Spurensuche

Vom Pflegeamtsschloss zur Polizeistation

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Das historische Gebäude an der Augsburger Straße war in früheren Zeiten Verwaltungssitz und Ort der Gerichtsbarkeit. Heute ist die Polizei Hausherr des staatlichen Gebäudes. Unser Foto zeigt Inspektionsleiter Bernhard Weinberger (v. li.), Historiker Ulrich Müller und den stellvertretenden Dienststellenleiter Markus Dösinger vor dem historischen Gebäude.

Buchloe – Das Gebäude der Buchloer Polizei-Inspektion in der Augsburger Straße gehört mit zu den ältesten in der Stadt. Für Ulrich Müller, ehemaliger Studiendirektor, Historiker, Experte der Buchloer Geschichte und Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins ist ein derartiges Gebäude natürlich ein toller Forschungsgegenstand. Was er dabei herausfand, ist spannend und auch bewegend.

In zwei Vorträgen brachte nun Ulrich Müller die Geschichte ihres Gebäudes den aktiven Polizeibeamten wie auch den Pensionären näher. Polizei-Inspektionsleiter Bernhard Weinberger bezeichnet die Vorlesung Müllers als „Dienstunterricht der anderen Art, jenseits von Paragraphen und Vorschriften“. 

Kaum bekannt ist, dass es auf dem Gelände bereits Vorgängerbauten gab. Das erste Pflegeamtschloss, wie damals die Bezeichnung für das Gebäude lautete, wurde erstmals 1584 archivarisch belegt. Sinnigerweise mit Kostenvoranschlägen, denn das Amtshaus war baulich demnach in einem sehr schlechten Zustand. Zuständig für die Immobilie war damals der Augsburger Bischof Marquart II. von Berg. Der stellte die Frage an den Baumeister, „ob die Uncosten würckhlich vonneten“ seien. Sie waren es, denn 1584 wurde dann auch renoviert und saniert. 

Wechselvoll war die Geschichte, nicht immer war Geld vorhanden. „Lange Zeit schweigen die Akten“, was nach Müllers Ansicht auch mit den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zusammenhing. Die letzten Nachrichten vom alten Schloss soll es 1671 gegeben haben. 1673 wurden die Amtsgeschäfte der Verwaltung für Buchloe ins Schloss Koneberg verlegt. Das Buchloer Amtsgebäude verschwand irgendwann von der Bildfläche. 

Im Jahre 1728 wurde der Neubau begonnen. Das Schloss wurde der Amtssitz des Pflegeverwalters. Der Begriff des Pflegeverwalters hat mit dem heutigen Begriff der Pflege nichts zu tun. Pflegeverwalter waren die obersten Beamten in einem Amtsbezirk, das Pflegeamt eine mittlere Verwaltungsebene, am ehesten vergleichbar mit einem Landkreis alten Zuschnitts. Pflegeverwalter waren gleichzeitig auch Richter, sie übten zudem die Polizeihoheit aus. In den Jahrhunderten davor nannte man die Pflegeverwalter auch Amman (von Amtmann) oder Vogt. 

So mancher Buchloer wundert sich, warum das Gebäude innerhalb des Ortes mit Graben und Mauer umgeben ist. Ulrich Müller weiß die Antwort. Natürlich hebt ein Wall samt Graben das Gebäude aus der Umgebung heraus. „Die damaligen Landesfürsten waren sich aber auch durchaus bewusst, dass ihrem Herrschaftssystem nicht nur Gefahr von außerhalb der Stadtmauern drohte. Spätestens seit den Weberaufständen in Augsburg in den Jahren 1784 und 1794/95 und den späteren Aufständen in Schlesien 1844 wussten die Herrschenden, was sie von ihren Untertanen zu halten hatten und sicherten sich mit Wall und Graben auch gegen die eigene Bevölkerung ab. 

Die Landgerichte älterer Ordnung, also Verwaltung und Justiz in einer Hand, wurden ab 1862 abgelöst durch die Landgerichte, die wirklich nur als Justizorgane fungierten. 1879 soll auch das Landgericht in Amtsgericht umbenannt worden sein. Unten im Gebäude waren die Amtsräume, oben wohnte der Amtsrichter auf einer Riesenfläche. Es ist überliefert, dass ein Besucher davon sprach, dass man in der Wohnung super Rollschuhe fahren konnte. 

1974 zog die Polizei in das Gebäude ein. Die Ordnungshüter hatten vorher im Rentamt am Postberg ihre Amtsräume gehabt. So kommt es, dass Buchloes oberster Polizist Bernhard Weinberger heute von der Garderobe aus seine Amtsgeschäfte führt. Genau genommen natürlich von der ehemaligen Garderobe des früheren Amtsgerichtes. Sein Stellvertreter Markus Dösinger ist im ehemaligen Kinderzimmer im Obergeschoss gelandet. Das Haus wurde mehrfach umgebaut, saniert und renoviert. Man brauchte keine Waschküche und auch keinen Kohlenkeller mehr. 

Das Buchloer Polizeirevier war Anfang der siebziger Jahre nicht ständig besetzt. Die älteren Buchloer werden sich erinnern, dass es vor dem Haus einen sogenannten „eisernen Polizisten“ mit Sprechfunkverbindung zum Polizeirevier in Kaufbeuren gab. 

Ulrich Müller als Vorsitzender des Buchloer Heimatvereins ist stolz auf das Gebäude. Dort wurde seit dem Mittelalter Buchloe verwaltet, in den Räumen des Gerichts ist über viele menschliche Schicksale entschieden worden. Das Gebäude ist heute nicht nur Sitz der Polizei sondern auch Sitz der Buchloer Störche. Seit sie da sind, soll die Einwohnerzahl ständig und konstant gestiegen sein, sagt man. Ob der Zusammenhang wohl stimmt?

von Siegfried Spörer

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