Themenrundweg soll Interessen von Gästen und Landwirten unter einen Hut bringen

Mit der Moorallianz rund um den Elbsee

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David Schäling von der Allgäuer Moorallianz (v. li.), Landrätin Maria Rita Zinnecker, der Ruderatshofener Bürgermeister Johann Stich sowie seine Aitranger und Unterthingauer Amtskollegen Jürgen Schweikart und Bernhard Dolp eröffneten am Freitag vergangener Woche mit weiteren Beteiligten die Moorerlebniswelt Elbsee.

Landkreis – Der Elbsee und seine Umgebung sind schon immer ein beliebtes Ausflugsziel im Ostallgäu abseits der großen Touristenrouten. Mit dem „Moorerlebnis Elbsee“ hat der Landkreis zusammen mit der Allgäuer Moorallianz einen Themenrundweg eröffnet, der nicht nur Naturerlebnis, sondern auch Infos rund um Geologie, Pflanzen- und Tierwelt bietet.

Bei der offiziellen Eröffnung am Freitag vergangener Woche begaben sich Landrätin Maria Rita Zinnecker, die Projektverantwortlichen der Moorallianz und die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden Aitrang, Ruderatshofen und Unter­thingau gleich selbst auf Entdeckungstour – und erfuhren so manches über Streuwiese, Biber, Libelle und Co. 

Im Allgäu befindet sich eine der wertvollsten Moorlandschaften Mitteleuropas. „Nirgendwo im gesamten Alpenraum ist der Übergang zwischen den Mooren im Alpenvorland und in den höheren Lagen der Alpen so gut erhalten wie hier“, heißt es von Seiten der Moorallianz. Eine Heimat finden hier auch seltene Pflanzen- und Tierarten wie Schwertlilie oder sibirische Rohrammer.

 Die biologische Vielfalt der Moorlandschaften gerade auch unter den sich ändernden Klimabedingungen zu sichern, das hat sich die Moorallianz zum Ziel gesetzt. Seit 2012 befindet sich das Projekt in der Umsetzung – und wird im Förderzeitraum bis 2020 mit rund 7,3 Millionen Euro aus Bundesmitteln gefördert. 

Bei der Moorerlebniswelt am Elbsee wurde in einer ersten Projektphase 2011 bereits der Elbseesteg gebaut, aktuell betrugen die Gesamtkosten für die zweite und letzte Umsetzungsphase rund 84.000 Euro, rund 70 Prozent davon Fördergelder. Unterstützt haben finanziell außerdem die Gemeinden selbst und Sponsoren wie die LEW, die aus ihren Fördertöpfen für regionale Naturschutzprojekte 28.000 beisteuerte, sowie regionale Banken. 

Verschiedene Interessen unter einen Hut bringen

Auf 7,2 Kilometern führt der Elbseerundweg vorbei an Streuwiesen, Waldstücken, Schilf und Wasser und bietet dabei außer den beiden Gasthäusern Seealpe und Elbsee-Restaurant mit jeweiligem Spielplatz acht Erlebnis- und Infostationen, darunter eine „Weitsprunganlage“ und eine kleine Kinovorführung. Los geht es am Pavillon, wenige Gehminuten vom Wanderparkplatz entfernt, in Richtung Süden durch ein Wäldchen zur Seealpe, von dort über einen Holzbohlensteg quer durchs Schilf entlang einer Biberburg und des Sees. Nach einer kleinen Steigung und einem Aussichtspunkt führt der Pfad um Bad und Campingplatz herum zurück zum Pavillon. Er selbst habe am Elbsee noch keinen „Lieblingsplatz“, betonte augenzwinkernd Dr. Ulrich Wieland, Projektleiter der Moorallianz – das werde aber im Laufe dieses Sommers „sicher noch kommen“. 

Für viele Einheimische und auch immer mehr Touristen sei der Elbsee allerdings schon lange eines der Ausflugsziele Nummer 1 – nicht immer zur Freude der Landwirte, viele Nutzflächen liegen direkt an den traditionellen Spazierwegen. 

So auch die Erfahrung der anwesenden Bürgermeister. Johann Stich, Bürgermeister von Ruderatshofen, erklärte deshalb nicht zuletzt hinsichtlich der Anfangsbedenken mancher Landwirte zum erhöhten Besucheraufkommen: „Spaziergänger und Sportler sind hier schon immer zu finden. Gerade für Gäste, die sich hier nicht auskennen, macht ein ausgeschilderter und somit ,geführter‘ Weg deshalb Sinn. Auch für die Landwirte, denn dann laufen die Besucher nicht einfach querfeldein und werden außerdem im Vorfeld durch gute Information für die umgebende Natur sensibilisiert“, so Stich. Wichtig sei natürlich – wie immer, wenn man in der Natur unterwegs sei – gegenseitige Rücksichtnahme. 

Zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen zu vermitteln und das Erlebnis der Elbsee-Region für Besucher mit den Interessen der Landwirtschaft zu verbinden – das sei eben auch eines der vorrangigen Ziele der Moorallianz, so Dr. Wieland: „Wir brauchen beides – Bewirtschaftung der wertvollen Flächen und die Gäste“. Das berge natürlich immer ein gewisses Konfliktpotenzial – zumindest im Gemeindegebiet von Stich habe es aber zumindest bislang noch „keine konkreten Klagen“ gegeben, was das Verhalten der naturliebenden Besucher angehe. 

Für die besonders naturnahe Bewirtschaftung der umliegenden Wiesen können Landwirte außerdem zusätzliche Gelder beantragen. Die naturschonende Bewirtschaftung von Feuchtflächen kann laut Moorallianz auf freiwilliger Basis über ein Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) oder einen sogenannten Erschwernisausgleich (EA) honoriert werden. 

Weitere "Moorwelten" im Allgäu 

Außer dem Moorerlebnis Elbsee gibt es im Allgäu noch fünf weitere Moorerlebniswelten: die „Naturvielfalt“ in Seeg, den Moorpfad in Pfronten, die „Mosaikreiche“ in Oy-Mittelberg und Durach sowie das Tuffenmoos bei Missen-Wilhams. Mehr zur Moor­allianz, deren vielfältige Aufgaben und die Hintergründe des Projekts finden Interessierte unter www.moorallianz.de.

von Michaela Frisch

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