In Buchloe startet ein Großversuch zur Elektromobilität

"Pendler müsste man sein"

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An dieses Bild werden sich die Buchloer gewöhnen. 14 moderne Elektroautos werden werktags an den Ladestationen am Bahnhof hängen. Es sind Pendler, hauptsächlich aus dem Ostallgäu, die an dem Feldversuch zur Elektromobilität teilnehmen.

Buchloe – Ein Freitag der 13. kann auch zum Glückstag werden. Für einige Bewohner des Ostallgäus war das so. Am Buchloer Bahnhof durften sie die Schlüssel für nagelneue Autos entgegen nehmen.

Im Beisein von Landrätin Maria Rita Zinnecker und Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger startete ein Feldversuch, der unter dem etwas sperrigen Namen „Umwelt- und netzoptimiertes Lademanagement an P&R Plätzen“ bekannt geworden war (wir berichteten). 

Konkret geht es darum, dass Pendler mit einem Elektroauto klimafreundlich zum nächsten P&R-Platz fahren, um dort auf die Bahn umzusteigen und so zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Dazu muss ein intelligentes Lademanagement ent- wickelt werden, das die Batterien von geparkten Elektroautos auflädt, wenn viel Strom aus den heimischen erneuerbaren Energien zur Verfügung steht. 

Das Forschungsprojekt „ePlanB“ ist nun in einer entscheidenden Phase. Die Ladeinfrastruktur mit insgesamt 16 Ladestationen am Buchloer Bahnhof ist betriebsbereit. Die ausgewählten 14 Pendler werden im nächsten halben Jahr statt mit ihrem privaten Pkw mit dem reinrassigen Elektrofahrzeugen nach Buchloe kommen, ihr Auto an die Ladestation anschließen und dann in den Zug steigen. 

Nach einem halben Jahr erfolgt der Wechsel, dann erhalten die nächsten 14 Probanden die Elektroautos der Marken BMW, VW, Renauld, Smart, Nissan oder Mitsubishi. Insgesamt sollen so 56 Pendler im Laufe der nächsten beiden Jahre an dem Versuch teilnehmen. Bei rund 600 täglichen Pendlern in Buchloe werden bei diesem zweijährigen Feldversuch knapp zehn Prozent aller Pendler einbezogen. 

In der ersten Phase des Feldtests werden die Elektrofahrzeuge „ungesteuert“ geladen, was soviel bedeutet, dass die Batterien sofort geladen werden, sobald der Stecker eingesteckt ist. Nach Auswertung der Daten ist dann vorgesehen, dass in der 2. Phase „gesteuert“ geladen wird. Hierzu müssen die Pendler vorgesehene Parkdauer und den aktuellen Batterieladezustand entweder direkt vor Ort an der Ladesäule oder über eine Webseite eingeben. Den Zeitpunkt des Ladens der Batterien entscheidet dann der Computer. Geladen wird beispiels- weise erst dann, wenn keine Spitzen im Netz sind und genügend heimische regenerative Energie zu Verfügung steht. 

In einem Auswahlverfahren, in dem unter anderem das Mobilitätsverhalten mit Hilfe eines GPS-Loggers untersucht wurde, waren Pendelhäufigkeit und Pendeldistanz Kriterien für die Teilnahme an dem Feldversuch. Einer der Pendler wohnt beispielsweise in Memmingen, ein anderer in Sontheim. Aus dem Landkreis Ostallgäu nehmen fünf Pendler am Versuch teil, zwei kommen aus Bad Wörishofen. Auch nördlich von Buchloe sind einige Probanden mit dabei. 

Landrätin Maria Rita Zinnecker erinnert sich daran, dass sie selbst einmal zu den Pendlern in Buchloe gehörte. Sie findet das Projekt toll. Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger ist ebenfalls begeistert, dass seine Stadt an diesem Projekt teilnehmen kann, auch wenn keine Buchloer Bürger an dem Versuch teilnehmen können, da sie wegen der kurzen Anfahrt nicht als „typische Pendler“ gelten können. 

1,3 Millionen Euro werden in das Forschungsvorhaben fließen. Davon tragen die Lechwerke rund 650.000 Euro. Der Freistaat Bayern fördert das Vorhaben mit knapp 600.000 Euro. Der Landkreis Ostallgäu und die Stadt Buchloe sind mit jeweils 360.00 Euro dabei.

von Siegfried Spörer

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