SMS für Dich: Hey, du :)

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Regisseurin und Schauspielerin zugleich: Über diese Herausforderung sprach Karoline Herfurth (rechts) mit Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch.

Die Berliner Schauspielerin Karoline Herfurth (*22. Mai 1984) wurde im Alter von 15 Jahren von einer Besetzungsagentin auf dem Schulhof entdeckt und kurz darauf für den Film „Crazy“ besetzt. Es folgten die Komödien „Mädchen, Mädchen“, „Große Mädchen weinen nicht“ und „Mädchen, Mädchen 2 – Loft oder Liebe“. Internationalen Durchbruch feierte Herfurth 2006 in der Bestseller-Verfilmung „Das Parfüm – Geschichte eines Mörders“. Für die Rolle der Tänzerin Lilly in „Im Winter ein Jahr“ wurde die Schauspielerin mit dem Bayrischen Filmpreis als Beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Anschließend übernahm sie die Hauptrolle in „Vincent will Meer“. Zuletzt begeisterte Herfurth in dem Publikumserfolgen „Fack Ju Göthe“ und „Fack Ju Göthe 2“ als engagierte Lehrerin Lisi Schnabelstedt. Für die romantische Komödie „SMS für dich“, die am 15. September in den deutschen Kinos startet, schrieb Herfurth am Drehbuch mit, übernahm die Regie und stand als Hauptfigur vor der Kamera. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf die Berlinerin und sprach mit ihr über die Herausforderungen des Films.

Wie viele romantische Komödie haben Sie gesehen, bevor Sie die Regie für eine eigene übernommen haben?

Herfurth: Ich habe schon immer alle romantische Komödie gesehen, die ich nur kriegen konnte, weil dies privat mein absolutes Lieblingsgenre ist. Wie viele... das müsste ich mal zählen. Also von meinem 9. Lebensjahr an bis jetzt... wie viele Komödien sind da herausgekommen? Viele! Ich mag „Schlaflos in Seattle“, „Email für dich“, „Er steht einfach nicht auf dich“, „Freundschaft Plus“. Der Film „About Love“ ist auch toll, auch wenn es keine klassische Romcom ist.

Warum haben Sie sich für ihr Regiedebüt für die Verfilmung des Romans von Sofie Cramer entschieden?

Herfurth: Ich habe das Buch erst als Drehbuchfassung kennengelernt und dann erst den Roman gelesen. Ich finde das Buch enthält alles, was ich mir als Zuschauer wünsche: Man hat ein Thema, das jeden von uns irgendwann etwas angehen wird oder schon längst beschäftigt. Gleichzeitig kann man eine lustige und romantische Geschichte erzählen. Es ist eine wunderschöne Mischung und es ist das Genre, in dem ich mich zu Hause fühle. Deswegen wollte ich den Film machen.

Wie groß war die Angst vor der Herausforderung?

Herfurth: Das Projekt war sehr schnelllebig. Ich hätte nicht gedacht, dass ich innerhalb eines Jahres schon drehe. Ich hatte also nicht so wahnsinnig viel Zeit, um mir darüber Gedanken zu machen. Ich war unglaublich nervös, herausgefordert und auch überfordert, aber so richtig Angst hatte ich nie. Ich wusste, dass ich ein unglaublich tolles Team an meiner Seite hatte: Szenenbildner Christian M. Goldberg, Kostümdesignerin Lisy Christl, Sabine Schumann an der Maske und Andreas Berger als Kameramann. Und auch auf organisatorischer Ebene konnte mir gar nichts passieren. Und auch meine Schauspielkollegen hatten den Mut, sich auf mich als Regiedebütantin einzulassen. Die Aufregung kommt erst jetzt, kurz vor der Premiere.

Stand von Beginn an fest, dass Sie auch die Hauptrolle übernehmen werden?

Herfurth: Die Idee bestand von Anfang an. Ich mag die Hauptfigur sehr gerne und wollte sie nur ungern hergeben und lieber selber spielen.

Wie viel Karoline steckt in dem Film?

Herfurth: Ich durfte meinem Bauchgefühl folgen und den Film machen, den ich machen wollte. Ich finde aber, man muss immer für alle Impulse offen sein. Ich war nur die letzte Instanz, bei der alle Ideen gebündelt wurden. Ich habe überall mit entschieden, beim Drehbuch und auch bei der Figurenentwicklung.

Wie schafft man die Balance zwischen Schauspiel und Regie?

Herfurth: Es sind wirklich zwei ganz konträre Arbeitsbereiche. Schauspieler brauchen einen Raum, wo sie sich von der Außenwelt abschotten und auf ihre Rolle konzentrieren können. Die Regie muss immer ansprechbar und wach sein, um alles mitzubekommen. Das war immer ein Spagat. Zweimal war ich als Regisseurin nicht ganz verfügbar, weil ich sehr emotionale Szenen gespielt habe, in der ich bis zu acht Stunden in der Rolle verbleiben musste. Ich musste lernen, wie ich auch in solch einer Situation beiden Bereichen gerecht werde.

Wenn man selbst Regie führt, ist man bei der eigenen Schauspielleistung strenger oder nachlässiger?

Herfurth: Sich in einer Rolle zu beobachten, begleitet einen schon als Schauspielerin. Ich war generell streng und ich kenne meine eigenen Macken (lacht). Die Figur der Clara habe ich mitentwickelt und war daher viel intensiver vorbereitet, weil ich alle Zusammenhänge kannte. Die Vorbereitung war schon während der Drehbucharbeit passiert, wodurch für mich viel Arbeit wegfiel, die ich sonst erst später gehabt hätte. Clara kannte ich einfach in- und auswendig und wusste daher genau, wie ich spielen muss.

Haben Ihre Schauspielkollegen Sie als Regisseurin akzeptiert?

Herfurth: Das Projekt und die Zusammenarbeit haben sich entwickelt. Wir sind die Bücher, die Dialoge und Tonalitäten sehr intensiv durchgegangen und haben da schon eine gemeinsame Sprache gefunden und auf einer Augenhöhe miteinander gearbeitet. Die Schauspieler waren dazu bereit, sich in meine Hände zu begeben, wofür ich sehr dankbar bin.

Wie groß war der Spaß am Set?

Herfurth: Wir hatten sehr großen Spaß. Im Film spielen Mirabellen eine Rolle. Die Idee kam aus dem Team. Ursprünglich sollten es Kirschen sein, aber die gab es zur Drehzeit nicht. Ich habe mich so in die Idee mit den Mirabellen verliebt, dass ich für den Film unbedingt welche haben wollte. Mirabellen gab es aber zu dem Zeitpunkt auch nicht, sodass wir welche aus Marzipan haben fertigen lassen. Die Szene mit den Mirabellen haben wir drei Stunden lang gedreht. Und drei Stunden lang Marzipan essen ist nicht wirklich sehr romantisch. Friedrich und ich kamen beide an unsere Würgegrenze (lacht).

Wie wichtig ist Ihnen das Medium SMS?

Herfurth: Ich schreibe den ganzen Tag SMS, einige Sachen sind aber persönlicher und schneller am Telefon zu klären. Ich tippe immer nur mit einem Finger, weil ich mich ansonsten immer verschreibe. Ich erinnere mich an Zeiten in meiner Kindheit, als es noch „geschlossenere „ Räume gab als heute, da es weder das Internet noch Handys gab. Diese Räume versuche ich mir künstlich zu schaffen. Am Wochenende lasse ich das Handy fast immer zu Hause liegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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