Auf der Suche nach den Söhnen

Kinokritik: "Das Versprechen eines Lebens"

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Joshua Connor (Russell Crowe) auf der Suche nach der Wahrheit.

Russell Crowe begibt sich mit seiner ersten Regie-Arbeit und einem echten Epos auf die Spuren von Ridley Scott („Gladiator“). Traumatische Ereignisse und tiefe Schicksalsschläge vereinen die Menschen, die durch den Krieg entzweit wurden.

Niemals heilende Wunden bestimmen den Alltag, der nur mit Mühe bewätigt werden kann. Während einige für immer daran zerbrechen, kämpfen andere gegen ihre Trauer an, um im Leben zu bestehen. Der neuseeländisch-australische Schauspieler skizziert ein melancholisches Drama über einen Farmer, dessen Leben durch den Ersten Weltkrieg für immer zerrüttet wurde. 

Inhalt 

Im Jahr 1919 ist der Erste Weltkrieg vorüber und das Land erholt sich langsam von seinen Verlusten. Der australische Farmer Joshua Connor (Russell Crowe) lebt zusammen mit seiner Frau Eliza (Jacqueline McKenzie) im abgelegenen Outback. Die Ehe des Paares ist von dem mutmaßlichen Tod ihrer drei Söhne Art (Ryan Corr), Henry (Ben O'Toole) und Edward (James Fraser) überschattet. Seit der blutigen Schlacht von Gallipoli sind alle drei verschollen. 

Als Eliza das Leid nicht mehr ertragen kann und eine tragische Entscheidung trifft, steht Joshua vor den Trümmern seines Lebens. Er begibt sich auf die weite und beschwerliche Reise nach Istanbul, in die Türkei, um die Wahrheit über das Schicksal seiner drei Söhne zu erfahren und – wenn nötig – ihre Leichen nach Hause zu bringen. Sie sollen ihre letzte Ruhe in der Heimat finden. 

Die britischen Besatzungstruppen verweigern dem Australier den Zutritt zum Schlachtfeld von Gallipoli. Nur Hotelbesitzerin und Kriegswitwe Ayshe (Olga Kurylenko) nimmt sich dem verzweifelten Vater an und besorgt ihm die notwendige Unterstützung, damit er doch noch nach Gallipoli gelangt. 

Rezension 

Russell Crowe („A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“, „Noah“) hat für seine erste Regiearbeit eine auf wahren Erlebnissen basierende Geschichte voller Abenteuer, Romantik und große Gefühle gewählt, die er als ergreifendes Drama inszeniert. Das Drehbuch von Andrew Knight („Full Frontal”) und Andrew Anastasios („The Broken Shore”) bettet die emotionale Geschichte der Hauptfigur in die Kriegserlebnisse seiner Söhne ein, die dem Zuschauer rückblickend vor Augen geführt werden. 

Im Fokus stehen jedoch nicht die historischen Fakten oder die geschichtlichen Hintergründe, sondern stets das schmerzliche Schicksal des Farmers. Crowe selbst übernimmt die Rolle des Vaters, der auf der Suche nach seinen Söhnen über viele Jahre und mehrere Kontinente hinweg, das Versprechen seines Lebens erfüllen will. Der Film lebt von dem tragischen Schicksal der Hauptfigur, die durch schöne und erschreckende Bilder von Kameramann Andrew Lesnie („Herr der Ringe“) eingefangen wird. 

Die grandiosen Landschaftsaufnahmen Australiens werden den erschütternden Kriegsbildern gegenübergestellt. Der Zuschauer nimmt die Perspektive des Vaters ein, erlebt aber gleichzeitig auch den Krieg durch die Augen seiner Söhne mit. Im stetigen Wechsel vereinen sich die zwei Zeitebenen, die am Ende in der Gegenwart zueinander finden. 

Crowe zollt mit seinem Drama „Das Versprechen eines Lebens“ den Kriegsopfern filmischen Tribut. Er erzählt eine Geschichte, die, trotz ihrer Oberflächlichkeit, stellvertretend für abertausende Schicksale steht. Zutiefst menschlich und ohne große Dialoge werden der Schmerz und der Verlust thematisiert, der auch nach Jahren nicht zu heilen ist. 

Dem Ganzen entgegengesetzt ist die Beziehung zwischen den Menschen verschiedener Kontinente, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber durch das gleiche Schicksal vereint werden. Crowe versucht die Seiten beider Fraktionen zu betrachten, ohne für eine von ihnen Partei zu ergreifen, da beide letzten Endes als Verlierer gesehen werden können. Das Ergebnis ist durchaus gelungen, nicht zuletzt durch die Vereinigung der beiden gegensätzlichen Genres Drama und Abenteuer.

von Sandy Kolbuch


Fakten zum Film:

Originaltitel: The Water Diviner 

Land: USA, Australien, Türkei 

FSK: 12 

Regie: Russell Crowe 

Darsteller: Russell Crowe, Olga Kurylenko, Yilmaz Erdogan, Cem Yilmaz, Jai Courtney, Ryan Corr u.a.


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