Faßberg vorgesehen. Sowohl für die Tornado- als auch für die Eurofighter-Ausbildung sei das Lechfeld die zukünftige Heimat. Der Fliegerhorst Lechfeld dient zukünftig nicht nur als Ausweichflugplatz für das Geschwader in Neuburg. Auch die Wirtschaft nutzt den Platz für den Großraumtransport von Airbusteilen. In der anberaumten Pressekonferenz am Mittwoch hatte Oberst Harald Burghardt von „keinem guten Tag“ gesprochen. „Wir konnten es heute Früh erst nicht glauben“, so der stellvertretende Kommandeur. Die tatsächlichen Auswirkungen seien wohl erst später zu spüren. „Aber wir haben die Minister-Entscheidung zu respektieren und werden alles tun, um persönliche Härten zu vermeiden.“ Auf eine mögliche zivil-militärische Kooperation angesprochen, sagte Burghardt: „Wenn wir die Ausbildung der militärischen Flugsicherung erhalten könnten, wäre das schön. Aber auf dem offiziellen Strang haben wir noch nichts gehört.“ Die Stimmung beim Personal ist am Boden. „Ich verstehe es nicht“, so eine Soldatin, „dieses Gefühl momentan ist einfach unbeschreiblich!“ Ein lang gedienter Soldat fasst seinen Frust in die Worte: „So ist das, wenn der Minister a Preiß is und der bayerische Ministerpräsident ‚Ja‘ gsagt hat!“ „Ich bin sprachlos“, so ein Offizier, „einfach nur sprachlos. Man konnte sich nicht darauf einstellen und das sollte man einem mindestens zugestehen.“ Zwei andere Soldaten haben nur noch eine kurze Restdienstzeit und sehen für sich persönlich weniger Probleme. Große Betroffenheit herrscht vor allem bei den zivilen Beschäftigten. Einer brachte es mit den Worten auf den Punkt: „Nachdem ich 25 Jahre da bin, geht das an Herz und Nieren. Für mich geht ein Lebenswerk kaputt.“

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