Sophie LaRoche – unvergessen

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Die wichtigsten Anliegen SLRs auf der Rückseite der Schilder ergeben ihren Namen; an der Wand zu sehen die Powerpoint-Präsentation, die jeden Programmpunkt untermalt hat.

Kaufbeuren – „Sie war die wunderbarste Frau und ich wüsste ihr keine andere zu vergleichen...“ zitierte Schulleiterin Cornelia Klocke-Lipinski keinen geringeren als Johann Wolfgang von Goethe. Zusammen mit Helga Ilgenfritz, der Vorsitzenden des Freundeskreises Sophie LaRoche (SLR), begrüßte sie kürzlich rund 650 geladene Jubiläumsgäste in der Turnhalle der Sophie-La-Roche-Realschule.

Gefeiert wurde nicht nur die Namensgebung der Schule vor zehn Jahren, sondern auch das zehnjährige Bestehen des Freundeskreises. Während sich die Realschule zum Ziel gesetzt hat, die damals revolutionären und heute noch anerkannten Erziehungsmaximen SLRs vor allem in der Bildung junger Mädchen umzusetzen, will der Freundeskreis das literarische Vermächtnis der ersten deutschen „Bestsellerautorin“ in Erinnerung halten.

Etwa 200 Schüler aus allen Jahrgängen gestalteten mit ihren Lehrern für das Doppeljubiläum ein buntes Programm zum Thema Sophie LaRoche und gaben gleichzeitig Einblick in das vielfältige Spektrum an Wahlfächern über den Pflichtunterricht hinaus: Die Blechbläser auf der Empore, das Streichorchester, die Percussiongruppe, die Rockband, „Bili“ (Bilingualer Erdkundeunterricht), die Taekwondo-Gruppe, der Chor und das Theaterensemble heimsten wohlverdienten Beifall ein. Besonders hervorzuheben ist hier die von Matthias Wilczek und Benjamin Hecht aus der 7. Klasse erstellte Powerpoint-Präsentation, die jeden Programmpunkt im Hintergrund untermalte.

Ehrengast Martin Sulzenbacher, Ministerialbeauftragter für die Realschulen in Schwaben, überreichte zum Jubiläum einen mit 400 Euro dotierten 1. Preis des Bayerischen Kultusministeriums für „besondere außerunterrichtliche Leistungen“. Außerdem wurde der Percussionklasse ein mit 500 Euro dotierter Sonderpreis zuerkannt.

Schirmherr Gerhard Schlichtherle, der Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Kaufbeuren/Ostallgäu und Lions-Quest-Beauftragte des Lions-Clubs Kaufbeuren, war begeistert vom Schulmotto: „Stark fürs Leben – Kompetent im Lernen – Respektvoll im Umgang miteinander“. Diesen hohen Anspruch erfülle die Schule voll und ganz. Hier würden nicht nur der Verstand, sondern auch Geist und Charakter gebildet und soziale Kompetenzen gestärkt.

Im Grußwort der Stadt hob OB Stefan Bosse, wie Schirmherr Schlichtherle auch ehemaliger Schüler der Kaufbeurer Realschule, hervor, dass SLR ihr Leben lang gerne an ihre Geburtsstadt gedacht und steten Kontakt gehalten habe und somit durchaus als „große Tocher der Stadt“ anzusehen sei. Festredner Dr. Egon Freitag, ehemaliger Wieland-Referent des Goethe-Nationalmuseums der Klassik-Stiftung Weimar, bot einen kurzweiligen Abriss über Leben und Wirken Sophie LaRoches.

Schon mit zwei Jahren lernte die kleine Sophie in der Bibliothek ihres Vaters lesen. Sie erhielt eine umfassende Bildung: Französisch, Englisch Zeichnen, Klavier und Tanz. Ihr erster Verlobter Giovanni Ludovico Bianconi wollte gar eine zweite Laura Bassi (1733 die erste Universitätsprofessorin Europas) aus ihr machen. Ganz ist es ihm nicht gelungen. Aber sie hat durch ihn Zugang zu Kunstgeschichte, Italienisch und Archäologie gefunden. Ihre Reisebeschreibungen aus ganz Europa sind heute noch eine lesenswerte Lektüre. Der Erziehungsroman „Fräulein von Sternheim“ erfuhr bereits im Jahr der Veröffentlichung eine dritte Auflage und von der Zeitschrift „Pomona“ wurden von der Zarin Katharina der Großen 500 Stück für ihren gesamten Hof abonniert. SLR korrespondierte mit den führenden Köpfen ihrer Zeit.

Nach dem Tode ihres Mannes 1788 konnte sie ein unabhängiges Leben führen und vom Schreiben leben. Sie verkörperte einen neuen Frauentyp. Ihr Aufruf „verträumt nicht euer Leben – lebt eure Träume“ hat zeitlose Gültigkeit.

von Ingrid Zasche

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