"Kaufbeurer Vielfalt in Schwarz-Weiß"

Ein Leben an der Grenze

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Harte Kontraste: Im Sparkassenforum zeigte der Kaufbeurer Fotograf Christoph Jorda, wie es den Menschen geht, die vor der spanischen Enklave Melilla (Marokko) auf eine Möglichkeit warten, Europa zu erreichen.

Kaufbeuren – Um unvorstellbares Leid und größten Luxus auf einem Foto zu verewigen, bedarf es weder Weitwinkelobjektiv noch Zoomfunktion – das bewies Christoph Jorda mit seiner Fotodokumentation über geheime Flüchtlingslager in den Bergen vor der spanischen Enklave Melilla.

Der Fotograf aus Kaufbeuren reiste auf eigene Faust nach Marokko, um sich und seiner Heimat jenseits der medialen Berichterstattung ein Bild davon zu machen, wie die Realität der Menschen in den Flüchtlingsverstecken direkt vor der europäischen Grenze aussieht. 

Die Veranstalter mussten zusätzliche Stühle aufstellen, so viele Besucher fanden den Weg ins Forum der Sparkasse, wo am Freitagabend im Rahmen der „Aller 1. Kaufbeurer Fototage“ die Fotoausstellung „Kaufbeurer Vielfalt in Schwarz-Weiß“ des AKF-Kaufbeuren eröffnet wurde. 

Nach Begrüßungsreden durch Franz Endhardt aus dem Sparkassenvorstand, Bürgermeister Ernst Holy und AKF-Leiter Peter Ernszt trat Christoph Jorda ans Rednerpult und erzählte dem aufmerksamen Publikum in seinem Bildvortrag von seinen Erlebnissen und Gesprächen mit Menschen, die nur einen Steinwurf von Europa entfernt in den Bergen vor Melilla unter unwürdigsten Verhältnissen ums Überleben kämpfen. 

Der Kontrast könnte nicht größer sein: Die Bilder zeigen instabile Zelte aus Steinen und Plastikplanen vor einer hell erleuchteten Stadt am Meer. Die Menschen, so Jorda, können von ihrem Berglager direkt auf die Springbrunnen der Stadt blicken und die Party-Musik am Strand von Melilla hören, während sie Hunger und Durst leiden. 

Die Flüchtlinge, unter ihnen sogar Kinder, leben ohne Zugang zu sauberem Wasser und von den Abfällen, die sie unter ständiger Angst vor der aufgehetzten spanischen Zivilbevölkerung im Müll suchen. Bei 1000 Höhenmetern besitzen viele von ihnen nicht einmal ein Dach aus Stoffresten und Plastikplanen, sie schlafen unter freiem Himmel, dicht aneinander gedrückt, um sich vor der kriechenden Kälte zu schützen. 

Ohne jegliches Pathos, dafür mit eindrucksvollen Aufnahmen, die heimlich und unter ständiger Vorsicht vor dem spanischen Geheimdienst entstanden, schilderte Jorda, wie mit dem Flüchtlingsproblem von spanisch-europäischer Seite umgegangen wird. Daran, dass Flüchtlinge, die den Hochsicherheitszaun von Melilla zu überwinden versuchen, von spanischen Militärs schwer misshandelt werden, ließ Jorda keinen Zweifel. Seine Bilder zeigen schwere Verletzungen und ein Europa, das viele bis dahin noch nicht kannten. 

Beeindruckend waren auch die Geschichten der Menschen, die Jorda interviewt hat: Dadurch und durch die Bilder von Christoph Jorda bekamen einige der Flüchtlinge, über die derzeit in der Öffentlichkeit so viel berichtet wird, ein Gesicht. Am Ende seines Vortrags herrschte eine bedrückende Stille unter den Zuhörern. 

Viele sahen sich im Anschluss an die kostenfreie Veranstaltung noch die Fotoausstellung des AKF-Kaufbeuren im Gewölbe der Sparkasse an. Die Ausstellung „Flüchtlinge“ von Christoph Jorda ist noch bis zum 13. September im Forum der Kreis- und Stadtsparkasse zu sehen.

von Philip Bradatsch

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