Landwirt Jürgen Zettl hat die Initiative „Der faire Milchlieferant“ gegründet

Milchmarkt: "Opfer besser schützen"

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Landwirt Jürgen Zettl ist Gründer der Initiative „Der faire Milchlieferant“ .

Ostallgäu/Osterzell – Viele Verbraucher können nicht nachvollziehen, wie Landwirte trotz Mengenüberschusses und niedrigem Milchpreis auf „Teufel komm raus“ produzieren und ihre Quote überliefern. Jürgen Zettl, Landwirt aus dem Ortsteil Ödwang bei Osterzell im Ostallgäu, ist der gleichen Meinung und hat deshalb die Initiative „Der faire Milchlieferant“ gegründet.

Mit ihrer Initiative wollen die fairen Milchlieferanten vor allem auch ein Umdenken bei den Landwirten in Gang setzen. „Wir müssen zur Selbsthilfe greifen und die Milchmenge durch eine gebremste Produktion selber reduzieren. Dazu brauchen wir weder Politik noch Verbände“, sagt Bauer Zettl im Gespräch mit dem Kreisbote. 

Der Milchmarkt – national wie international – scheint aus den Fugen geraten. Seit gut einem Jahr – nach Wegfall der sogenannten Milchquote im Frühjahr 2015 – ist der Milchpreis auf Talfahrt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Was können die „Fairen Milchlieferanten“ in dieser Situation bewegen? 

Jürgen Zettl: Wir wollen unseren Standpunkt in der Milchmarktdiskussion darlegen, damit nicht wieder die Verursacher bevorzugt werden. 

Wer sind die Verursacher der aktuellen Milchkrise? 

Jürgen Zettl: Alle Milcherzeuger, die die Menge in letzter Zeit gesteigert haben und die Quote überliefert haben. 

Was sagen Sie dann zu dem Vorschlag des Bundes Deutscher Milchviehhalter BDM für eine neuerliche staatliche Quote? 

Jürgen Zettl: Guten Morgen, wenigstens gut geschlafen die letzten 32 Jahre? 

Der Vorschlag vom Bayerischen Bauernverband wird Ihnen dann auch nicht gefallen? 

Jürgen Zettl: Die Lösung dem Markt zu überlassen, ist wenigstens ein gangbarer Weg, aber er dauert zu lange.

Was haben die fairen Milchlieferanten dann für eine Lösung? 

Jürgen Zettl: Wir fordern eine sogenannte B-Quote in Zusammenarbeit mit den Molkereien. Die A-Quote ist laut Hauptzollamt genau definiert und bestätigt. Es ist die Menge die jeder Betrieb am 31. März 2015 staatlich zugesichert hatte. Alles ab dem ersten Kilo darüber wäre somit die B-Quote. 

Haben Sie sich mit den Molkereien schon in Verbindung gesetzt und nach deren Ansichten erkundigt? 

Jürgen Zettl: Ja, wir haben einige Molkereien angesprochen, aber die haben genauso wenig Interesse, wie die politische Seite. Solange die Molkereien mit der Übermenge noch Geld verdienen, wäre es natürlich falsch die Mengenbegrenzung zu forcieren. 

Wer soll dann helfen? 

Jürgen Zettl: Wir sind für jede Unterstützung dankbar. Wir können uns vorstellen auf diesem Wege Molkereien anzusprechen, die mit der Übermenge Probleme haben und diese nicht mehr gewinnbringend absetzen können. Ferner würden wir auch noch verstärkt mit Verbraucherverbänden und Umweltschutzverbänden zusammenarbeiten. Jede Hilfe ist uns willkommen. 

Wie kann der Verbraucher helfen? 

Jürgen Zettl: Er kann helfen, die Opfer besser zu schützen. Der Täterschutz muss in Zukunft in Frage gestellt werden. Auch sind ja schon viele Punkte bei den Verbrauchern in der Diskussion, die darauf abzielen die Milchmenge pro Kuh, pro Betrieb, pro Hektar zu steigern. Eine Steigerung, die kein Mensch braucht in der jetzigen Situation. Dieser Diskussion müssen wir uns stellen und zusammen Lösungen erarbeiten. 

Was verstehen Sie unter Täterschutz? 

Jürgen Zettl: Viele Überlieferer fordern in ihrem Interesse wieder Regelungen, die ihre Taten beschönigen, und die es erlauben, dass sie wieder sehr gut davonkommen. Zum Beispiel fordern sie die Superabgabe wieder dem Milchmarkt und für den Erzeugern zur Verfügung zu stellen. Damit würden die Straftäter ihre Strafe durch die Hintertür wieder zurückbekommen. Wenn jemand einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen hat, kann er ja auch nicht verlangen über die KFZ-Steuer wieder Vergünstigungen zu bekommen. 

Wie sieht die Umsetzung dann aus? 

Jürgen Zettl: Wir haben ein System erarbeitet, wo jeder der seine A-Quote nicht überliefert hat, einen Zuschlag bekommt. Für die B-Quote bekommt er den normalen Preis, den der Markt momentan hergibt. Dieser Zuschlag würde momentan etwas über acht Cent betragen und in unserem Beispiel würde es sich für eine Molkerei, die die Menge reduzieren will, sogar rechnen. Sollte sich die eine oder andere Molkerei melden, würden wir unsere Rechnung gern vorstellen. Sozusagen eine Win-Win-Situation. 

Viel Glück mit der Umsetzung. 

Jürgen Zettl: Danke. Wenn jemand einen besseren Vorschlag hat, bitte raus damit. Denn wenn wir jetzt nicht tätig werden, müssen entweder 70 Prozent der Lieferanten die Tore schließen oder möglichst schnell 70 Prozent der Menge vom Markt genommen werden. Die Spreu muss vom Weizen getrennt werden und das möglichst schnell. Jedem kann man es in der jetzigen Situation sowieso nicht recht machen, dann wenigsten denen, die sich an die Gesetze gehalten haben.

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