Ein Denkmal für Kaufbeurer Frauen

Das Autorenteam vom Frauengeschichtskreis bei der Buchvorstellung (v. l.): Karin Klinger, Ute Jonas, Helga Ilgenfritz, Dr. Gertrud Zasche und Christa Berge. Foto: Becker

Der „Frauengeschichtskreis Kaufbeuren“ hat das erste „Kaufbeurer Frauenlexikon“ vorgestellt. In der von Frauen dominierten Veranstaltung im alten Sitzungssaals des Rathauses hatten sich das fünfköpfige Autorenteam das passende Datum ausgesucht: den 100. Internationalen Frauentag. In dem Buch sollen allen Kaufbeurer Frauen, die sich ehrenamtlich und in besonderer Weise engagieren, ein Denkmal gesetzt werden. Das rund 200 Seiten umfassende Buch stellt nach Aussage von Dr. Stefan Fischer vom Kulturamt der Stadt eine Bereicherung der Kaufbeurer Literaturgeschichte dar.

Karin Klinger als eine der Autorinnen war überrascht und erfreut über das große Interesse aus der Bevölkerung und wertete dies als Anerkennung der Arbeit. Dr. Fischer im Auftrag des Oberbürgermeisters stellte fest: „Frauen bestimmen wesentlich stärker unseren Alltag, als wir uns das gemeinhin vorstellen können oder auch wollen!“ Die männlich geprägte Geschichtsforschung müsse dies oft staunend zur Kenntnis nehmen. Das Buch zeige, dass auch in Kaufbeuren das Leben stark von Frauen geprägt worden sei. Christa Berge berichtete über „wie vom Blitz getroffenen neuen Erkenntnissen“ im Rahmen der Recherchen. Aufgrund der Suche nach der ganz großen Kaufbeurer Frau skizzierte Berge die Schöpfungsgeschichte in einer für die Besucher bisher unbekannten Variante. In humoriger Art und Weise identifizierte sie den Jordanpark als Garten Eden. Und Eva sei eine Kaufbeurerin gewesen. Im Gespräch habe Gott mit Eva die Vereinbarung getroffen, Adam und alle weiteren Männer in dem Glauben zu lassen, sie wären als Erste erschaffen worden. Als Bedingung für die Erschaffung des Mannes müsse dies aber ein Geheimnis bleiben, quasi „von Frau zu Frau“. Helga Ilgenfritz erläuterte den Beginn des Buches und die Umsetzung mit der Gründung des Frauengeschichtskreises. Die Idee war durch eine 2006 erschienene Neuauflage des „Augsburger Frauenlexikon“ entstanden. Nachdem 2009 die Arbeit begonnen hatte, gründeten Christa Berge, Helga Ilgenfritz, Ute Jonas, Karin Klinger und Dr. Gertrud Zasche unter dem Dach des Freundeskreis Sophie La Roche den „Frauengeschichtskreis Kaufbeuren“. Mit Unterstützung von Sponsoren und der Stadt Kaufbeuren sowie sozialer und kirchlicher Institutionen wurde das Projekt dann gestemmt. Dr. Gertrud Zasche bedankte sich bei den Beteiligten mit der Überreichung eines Buchexemplars. Ute Jonas stellte den Antrag, in neuen Baugebieten die Straßen nach wichtigen Kaufbeurer Frauen zu benennen und übergab Dr. Fischer eine entsprechende Liste mit Vorschlägen. Fülle von Informationen Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert. Es umfasst im ersten Teil 65 Biografien von Kaufbeurer Frauen. Dabei reicht die Bandbreite von der sagenumwobenen Gestalt der Anna vom Hof als Begründerin der Stadt Kaufbeuren bis zur im Februar 1945 im Gefängnis ermordeten Veronika Zettler. Bekannte Persönlichkeiten wie die Heilige Crescentia und Sophie La Roche fehlen natürlich nicht. Aber mit Olympia Fulvia Morata ist auch eine weniger bekannte Frau aufgeführt, die Kaufbeurens heutiger Partnerstadt Ferrara entstammt. Im zweiten und dritten Abschnitt wird die Stellung von Frauen in Geschichte und Gesellschaft beschrieben. Passend zum Faschingsausklang überraschte die Mini-Garde des SVO Germaringen am Ende mit einer musikalischen Tanzaufführung. Die 19köpfige Gruppe der fünf- bis zwölfjährigen Mädchen begeisterten die Besucher mit ihrem Tanz zu einem temperamentvollen Potpourri bekannter Melodien. Mit einfühlsamen und beschwingten Melodien aus dem Mittelalter bis heute umrahmte die Frauengruppe „Sorella“ musikalisch die Veranstaltung. Das 200 Seiten umfassende Buch mit dem Titel „Kaufbeurer Frauenlexikon“ ist im Holzheu Verlag erschienen und für 12,90 Euro in „Freitags Bücherinsel“ und „Sophies Bücherstube“ in Kaufbeuren und der Buchhandlung „Menzel“ in Neugablonz erhältlich.

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