Eine Partnerschaft entsteht

Zu einer „ganz besonderen Stadtratssitzung“ begrüßte Oberbürgermeister (OB) Stefan Bosse (CSU) die Stadt- rätInnen vergangene Woche. Denn wenn „wir heute die Städtepartnerschaft“ zwischen Gablonz an der Neiße und Kaufbeuren beschließen, „macht dies auch den Weg frei für die Aussöhnung“, so Bosse. Einstimmig votierte das Gremium für die Städtepartnerschaft. Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl entzog sich der Abstimmung jedoch durch einen Kunstgriff. Bereits im Mai dieses Jahres trat Peter Tulpa, Oberbürgermeister der Stadt Gablonz, an OB Bosse und die damalige Empfangsdelegation heran und schlug eine Städtepartnerschaft vor. Ein Vertragstext wurde ausgearbeitet.

In der jüngsten Stadtratssitzung stellte Landtagsabgeordneter und Kaufbeurer Stadtrat, Bernhard Pohl (Freie Wähler), den Antrag, dass dem ausgearbeiteten Vertragstext der Städtepartnerschaft unbedingt die Marienbader Erklärung beigefügt werden müsse. Diese Erklärung wurde zwischen Deutschland und Tschechien unterzeichnet und soll damit zur Versöhnung zwischen Sudetendeutschen und Tschechen beitragen. „Ihr Ziel ist es, dass sich beide Seiten auf Basis der Erinnerung an die Opfer beider Seiten und das ihnen zugefügte Leid der Untaten der Vergan- genheit vergeben und gemeinsam in die Zukunft schauen“, heißt es in einer Pressemitteilung von Pohl. Für diesen Antrag stimmten von 39 anwesenden Räten jedoch nur elf, die aus den Fraktionen der Freien Wähler, Bündnis 90/Die Grünen, der SPD sowie der Wählerinitiative Neugablonz stammten. Zu Wort meldete sich bei dem Thema auch Stadtrat Dr. Thomas Jahn (CSU), der in seiner Funktion als Vorsitzender des Gablonzer Heimatkreises sprach. Der Gablonzer Heimatkreis habe sich in den vergangenen Wochen mit den Vertretern der Erlebnisgeneration, den Ortsbetreuern, den Vorständen der Gablonzer Vereine, mit vielen BürgerInnen und mit Repräsentanten der sudetendeutschen Volksgruppe beraten. Der Heimatkreis sei danach zu einer einstimmigen Haltung gekommen, dass er „sich der schwierigen Besonderheit bewusst sei“, so Dr. Jahn, dennoch sei „70 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die Zeit reif für eine offizielle Verbindung“. In dieser Haltung würde der Heimatkreis auch von dem Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, unterstützt. In einem Schreiben von Posselt an Bosse heißt es, dass Posselt zuversichtlich sei, dass der Stadt und dem Heimatkreis „auf Grundlage des vorliegenden Partnerschaftsvertrages gelingen wird, einen von Verständigungswillen und dem Mut zur historischen Wahrheit bestimmten Dialog in die Wege zu leiten, der nichts ausklammert und nichts beschönigt, auch die heiklen Punkte der gemeinsamen Geschichte aufarbeitet und gleichzeitig Wege in eine bessere europäische Zukunft weist“. Des weiteren führt Posselt aus, dass vor allem die Isergebirgler sowie die Sudetendeutschen „aufgrund ihrer Heimatliebe“ einen bedeutenden Beitrag zur Verständigung leisten werden. „Aus den Gesprächen mit Frantisek Chlouba (Bürgermeister der Stadt Reichenau im Landkreis Gablonz) und Peter Tulpa kann ich ihnen ebenfalls versichern, dass beide Bürger- meister wegen ihrer deutschfreundlichen Haltung keinen leichten Stand in der Tschechischen Republik haben“, verdeutlichte Dr. Jahn. Und OB Bosse unterstrich die Aussage dadurch, indem er meinte, dass „eine einstimmige Unterstützung“ das richtige Signal sei. Einstimmig beschloss der Stadtrat die Zustimmung zur Städtepartnerschaft. Einstimmig jedoch nur durch einen Kunstgriff den Pohl machte. Er verließ kurz den Saal, um sich so der Abstimmung zu entziehen. Denn ohne die Marienbader Erklärung könne er nicht zustimmen, aber er habe aus Gründen der Signalwirkung auch nicht dagegen stimmen wollen. Zur Unterzeichnung des Vertrages wird es im September in Gablonz kommen.

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