Rege Diskussion zum Fachmarktzentrum – Lokaler Unternehmer meldet Bedenken an

Einkaufszentrum – Ja oder Nein?

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OB Stefan Bosse (links) und der Geschäftsführer der A & F Grundbesitz Kaufbeuren GmbH, Dr. Jochen Ehlers, stellen sich den Fragen zum Vorhaben im Forettle.

Kaufbeuren – Bei der Infoveranstaltung zum geplanten Fachmarktzentrum haben sich diesmal auch zahlreiche Befürworter des FMZ Gehör verschafft. Dr. Jochen Ehlers von der Vermarktungs-GmbH Dr. Aldinger & Fischer stimmte dies "positiv", es gab aber durchaus auch Kritik. So meldete ein örtlicher Unternehmer konkrete Bedenken an.

„Das Forettle ist städtebaulich ein durchaus interessantes und qualitativ hochwertiges Gebiet, aus dem man wirklich mehr machen kann, als es heute der Fall ist“, so Oberbürgermeister Stefan Bosse in seiner Einleitung zur Informationsver- anstaltung zum Thema „Forettle“. Rund 400 interessierte Bürger waren der Ein- ladung in den Stadtsaal gefolgt, wo neben Vertretern der Stadt auch die Investoren und die möglichen Mieter im Fachmarktzentrum (FMZ) anwesend waren. Kritik an dem Vorhaben gab es abseits der Veranstaltung per Brief von einem Unternehmer. 

OB Bosse erklärte, die Stadt müsse sich sehr gut überlegen, was sie in diesem Quartier entwickelt und zulässt. Jetzt gehe es darum, das seit vielen Jahren bestehende Einzelhandelskonzept (EHK) fortzuschreiben. „In der heutigen Veranstaltung wollen wir uns anschauen, was auf Seiten von Investor und Eigentümer entstanden ist“, so der OB. Das sei in der Vergangenheit trotz vieler Versuche bislang nicht möglich gewesen. Hauptbedingung für das Projekt sei, „dass es der Innenstadt nicht schadet, sondern eher tendenziell nutzt“, so die Stadtspitze. Das bestehende Konzept stelle eine Art „Leitplanke“ dar, da der Einzelhandel eine wichtige Funktion für die Innenstadt habe. 

Baureferent Helge Carl informierte zunächst in einer Zusammenfassung aus dem 170-seitigen aktualisierten EHK des Büros Dr. Manfred Heider. Eine wichtige Kennzahl ist demnach unter anderem die Kaufkraft. Sie liege in Kaufbeuren bei 224 Millionen Euro, davon verblieben 198 Millionen in der Stadt. Das bedeutet, dass rund 80 Cent von jedem Euro in Kaufbeuren ausgegeben werden. 2012 wurden beispielweise insgesamt 354 Millionen Euro im Kaufbeurer Einzelhandel umgesetzt, davon kamen 140 Millionen Euro aus dem Umland. Das Marktgebiet mit 137.000 Einwohnern bestehe unverändert. Der OB sprach von einer „begrenzten überörtlichen Wirkung“, das Ziel sei aber, die Kaufkraft in Kaufbeuren zu halten. Helge Carl zitierte Dr. Heider, der glaubt, dass der Einzelhandel durch das FMZ nicht beeinflusst werde, wenn „eine innenstadtverträgliche und funktionierende Anbindung“ erfolgt. Es werde lediglich geringe Umverteilungen im Lebensmittelbereich geben, die Stadtplaner Manfred Pfefferle laut einem Gutachten von Dr. Lademann und Partner auf etwa zehn Prozent bezifferte. 

Das allerdings stellt sich aus Sicht der Georg Kaes GmbH als Betreiber des V-Marktes in einem Schreiben an den OB und die Stadträte anders dar. Geschäftsführer Horst Hermann sieht nicht nur der Ansiedlung des Roller-Möbelmarktes „mit gemischten Gefühlen“ entgegen. 

Das dort geplante 800 Quadratmeter umfassende Haushaltssortiment beeinträchtige seine Umsätze ebenso, wie das in seinem Haus auf gleicher Preisschiene angebotene Möbelsortiment. „Der geplante REWE-Markt im Forettle wird uns besonders weh tun“, heißt es weiter in dem Schreiben. Es wird darauf verwiesen, dass das Unternehmen in Kaufbeuren und Umgebung jährlich über 90 Millionen Euro für Lieferanten, Handwerker, Bauunternehmer und Dienstleistungen ausgebe. Außerdem unterstütze man jedes Jahr etwa 50 Vereine, Schulen, Kindergärten und andere Organisationen. Er sehe keinen weiteren Bedarf für zusätzliche Lebensmittelmärkte, heißt es von Hermann am Ende. 

In der Veranstaltung indes blieb die Frage von Stadträtin Catrin Riedl (SPD) unbeantwortet, ob das bestehende Parkhaus-Süd und der neue Parkplatz am Forettle harmonieren. Riedl sieht eine Konkurrenzsituation, weil schon mit einem „Semmelkauf“ das Parken am FMZ billiger komme als im Parkhaus und negative Auswirkungen auf den südlichen Teil der Innenstadt und die Passage zu erwarten sind. Ulrike Seifert (Grüne) kann eine gewisse Enttäuschung über die Veranstaltung nicht verhehlen. Ein externer Moderator hätte ihrer Ansicht nach für eine angemessenere Gesprächskultur sorgen können. Von der Sache hätte sie sich „weniger eine lange Verkaufspräsentation von Investorseite“ gewünscht, die aus ihrer Sicht fast einen „manipulativen Charakter“ aufwies. Auch ein „3D-Modell“ des geplanten Zentrums mit realen Größenverhältnissen – was bei vielen Architekturbüros Standard sei – wäre hilfreich gewesen. 

Oberbürgermeister Bosse kündigte an, dass es eine dritte Info-Veranstaltung zum Thema Forettle geben werde, wo dann ausschließlich die Anbindung des FMZ oder des Quartiers generell thematisiert werde. Er sagte außerdem zu, dass es vor dieser genannten Veranstaltung unter Einbindung der Bürgermeinung keine weiteren Schritte seitens des Stadtrates geben werde. von Wolfgang Becker

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