Investor stellt seine Pläne für Kaufbeurens "Filetstück" nahe der Innenstadt vor und stößt nicht nur auf Zuspruch

"Nicht ohne die Bürger!"

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Dr. Ehlers präsentierte dem Ausschuss das Sortiment für das geplante Fachmarktzentrum.

Kaufbeuren – Der Bauausschuss des Kaufbeurener Stadtrats hat in seiner Sitzung am Mittwoch die Weichen für die nächsten Schritte zur Errichtung eines Fachmarktzentrums im „Forettle“ gestellt.

Die Diskussion um die Verwendung des Grundstücks "Forettle" geht weiter, obwohl sich eigentlich ein Investor für ein Fachmarktzentrum gefunden hatte. Für das brachliegende Grundstück im Herzen der Stadt wird seit Jahrzehnten um eine attraktive Lösung gerungen. Nun hat das Gremium nach intensiver Diskussion der Verwaltung den Auftrag für die Bauleitplanung erteilt. „Wir werden immer die Bevölkerung einbeziehen“, lautete das Versprechen von OB Stefan Bosse. Anschließend stellte der Investor sein Konzept vor. 

Zunächst erlebten die rund 60 Besucher, darunter mehrere Einzelhändler, eine längere Auseinandersetzung um die unter- schiedlichen Ansichten zur Durchführung der von CSU- und Grünen Fraktion gleichermaßen beantragten Bürgerbeteiligung am Bauvorhaben im Forettle (wir berichteten mehrfach). Der Antrag der CSU-Fraktion beinhaltete eine zeitnahe breite Bürgerbeteiligung und einen intensiven Dialog mit dem Einzelhandel sowie dessen Interessen- verbänden. Die Grünen schlugen in die gleiche Kerbe, wollten jedoch darüber hinaus keinerlei Beschlusslage, auch nicht bei der Bauleitplanung. Nach den Worten des OB kann aber rein rechtlich eine Bürgerbeteiligung und eine Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange erst stattfinden, wenn eine solche Planung in Gang gesetzt wurde. Nach langer Diskussion verständigte sich das Gremium darauf, sowohl dem Antrag der CSU zuzustimmen als auch dem Stadtrat eine Empfehlung zu geben. Diese soll der „Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren“ – einer Vereinigung örtlicher Einzelhändler ein Rederecht zum Thema im Rahmen einer Stadtratssitzung einräumen. 

Konzept des Investors 

Bevor die Investoren Dr. Henrik Aldinger und Dr. Jochen Ehlers ihr Konzept vorstellten, skizzierte Stadtplaner Manfred Pfefferle die bestehende Planung seit 1979 bis 2012, bei der einem Sonderbaugebiet für den Einzelhandel zugestimmt worden sei. Im Anschluss präsentierte Ehlers sein Konzept inklusive der Sortimente, die auf den rund 11.000 Quadratmetern Verkaufsfläche (siehe Infokasten) Platz finden sollen. Dabei kommt vier sogenannten „Ankermietern“ eine zentrale Bedeutung zu. Sie sollen laut Ehlers im Wesentlichen die Attraktivität der Innenstadt und des Einkaufsstandorts Kaufbeuren stärken. 

Er räumte auf Nachfrage von Stadtrat Volker Kollmeder (WIN) ein, dass es sich beim Mieter „Expert“ allerdings lediglich um eine Verlagerung weg vom jetzigen Standort an der Sudetenstraße handele. 

Bedenken 

Bedenken äußerten Ralf Nahm (SPD), Ottmar Maier (FW) Hans Häuser (KI) Wolfgang Hawel (Grüne) sowie Johannes Espermüller (FDP). Sie alle sahen in dem Fachmarktzentrum, wie es von den Investoren präsentiert worden war, eher eine Erweiterung des in der Stadt bereits vorhandenen Angebots. 

Ernst Schönhaar (CSU) verwies auf die Standortanalyse des Büros Dr. Heider aus Augsburg, welches hinsichtlich des im Fachmarktzentrum geplanten REWE-Marktes von „merklichen Umsatzauswirkungen für die bestehenden Lebensmittelmärkte“ ausgeht – allerdings ohne direkte „Betriebsgefährdungen“ in der Innenstadt. 

CSU-Fraktionschef Gerhard Bucher urteilte: „Wir brauchen für die Attraktivität unserer Stadt endlich etwas Neues. Natürlich können wir alles liegen lassen, aber die Investoren stehen nicht Schlange!“ 

Der (wie zu Anfang beschrieben) leicht geänderte Beschluss, der ausdrücklich Änderungen in der vorgelegten Sortiments- und Flächenaufstellung während des weiteren Verfahrens möglich macht, wurde schließlich mit drei Gegenstimmen angenommen. 

Für Diskussionen sorgten danach allerdings noch die drei möglichen Varianten, wie der Fachmarkt an die Altstadt angebunden werden könnte. Diese stellte der neue Baureferent Helge Carl vor. Die Kosten für diese Varianten werden grob zwischen 1,4 und 2,2 Millionen Euro geschätzt, zur Auswahl stehen für die Straßenquerung „Am Graben“ entweder eine von zwei möglichen Steglösungen oder eine Variante mit Ampel.von Wolfgang Becker

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