"Wichtig für die Geschichte der Schule"

"Kein Ereignis zum Feiern"

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Die Erinnerungstafel an der Gustav-Leutelt-Schule unweit des Standplatzes der ehemaligen Plastik.

Kaufbeuren-Neugablonz – „Dies ist kein Ereignis zum Feiern, sondern weil wir etwas verloren haben.“ Mit diesen Worten begrüßte Bau- referent Helge Carl die Anwesenden am vergangenen Samstag an der Gustav-Leutelt-Schule in Neugablonz. Anlass war die Enthüllung einer Erinnerungstafel zur verlorenen Plastik „Das Geheimnis“.

Neben Eva Maria Simon und Ingrid Zasche als Initiatoren der Tafel waren Vertreter des Stadtrats mit Bürgermeister Ernst Holy an der Spitze und der Künstler sowie Bürger aus Neugablonz und Kaufbeuren vertreten. Baureferent Helge Carl bedauerte einleitend die entstandene Situation des Verlustes der Statue. Dabei ging er kurz auf die 2013 zerstörte und später entsorgte Plastik „Das Geheimnis“ vor der Gustav-Leutelt-Schule ein (wir berichteten mehrfach). 

Auf Anregung von Eva Maria Simon, der Tochter der einstigen Künstlerin und Erschafferin der Statue Hanne Wondrak, sowie mit Unterstützung von Ingrid Zasche sei die jetzige Erinnerungstafel entstanden. Durch einen längeren Prozess und der Anfertigung der Erinnerungs-Tafel durch einen ehemaligen Schüler der in Neugablonz ansässigen Berufsfachschule für Glas und Schmuck – den Graveur Daniel Gantz – sei nunmehr ein guter Kompromiss erreicht worden, so Carl. 

Dr. Thomas Jahn als Leiter des Gablonzer Heimatkreises bedankte sich für die Initiative und schilderte eigene Erinnerungen an die Plastik aus seiner Kindheit. „Es ist ein großer Verlust, weil es der Künstlerin wie kaum jemand anderem gelungen ist, die besonderen Schicksale und heiteren Seiten der Neugablonzer in Kunstwerken einzufangen“, so Jahn. Dabei verwies er auch auf das Denkmal der Vertriebenen von Hanne Wondrak und die auf den Tag vor 70 Jahren begonnene Vertreibung. 

Bürgermeister Ernst Holy erinnerte in einem Grußwort an die Leistungen der ehemaligen Gablonzer Bürger nach dem Krieg in Neugablonz: „Sie haben nicht verzagt, sondern zusammen angepackt und mit dem Wiederaufbau etwas geleistet.“ Die Plastik sei nur ein Beispiel dafür. 

Im Namen des Ortsbildungsausschusses Neugablonz begrüßte Eva Maria Simon die rund 40 erschienenen Bürger und freute sich über deren Interesse. Sie erinnerte an den schrecklichen Leidensweg der Vertriebenen, die Ankunft in Kaufbeuren und deren Kreativität und Ehrgeiz beim Neubeginn. Die Künstlerin habe die Skulptur „Das Geheimnis“ in den 1960er Jahren der Schule gestiftet. Leider sei nun „ein Stück liebenswerter Neugablonzer Geschichte verloren gegangen“. 

MdL Bernhard Pohl (FW) bezeichnete Neugablonz als das Symbol dafür, was die Heimatvertriebenen nach dem Krieg in Bayern geleistet haben. Die Sudetendeutschen stünden aber nicht nur für ihre Wirtschaftskraft, sondern auch für „eine hohe Kunst und Kultur“. „Hanne Wondrak ist eine derjenigen, die in Gablonz, aber auch in Neugablonz Herausragendes geleistet hat“, so Pohl, „es reicht aber nicht, bedeutende Persönlichkeiten in Kaufbeuren zu haben, man muss sie auch zeigen.“ 

Pohl entschuldigte Bernd Posselt als den Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, der es bedauerte, nicht anwesend sein zu können und Grüße ausrichten ließ. Pohl bedankte sich abschließend bei Ingrid Zasche für ihr Engagement, mit dem sie ein alters- und schulübergreifendes Projekt zur Erfassung aller Bildwerke in Kaufbeuren und Neugablonz angestoßen habe. 

In einem Gespräch mit dem Kreisboten zeigte sich auch der anwesende Schulleiter der Gustav-Leutelt-Schule, Günter Blasini, erfreut über die ange- brachte Erinnerungstafel. „Ich halte das sehr wichtig für die Geschichte der Schule“, so der Schulleiter, „sie ist untrennbar mit der Entwicklung von Neugablonz verbunden.“ Deren Spuren seien auch im Inneren des Gebäudes überall sichtbar. 

Es sei wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen wüssten, was einmal war. Gerade der hohe Anteil seiner Schüler mit Migrationshintergrund sei häufig schicksalhaft betroffen und daher sehr sensibel.

von Wolfgang Becker

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