"Ein märchenhafter Landkreis"

Ob es wohl beim Abwägen von Argumenten dauerhaft zum Einsatz dieser von Lars Leveringhaus genutzten Waage kommen wird, darf bezweifelt werden.

Von „Grenzüberschreitungen“ und „Schwarzen Bären“ war die Rede bei den Jahresabschlussworten, die Landrat Johann Fleschhut und Lars Leveringhaus an die Mitglieder des Kreistages richteten. In diesem Jahr war es am Fraktionsvorsitzenden der CSU, diese Aufgabe, die jedes Jahr von einer anderen Fraktion im Kreistag wahrgenommen wird, zu übernehmen. Während Leveringhaus sich mit einer Parabel humorvoll dem anfänglichen Gezänk um das neue Gymnasium Buchloe annahm, stand bei Fleschhut – wie sollte es auch anders sein – der Klinikverbund im Vordergrund.

Buchstäblich „in die Waagschale“ konnte Leveringhaus die vielen Argumente werfen, die vor der Entscheidung „pro Gymnasium“ ins Feld geführt worden waren. So konnte lange Zeit keine Entscheidung im Landkreis der Märchenschlösser herbeigeführt werden, denn außer der Liebe zur Heimat, so Leveringhaus, habe es wenig gegeben, was die Waage entweder in die eine oder die andere Richtung hätte ausschlagen lassen. Erst durch die Initiative eines bisher in dieser Frage nicht in Erscheinung getretenen Kreistagsmitglieds, mit mutmaßlich enger politischer Bindung an den „Landesvater“, hatte dann die Waagschale im Sommer 2009 für das Gymnasium ausgeschlagen. Seit diesem Zeitpunkt lebe das „Landkreis-Märchenschloss“, zumindest bezogen auf das Projekt Gymnasium, glücklich bis ans Ende seiner Tage. Dass Leveringhaus mit seiner märchenhaften Einschätzung nicht so ganz falsch liegt, war auch in diesem Jahr wieder an der Harmonie bei der Verabschiedung des Haushalts abzulesen. Die nicht ganz ernst gemeinte „Moral von der Geschicht, ohne schwarze Bären geht es nicht“ wurde deshalb ausnahmsweise ohne Widerspruch im Kreistag hingenommen. Die Frage, ob im Jahr 2011 über etwas anderes als Krankenhäuser geredet wurde, musste Landrat Johann Fleschhut mit „gefühlt nein“ beantworten. Lasse man die Emotionen um dieses Thema beiseite, so habe sich neben dem Buchloer Gymnasium gerade im Bildungsbereich viel getan. Hier führte Fleschhut die Sanierung der Realschulen in Buchloe und Marktoberdorf, sowie das bayernweit vorbildliche Bildungsportal an. Er warnte davor, im Tiefbaubereich in Rückstand zu geraten und mahnte dabei als dringende Aufgaben die B12-Auffahrt Geisenhofen und die Ortsdurchfahrten Pforzen und Ruderatshofen an. Deutliche Worte fand Fleschut an die Adresse derjenigen, die das Forum um das Kommunalunternehmen (KU) Kliniken Ostallgäu Kaufbeuren zu schwerwiegenden verbalen „Grenzüberschreitungen“ (Postkartenaktion, Drohanrufe) genutzt hatten. „Demokratie praktizieren heißt nicht, Forderungen nach Informationen zu stellen, diese aber gleichzeitig zu missachten“, erklärte Fleschhut und äußerte gleichzeitig sein Bedauern über die „mangelnde Solidarität“ innerhalb der eigenen Reihen. Mit den geheimen Abstimmungen habe man sich voreinander versteckt, Wortbrüche müssten der Vergangenheit angehören. Der Landkreis müsse wieder mit einer Stimme sprechen, sonst zerbreche die Geschäftsgrundlage im KU. Das Abstimmungsergebnis für das Ratsbegehren (wir berichteten) zeigt, dass sein dringender Appell „Wir brauchen die schnelle und konsequente Konzeptumsetzung“ im Kreistag wohl auch in Zukunft nicht ungehört bleiben wird.

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