Auftaktveranstaltung zum 13. Festival der Vielfalt im Sparkassenforum

Bereicherung durch Vielfalt

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Comedian Simon Pearce mit seinem Programm „Mein Leben als Schwarzer in Bayern“.

Kaufbeuren – Pizza, Paella, Frühlingsrolle, russische Folklore oder amerikanischer Squaredance bereichern inzwischen wie selbstverständlich unseren deutschen Alltag. 

Warum also lehnen so viele von vorne herein eine weitere Bereicherung ab, die die in den letzten Monaten bei uns angekommenen Flüchtlinge mitbringen könnten? Wie gehen wir mit dieser Vielfalt um, war daher die Frage bei der Auftaktveranstaltung des 13. Festivals der Vielfalt vergangene Woche in Kaufbeuren.

Xenophobie heißt die Angst vor dem Fremden, Unbekannten, und sie ist der Hauptgrund für Fremdenhass und Ablehnung, Vorurteile und Missverständnisse. In seinem Vortrag „Alle anders – alle gleich“ zu Beginn der Auftaktveranstaltung im Sparkassenforum stellte Maximilian Engl, Diplom-Theologe und Trainer für interkulturelle Kommunikation, daher fest, dass dem Zauber, der laut Hesse jedem Anfang innewohnt, bei Einheimischen wie bei Zuwanderern oft sehr bald Ernüchterung und Frust folgen. Die Ziele Integration und gegenseitiges Verständnis müssen von beiden Seiten geduldig erarbeitet werden. In anschaulichen Experimenten zeigte Engl, dass die Art, wie wir unsere Umgebung und andere Menschen wahrnehmen, beeinflusst ist von unseren Interessen, unseren Erfahrungen, den Eindrücken aus der Umwelt und natürlich durch die kulturelle Prägung. Da werden schon zwischen Bayern und Hamburgern nicht nur in der Sprache eklatante Unterschiede offenbar. Aber die kenne man halt und verstehe sie auch zur Not.

Wichtig für jegliche gelungene Integration sei es daher vor allen Dingen, Gelegenheiten und Räume zum gegenseitigen Kennenlernen zu schaffen – das war eines der einmütigen Ergebnisse der anschließenden Podiumsdiskussion „Wie gehen wir mit Vielfalt um?“. Teilnehmer der von Claus Tenambergen moderierten Podiumsdiskussion waren Anja Skrypek, Beraterin für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), Maximilian Engl von Kubekom (Institut für kulturbewusste Kommunikation), Ministerialrätin Dr. Christiane Nischler-Leibl vom Bayrischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration sowie Gastgeber Alfred Riermeier, Leiter des Jugend- und Familienreferats der Stadt Kaufbeuren. Einig waren sich die Diskutierenden auch darin, dass es kein „Wir“ und „Die“ geben dürfe, man müsse die Neuankömmlinge an der Hand nehmen und in die ihnen unbekannten Besonderheiten unseres Alltagslebens einweisen. Das sei für beide Seiten anstrengend und bedürfe eines hohen Maßes an Geduld, wie auch schon Maximilian Engl ausgeführt hatte.

Schließlich erfüllte sich mit dem Auftritt von Simon Pearce (Jahrgang 1981) – Schauspieler, Comedian und Kabarettist – ein seit Jahren gehegter Wunsch von Festival-Initiator Alfred Riermeier: Ein Comedian mit Migrationshintergrund. In seinem Programm „Mein Leben als Schwarzer in Bayern“ erzählte Pearce fröhlich und so, als wäre das Unerfreuliche selbstverständlich, von seinen Begegnungen als Mischling mit den Nachbarn in einer bayrischen Kleinstadt oder mit der Polizei, die ihn bloß wegen seiner etwas dunkleren Hautfarbe mit immer wieder auf Drogenbesitz untersuchte. Trotz der kabarettistischen Aufbereitung blieb dem Publikum manchmal das Lachen im Halse stecken.

Dass Kaufbeuren mit seinen rund 44.700 Einwohnern, über 20 Prozent davon Migranten aus insgesamt fast 100 Nationen, nicht erst seit vorigem Jahr etwas für die Integration aller seiner Bürger tut, lässt sich daran ersehen, dass das Festival der Vielfalt als Gelegenheit zum Kennenlernen bereits zum 13. Mal stattfindet.

Von Ingrid Zasche

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