Lange verkehrsplanerische Vorarbeit ist beendet: 900 Meter lange Trasse freigegeben

Freie Fahrt auf dem "Reifträgerweg"

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Die Gegner artikulierten bei der Eröffnung des Reifträgerweges nochmals ihren Unmut über das aus ihrer Sicht unnötige Projekt.

Kaufbeuren – Eine Jahrzehnte währende Planung und Diskussionen über die Umsetzung eines der großen Kaufbeurer Verkehrsprojekte ist beendet: Am vergangenen Wochenende übergaben die Verwaltungsspitzen von Kaufbeuren und Germaringen gemeinsam die 900 Meter lange neue Trasse des Reifträgerweges ihrer Bestimmung.

Die nun eröffnete Trasse am Reifträgerweg in Neugablonz hat eine verkehrsplanerisch lange Vorgeschichte: Bereits 1963 hatte sie nach Informationen von Stadtplaner Manfred Pfefferle Einzug in den damaligen Generalverkehrsplan gehalten. Mehrere Überlegungen und Gutachten haben letztendlich schon frühzeitig zu der heute nun umgesetzten Lösung geführt. Doch der Weg war nicht immer geradlinig und hatte zwischenzeitlich bei anderen Ergebnissen für die Umsetzung des Projektes mit Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro Zwischenhalte eingelegt. Wobei es mit der Nachbargemeinde Germaringen auch durch abgeschlossene Zweckvereinbarungen immer Konsens in dieser Angelegenheit gab. 

„Es ist nicht selbstverständlich, dass wir so weit gekommen sind“, sagte OB Stefan Bosse nach der offiziellen Eröffnung der Trasse bei einer Anschlussveranstaltung vor Gästen. Dass auch diejenigen bei der Eröffnung mit dabei gewesen seien, die nicht mit dem Projekt einverstanden sind, fände er richtig und wichtig. Man habe um die Umsetzung gekämpft und über Jahre eine harte Auseinandersetzung geführt, aber immer mit den vorhandenen rechtsstaatlichen Mitteln. Es sei völlig normal, dass vieles hinterfragt worden sei. Doch man dürfe sich auch nicht entmutigen lassen. „Aus unserer Sicht ist die Straße für die Gemeinschaft wichtig und führt zu einer Entlastung“, so die Stadtspitze. 

In einem kurzen Rückblick hob Bosse die wichtigsten Eckpunkte in der Entwicklung des Reifträgerweges hervor (siehe Infokasten). Der nicht machbare Er- werb eines wichtigen Grundstückes sei dem tiefen Misstrauen des Eigentümers geschuldet gewesen. Er selbst sei nach seiner Wahl 2004 sehr oft persönlich bei dem Besitzer gewesen. „Und jedes Mal musste ich entweder beten oder Kuchen essen“, sagte der OB schmunzelnd: „Und schauen Sie mich an: Der Reifträgerweg hat Spuren hinterlassen.“ 

Im Gespräch mit dem Kreisboten wusste der jetzige Stadtplaner Manfred Pfefferle zu berichten, dass ihn das Projekt seit seinem Start Mitte der 1980er Jahre im Kaufbeurer Rathaus begleitet hat. „Bis 1999 gab es kein Problem mit der Planung“, so Pfefferle. Doch ab dann sei Widerstand in Kaufbeuren und Germaringen aufgekommen und habe sich zunehmend verstärkt. Bürgermeister Bichele aus Germaringen sah dies ähnlich. Er sei seit 1990 schon mit dem Projekt im Gemeinderat befasst und es habe immer große Übereinstimmung mit der Stadt gegeben – erst am Ende gab es Gegner. „In erster Linie ist die Straße ein Vorteil für die Stadt, aber auch ein Vorteil für das Gewerbegebiet der Gemeinde“, so der zweite Bürgermeister. Im Übrigen sei in dem oft zitierten „Naherholungsgebiet“ an einigen Stellen Müll gelegen. Kaufbeurens Bürgermeister Gerhard Bucher zeigte sich „sehr zufrieden“ und ist froh, dass „die Umgehungsstraße endlich gekommen ist“. „Hätte man Neugablonz planen können, hätte man die Straßen von Anfang an geordnet und für eine gleichmäßige Belastung sorgen können“, so seine Einschätzung. Baureferent Helge Carl freut sich für die Stadt: „Ich habe lediglich ein Erbe übernommen, an dem vorab gewaltige Arbeit geleistet worden ist.“ 

Doch auch die Gegner zeigten sich bei der Eröffnung ein vermutlich letztes Mal. Mit Transparenten wie „Straße gebaut, Schutzwald versaut“ oder „Bäume weg, Rotmilan weg“ zogen sie die Aufmerksamkeit auf sich. Eine Bürgerin machte lauthals mit den Worten „Hier wurde ein Naherholungsgebiet zerstört, ich könnte heulen“ ihrem Ärger Luft. Der OB zeigte einerseits Verständnis für die Gegner des Projektes, hob aber hervor, dass durch die Straße jetzt auch sichere Fuß- und Radwege in das Gebiet führten. „Man hat der Natur zwar einen gewissen Bereich entzogen, aber das die Naherholung der Menschen geschwächt wurde, kann ich nicht erkennen“, so der OB in Bezug auf das Gelände. von Wolfgang Becker

Chronologie eines umstrittenen Projekts

1962 Verkehrsanalyse für Verkehrsplanung mit Prognosen auf zu erwartende Verkehrsprobleme durch rasantes Wachstum in Neugablonz – Vorschlag für eine östliche Verbindungsstraße entspricht heutiger Trassenführung (Ing.-Büro Meinel, Augsburg). 

1963 Aufnahme im Generalverkehrsplan 

1988 Verbindung Dessestraße – Gablonzer Ring 

1993 Erste Zweckvereinbarung Kaufbeuren – Germaringen 

1994 Planung durch Ing.-Büro Mooser – Problem: Privatgrundstück mitten in der Trasse auf Germaringer Flur 

2000 Beginn Enteignungsverfahren 

2002 Landratsamt Ostallgäu erlässt Enteignungsbeschluss 2003 Landgericht Augsburg hebt Enteignungsbeschluss auf 

2007 Oststreifen des Grundstücks konnte erworben werden, andere Grundstücke und neue Trassenplanung erforderlich („Bucher-Trasse“ nach Idee von Gerhard Bucher). 

2008 Neue Zweckvereinbarung Kaufbeuren/Germaringen 

2011 Aus privater Situation des Grundstückseigentümers heraus nun Möglichkeit zum Kauf des gesamten Grundstückes mit Umsetzung der ursprünglichen Planung 

22. November 2013 Eröffnung der 900 Meter langen Trasse

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