War der Mord tatsächlich geplant?

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Die Anklage gegen die drei Kaufbeurer, die vor gut einem Jahr einen 22-Jährigen Mitbewohner umgebracht haben sollen, könnte statt Mord auch in Totschlag geändert werden.

Kempten/Kaufbeuren – War es tatsächlich ein geplanter Mord, oder wurde der 22-jährige Kaufbeurer von seinen Mitbewohnern im Affekt getötet? Diese Frage stellen sich derzeit noch die Richter am Landgericht Kempten.

Im Falle der Mord-Anklage gegen drei junge Männer (wir berichteten mehrfach), die im Juli vergangenen Jahres ihren damaligen Mitbewohner getötet und danach in der Wertach abgelegt haben sollen, zeichnete sich am vergangenen Donnerstag im Prozess eine neue Wendung ab.

So kündigte der vorsitzende Richter an, die Anklage wegen Mordes gegen drei Kaufbeurer im Alter zwischen 19 und 21 werde eventuell in Totschlag und zweimal Beihilfe zum Totschlag umgewandelt. Denn weiterhin ist sich das Gericht nicht im Klaren, ob die Tat tatsächlich im Vorfeld geplant wurde oder ob der mutmaßliche Hauptangeklagte seinen Mitbewohner spontan getötet hat.

Wie berichtet, waren im Zuge der Ermittlungen und des Prozesses weitere Hintergründe zu der Tötung eines 22-Jährigen bekannt geworden. Alle Beteiligten standen demnach dem Drogen-Milieu nahe, wie berichtet hatte das spätere Opfer seine Mitbewohner dazu angehalten, für ihn Drogen zu verkaufen. Rund 3800 Euro Schulden hatten die mutmaßlichen Täter schließlich bei ihrem „Dealer-Boss“, nicht zuletzt weil sie einen Teil der Ware selbst konsumierten. Sie wurden deshalb von ihm nach eigener Aussage und laut Zeugen immer wieder massiv unter Druck gesetzt. Dass deshalb in der WG immer wieder darüber gesprochen wurde, ob und wie man sich dieses „Problems“ entledigen könne, gaben zwei der Angeklagten bereits zu. Von einem konkreten Plan habe dabei aber keine Rede sein können, nicht zuletzt weil man in den Wochen und auch kurz vor der Tat massiv unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gestanden habe. An viele Details aus den Gesprächen über das spätere Opfer konnten oder wollen sich die Angeklagten nicht erinnern.

Wie bereits berichtet, schweigt der Hauptangeklagte weiter zu den Vorwürfen. Auf dem Bett, auf dem das Opfer starb, fanden sich neben dessen Blut auch Blutspuren des mutmaßlichen Täters. Die beiden anderen Angeklagten geben weiterhin an, sie seien erst dazu gekommen, als der 22-Jährige bereits leblos auf dem Bett lag. Sie hätten lediglich ihrem Bruder und Freund helfen wollen, die Leiche zu beseitigen, indem sie diese zuerst versuchten in der Badewanne zu verbrennen und diese dann, als der Versuch misslang, in der Wertach ablegten.

Immer wieder zur Sprache gekommen war im Lauf des bisherigen Prozesses der Druck, unter den der 22-Jährige seine Mitbewohner und auch weitere Bekannte immer wieder gesetzt hatte, ihm wurde erpresserisches Verhalten und die Beteiligung an Delikten wie Einbrüchen oder Bedrohung vorgeworfen. Damit habe sich der Mann, wie bereits berichtet, in der Dealer-Szene einen „Ruf“ sichern wollen.

Auch zu Wort kam am Donnerstag ein Sprecher der Jugendhilfe. Er betonte, bei sämtlichen Angeklagten sei es in der Vergangenheit nicht zu Gewaltdelikten gekommen. Zwar habe es bei allen durchaus gewisse soziale Probleme in Kindheit und Jugend gegeben, allerdings sei keiner der jungen Männer mit Gewalt oder Brutalität aufgefallen.

Als „freundlich und ruhig“ wurden sie von Zeugen und der Jugendgerichtshilfe beschrieben, auch eine Exfreundin des Hauptangeklagten hatte dies bereits am Montag vergangener Woche bestätigt. Wie es dann dazu habe kommen können, dass schließlich ein Mensch auf brutale Weise durch 16 Messerstiche sterben musste? Eine Verteidigerin brachte am Donnerstag das Argument der „totalen Überforderung mit der Gesamtsituation und des exzessiven Drogenkonsums“ ins Spiel. Dafür spreche auch, dass die Angeklagten nach dem Tod des Opfers erst einmal Drogen konsumierten und sich einem Computerspiel widmeten, bevor sie die Leiche beseitigten.

Erneut erörtert wurde deshalb die Möglichkeit einer Therapie während der Haftzeit bei sämtlichen Angeklagten, sollte es zu einer Verurteilung kommen. Ein abschließendes Urteil wird am kommenden Donnerstag erwartet.

von Michaela Frisch

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