Energiewende in der Region

Politik informiert sich: Hermann Specht (rotes Hemd) erklärt die Abläufe der Biogas-Großanlage. Im Bild: Winfried Nusser (v. re.), Stefan Bosse, MdL Angelika Schorer, Franz Pschierer, Anton Schmid, Bernhard Pohl und Franz Endhardt. Stephan Stracke ist verdeckt.

Die Energiewende mit ihren Auswirkungen hat mittlerweile auch in unserer Region für viel Diskussionsstoff gesorgt. Neben Wind- und Wasserkraft sowie Fotovoltaik ist die Energieerzeugung mit Biogas insbesondere im ländlichen Raum eine echte Alternative. Die Finanzierung von Biogasanlagen gehört seit vielen Jahren zum Engagement der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren. Einen Betrieb in Großried stellte sie nun politischen Vertretern vor.

Zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Biogaserzeugung“ hatte die Kreis- und Stadtsparkasse mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Winfried Nusser und seinem Stellvertreter Franz Endhardt Mandatsträger aus der Region eingeladen, um Vor- und Nachteile zu diskutieren und Fragen zu klären. „Wir sind traditionell im Bereich der erneuerbaren Energien tätig“, so Nusser. Man habe in den letzten acht Jahren insgesamt rund 200 Millionen Euro im gewerblichen und privaten Bereich von Biogas- und Fotovoltaikanlagen investiert. In der Region seien 25 Biogasanlagen mit einer Leistung von zehn Megawatt finanziert und konzeptionell begleitet worden. Das entspreche der Versorgung von 25.000 Haushalten, so der Sparkassenchef. Die seit 2005 in Betriebsgemeinschaft von Hermann Specht und Anton Rudolf Schmid betriebene Anlage erzeugt mit zwei Blockheizkraftwerken 500 kW Strom und 650 kW Fernwärme. Drei Voll- und drei Teilzeitkräfte sorgen für den Betrieb der Anlage mit einem Tagesbedarf von 25 Tonnen Mais, Getreide und Gras. Die Biomasse komme, so Specht und Schmid aus der direkten Umgebung der umliegenden Felder. Hier liegt für beide Betreiber auch einer der klaren Vorteile: Die sogenannte Wertschöpfung, das heißt, Erzeugung und Verbleib von Energie finden in der Region statt. Weitere Vorteile sind die bedarfsgerechte Bereitstellung und Speicherung von Energie sowie die CO2-neutrale Produktion (siehe Infokasten). Auch Staatssekretär Franz Pschierer (CSU) sieht in der „grundlastkonformen Erzeugung“ zwar Vorteile, aber durch die Konkurrenz zu Landwirten bei zehn Prozent benötigter landwirtschaftlicher Nutzfläche auch Nachteile. Dies führt nach Darstellung von Markus Ostenried als Fachmann der Sparkasse zu gestiegenen Pachtpreisen, die allerdings zusätzlich durch die Entwicklung in der Milchwirtschaft zu größeren Betrieben verursacht würden. MdL Bernhard Pohl (FW) spricht sich klar für die Energiewende aus und möchte die erwähnte Wertschöpfung in der Verfassung verankert sehen, um eigene Ressourcen vorrangig zu nutzen und Stromimporte zu verhindern oder gar Überproduktionen zu riskieren. Für MdB Stephan Stracke (CSU) ist entscheidend, dass sowohl die Betreiber als auch die Sparkasse als Investor keine Notwendigkeit für weitere Biogasanlagen in der Region sehen. Die Kleinräumigkeit der Strukturen verhindert nach Strackes Einschätzung einen weiteren Zuwachs. „Die Optimierung bestehender Anlagen muss zukünftig im Vordergrund stehen“, so der Mandatsträger. Funktionsweise einer Biogasanlage Biogas entsteht beispielsweise bei der Vergärung von Gülle oder Mist und nachwachsende Rohstoffe, wie beispielsweise Mais, Gras, Getreide oder Zuckerrüben. Das in Fermenter und Nachgärer produzierte Biogas wird entweder als aufbereitetes Biomethan ins Erdgasnetz eingespeist oder in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Der angefallene Gärrest kann als wertvoller organischer Dünger auf den Feldern der Landwirte genutzt werden. Hiermit wird der Stoffkreislauf einer landwirtschaftlichen Biogasanlage geschlossen. Rein ökologisch betrachtet wird bei der Energieerzeugung nur die Kohlendioxidmenge freigesetzt, die durch die vergärten pflanzlichen Stoffe zuvor der Atmosphäre entzogen wurde. Anders ausgedrückt: Die Energieerzeugung erfolgt absolut CO₂-neutral.

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