"Geschichtliche Notizen"

Die Kugel gibt ihren Inhalt frei

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Christian Eger, Alwin Holdenrieder, Marion Schmidt und Dr. Wolfgang Hell begutachten die Briefe, die 52 Jahre auf der Spitze der Kapelle verschlossen waren.

Marktoberdorf-Osterried – Knapp 52 Jahre ist es her, dass die Kartusche verschlossen und in die Kugel gegeben, das Ganze verlötet und auf der Spitze des Kapellenturms von St. Wendelin in Osterried angebracht wurde.

Am Dienstag wurde das Geheimnis um den Inhalt der Kugel gelüftet: zum Vorschein kamen zwei Briefe. Die Bauarbeiten an der St. Wendelin-Kapelle sind seit Anfang Mai in vollem Gange, die komplette Kapelle umgibt ein Gerüst und so ist es Sitte, im Zuge der Renovierung die Kugel, die sich mit dem Kreuz auf der Spitze befand, zu öffnen. Diese und die darin enthaltene Kartusche mussten, anders als üblich, vorab seitlich aufgeschnitten werden. 

Gespannt holten der mit dem Projekt beauftragte Architekt Christian Eger, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, Marion Schmidt, Architektin im Stadtbauamt und Alwin Holdenrieder, Pfarrer im Ruhestand, zwei Briefe aus der kupferfarbenen Kartusche hervor, einer davon mit tiefschwarzer Tinte auf Pergament geschrieben. 

Verfasser dieses Schriftstücks waren die damaligen Arbeiter der Firma Fritz Dages aus Stötten a. A. „Es werden wohl viele Jahre vergehen, bis diese Zeilen wieder zum Vorschein kommen” sind die ersten Worte darauf vom 19. Oktober 1963. Für erwähnenswert hielten es die Arbeiter, den Stundenlohn eines Gehilfen von 3,20 bis 3,50 Mark niederzuschreiben und den Preis für ein Pfund Brot, der damals eine Mark betrug. Der damalige Stadtpfarrer Kaspar Bergler hat am 17. Oktober 1963 im anderen Brief „Geschichtliche Notizen” aufgeschrieben und ebenfalls in die Kartusche gelegt. Allerdings muss seine Schrift noch entziffert werden. 

Dass im August 2012 ein Viertel der Decke mit einem Teil des Freskos abgestürzt war, sei „das auslösende Moment zu handeln“ gewesen, so Eger. Aufgrund des schlechten Baugrunds und der Schäden im Dachstuhl ergaben sich Kraftumlagerungen und ungewollte Spannungen, die auslösten, dass das Deckenbild herabfiel. 

Die fäulnisgeschädigten Holzteile des Dachstuhls wurden im Zuge der Bauarbeiten bereits unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte zimmertechnisch instandgesetzt. Gemäß dem Bauzeitenplan des Architekten sollen alle Renovierungsarbeiten an Dach und Fassade im höherliegenden Bereich bis spätestens Anfang August fertiggestellt sein, damit im Herbst noch die Sockelsanierung mit notwendigen Gebäudeunterfangungsarbeiten durchgeführt werden kann. Die Innenmaßnahmen hingegen werden auf das nächste Jahr verschoben. Insgesamt rechnet der Architekt mit Baukosten von rund 400.000 Euro.

von Martina Staudinger

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