Kritische Töne waren durchaus erlaubt

Klartext gesprochen

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Beim Jugendforum ergaben sich in lockerer Atmosphäre nicht alltägliche Gesprächssituationen.

Neugablonz – „Leider gibt es in der Stadt so viele kaputte Häuser, da gehe ich nicht gerne dran vorbei“, so die Meinung der zehnjährigen Elena anlässlich des 1. Kaufbeurer Jugendforums im Neugablonzer Jugendzentrum „Fun Factory”.

Kritische Töne waren also durchaus erlaubt, und es kam zu einem regen Austausch auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten. „Eine super Veranstaltung“, resümierte Alfred Riermeier vom Jugend- und Familienreferat der Stadt Kaufbeuren nach dem Jugendforum. 

Thomas Heppener, der als Referatsleiter für „Demokratie und Vielfalt“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus Berlin gekommen war, zeigte sich ebenfalls restlos begeistert und auch der hiesige CSU-Bundestags-Abgeordnete Stephan Stracke lobte: „Es ist schön, wenn junge Menschen mit wachen Augen durch ihre Stadt gehen und Leute jeden Alters mit- einander ins Gespräch kommen. Das ist gelebte Demokratie“. 

Einmal jährlich soll ein solches Jugendforum künftig stattfinden. Neben Beate Schütz als Ansprechpartnerin vom Stadtjugendring sind vor allen Dingen Jugendliche der „Schülerorganisation Kaufbeuren“ (SchOK) in dieses Projekt eingebunden, dessen Koordinatorin Theresa Eberle als Büroleiterin der städtischen Abteilung „Kaufbeuren aktiv“ ist. 

Zur Begrüßung hatten sich die Organisatoren einen Gag einfallen lassen. OB Stefan Bosse, Jakob Obermaier und Sebastian Zajicek begrüßten die zahlreichen Gäste „dreisprachig“. Dabei ging es im Slang recht „cool“ zu, so dass eine „Übersetzung“ angebracht erschien. Mit Feuereifer waren dann die Jugendlichen beim „Bingo – mal anders“ bei der Sache. 

Die anwesenden Erwachsenen hatte man vor Beginn namentlich erfasst und mittels Namenslisten an jugendliche Dreierteams übergeben, die diese dann interviewten. Nach drei Minuten wurde jeweils getauscht. Am Schluss konnten dann die Erwachsenen den Jugendlichen ihre Fragen stellen. 

Dieses Rollenspiel machte offensichtlich beiden Seiten sichtlich Spaß und sorgte für eine rege Diskussion. Bei der anschließenden Präsentation der gesammelten Ergebnisse kam eine ganze Menge an Vorschlägen zum Vorschein. Oft wurde „die schöne Altstadt“ gelobt, es wurden aber „mehr Geschäfte und Boutiquen für junge Menschen“ vermisst. 

Ebenso wurde bemängelt, dass viele Geschäfte leer stehen, der Bahnhof alles andere als ein „Schmuckstück“ sei und auch die Aufenthaltsqualität des Busbahnhofs wurde kritisch angesprochen. Ein Jugendlicher kritisierte die abendliche Atmosphäre im Rosental. Als Wünsche wurden geäußert, das Schwimmbad solle restauriert werden und mehr öffentliche Sportplätze geschaffen werden. 

Im Stadtzentrum sollte nach Ansicht der jungen Leute „mehr los sein“ und für mehr abwechslungsreiche Unterhaltungsmöglichkeiten gesorgt werden. Das Rondell solle öfters für Freiluftveranstaltungen genutzt werden. Auch wäre ein großer Jugendtreff und ein Beachvolleyballplatz auf der Wunschliste der Jugendlichen. Also viele Anregungen und Hinweise, die für künftige Überlegungen Anlass geben.

von Klaus-Dieter Körber

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